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Neue Nationalzeitung · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite lö. „Neue National-Zeitung" Nr. 10. Erscheinen der Berliner Meldung an kompetenter Stelle über die Angelegenheit Informationen eingeholt, und ich bin in der Lage zu konstatieren, dass Prof. Dr. Adler in der Tat auf Betreiben des preussischen l 'nierrichtsniinisters und im Einverständnisse beider Teile als nächster Austausch-Professor nach Berlin gehen wird." Der alte Judenfriedhof in Frankfurt a. M. bildete jüngst den Gegenstand eines Vortrages vom Privatdozenten Doktor Julius Hülsen an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. In den etwa 8000 Grabsteinen, die den Begräbnisplatz in dichter Enge erfüllen, spiegle sich nicht nur die Geschichte des Frankfurter Ghetto und der einzelnen Altfrankfurter Familien, die auf den Steinen mit ihren seltsamen Hauszeichen kenntlich gemacht sind, sondern auch alle Stilabwandlungen von der Mitte des dreizehnten bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts lückenlos, häufig in vortrefflichen Mustern wieder. Dukunstgeschichtlichen Darlegungen wurden dureh Lichtbilder charakteristischer Steine und Steingruppen, sowie anderer alter jüdischen Friedhöfe — wie Prag.' Sarajevo, auch der ..Juclcnfriedhof" von Ruisdael fehlte nicht -- begleitet. Dr. Hülsen berichtete sodann über die Arbeiten des Frankfurter Komitees zur Erhaltung des Friedhofs, das vor mehreren Jahren unter dem Vorsitz von Rabb. Dr. Horowitz und Raphael Kirchheim zusammengetreten ist und welchem Redner — ehrenamtlich — als technischer und künstlerischer Berater zur Seite steht. Restaurierungen werden nur selten und in vorsichtigster Weise vorgenommen, bezweckt wird in erster Linie die unversehrte Erhaltung des noch vorhandenen in irgend einer Hinsicht Bedeutungsvollen. Das Komitee hat mehrere Publikationen über die Inschriften und Kunstofrmen, sowie die Herausgabe des Totenbuchs der alten Beerdigungsbrüderschaft in Arbeit genommen. Auf die modernen Friedhöfe mit ihrer Still isigkeit und ihrem Prunk fielen nicht sehr günstige Streiflichter. Doch betonte der Vortragende, dass für moderne Friedhofsanlagen selbstredend die andersartigen Verhältnisse, insbesondere die Möglichkeit einer viel weiteren räumlichen Ausdehnung und die neuen Gesichtspunkte der Garten baukunst massgebend sein müssten. Der durch Pietät und künstlerischen Sinn gleich ausgezeichnete Vortrag hinterliess einen tiefen Fändruck. Wie der lebendige Leiser Wallfisch begraben wurde. Die New-Yorker Gerichte beschäftigen sich jetzt mit einem interessanten Fall, dessen Fäden sich bis nach Galizien erstrecken. Ein aus Galizien stammender Plinwanderer namens Leiser Wallfisch wurde bald nach seiner Landung in New-York wahnsinnig und musste in das State-Hospital überführt werden. Der g a 1 i z i s c h c Krankenunterstützunggsverein in New-York, der auch seine eigene Begräbnisstätte für seine Mitglieder besitzt, erhielt eines Tages von der Spitalverwaltung die Nachricht, dass Leiser Wallfisch gestorben sei. Die Yereinsleitung liess die ihr bezeichnete Leiche auf den Yereinsfriedhof bringen und daselbst bestatten. Die Verwandten Leiser Wallfischs in Galizien wurden ebenfalls von dem Tode des Emigranten verständigt. Nun ist Leiser Wallfisch gar nicht gestorben, sondern nach seiner Heilung in seine Heimat nach Galizien zurückge schickt worden. Die über die Ankunft des Totgeglaubten erschreckten Verwandten des Leiser Wallfisch wollten ihn gar nicht in die Wohnung lass::n, als er sich eines Tages in dem kleinen galizischen Städtchen meldete. Dieser Tage kam nun die offizielle Bestätigung aus Galizien an den New-Yorker Enterstützungsverein, dass Leiser Wallfisch am Leben sei. Der getauschte Krankenunterstützungsverein hat nun vor allem gegen die Spitalsverwaltung die Klage auf Schadenersatz angestrengt und verlangt, dass der fremde Leichnam, dessen Identität noch gar nicht festgestellt ist, auf Staatskosten exhumiert und anderswo begraben werde. Der Hilfsverein der deutschen Juden erhält aus Kiew folgendes Telegramm: Die Kiewer Polizei veranstaltet neuerdings förmliche Treibjagden auf diejenigen Juden, die ihr Wohnrecht in Kiew nicht nachweisen können. Gestern nachts wurden 40 Juden arretiert, die per Schub auf dem Etappcmvegc nach ihren Wohnorten zurückgebracht werden. Der Millionär Brodsky. Aus Odessa wird berichtet: Der hiesige jüdische Bankier H. Brodsky feierte seine goldene Hochzeit. Anlässlich dieses Festes spendete er 10.000 Rubel für wohltätige Zwecke, davon für die christlichen Volksschulen 5000 Rubel. Füs ist nun interessant, dass diese Volksschulen keine jüdischen Kinder aufnehmen und äusserst antisemitisch sind. Herr Brodsky gibt aber „ohne l'nterschied der Konfession." Die Machbelah wird elektrisch beleuchtet. Dem Pariser ..Matin" wird aus Konstantinopel gemeldet: Die türkische Regierung hat die Bewilligung erteilt, dass die Grabstätten der biblischen Patriarchen, (die Höhle Machbelah) sowie die übrigen biblischen Grabmäler mit elektrischer Beleuchtung versehen werden. In Mekka und anderen mohammedanischen Wallfahrtsorten ist die elektrische Beleuchtung schon seit längerer Zeit eingeführt. Die Juden in Eisenstadt. Im Juli dieses Jahres werden es 200 Jahre, dass das jüdische Gemeinwesen in Eisenstadt unter der Aegide R. S a m s o n W e r t h e i m e r und R. M e i r E i s e n s t a d t wiedererrichtet wurde. Aus diesem Anlass wird die Herausgabe einer Geschichte dieses Gemeinwesens geplant. Wiewohl bereits eine Fülle interessanten Materials dem leitenden Komitee zur Verfügung steht, werden doch alle diejenigen Gelehrten des In- und Auslandes, die eventuell Wissenswertes aus alten Erkunden. Büchern. Kesponscn, Grabsteindaten etc. zur Verfügung stellen können, gebeten, diese Daten an das K om i t e e z u r 11 e r a u s g a b e d e r j ü <1 i s c h e n Cr e s c h i c h t e K i s e n s t a d t s in Eisensiadt 1 Kismai ton '. Engarn. gelangen zu lassen. Hierfür wird im Vorhinein der herzlichste Dank ausgesprochen. leiste der» Qius&efvtHmn. (Vom 1. bis 29. Februar 1908.) Theod. Dav. Albrecht. XIX. Hofzeilc 4; Valerie Berg. IX.. Kolingasse 19: Katharina Sirauss AYüllischbirkcn\ XVI1.. Klopstorkgasse 22. Israel Bechersack Kahau Krcmctschuk 1. HF. Klimschgassc ö; Dr. Stau. Gust. Regelmann (Odessa:. IX., Mariannengasse 1; Abraham Kadiseh Stein W atsch tu , XYIIL, Währingerstrasse 133: Siegmund Bettelheim 1 Prossnitz:, II.. Brigittcnauerlände 2: Paul Salzer, XIX. Hofzeile 29; Gisela Frank, VIII., Alserstrassc ^: Paula Freund. XVIII.. Karl Luduigstrassc 27: Mathilde <-iger. XVf!/. Antotiigasse 70; Irene S i e b e n s c h e i n. I.. I.Ehtenfelsgasse 5; Dr. Rudolf S i e b e n s c h e i n, I., Lic'ntcnfelsgasse 5: Rosalia Hoffmann (Ferd. Szcrdahelvi. XVII. Bium'engasse ii; Emma Meisel iTroppair, IV., Wiedener Hauptstrasse 20: Irma Kriese,- -Sjlleini. XIII.. Hadikgasse 114; Friederike Baum Beeli./ . E. Kohlmarkt Nr. 10: Moritz Mehner, F. Esslinggasse 1;: Heinrich Wahltuch (Odessa», III.. \e:ilinggasse 13: Maigar. Mandl. I.. Kranzeusring 20; Irma Bitiii, II., Faulbcigeigasse <>: Karl Schütz d'rag), I., Maximiiianstrass'- Ii: Jenny Pick-Steiner 'Leipzig), IV., Schlüsselgasse 5; Rudolf Th; umann. E. Neutorgasse (>; Friedrich R o s e n z w e ig i m k. k. ,\ 1 1 g e m. K r a n k e nhausei; Ignatz Tänzer (Grodek/. IX.. Georg Siegigasse 10; Keile Wasser ,Kami >nkai. XVI., Wichtelgasse 5}; Margar. Rosenfeld, IX., Grüne Torgasse 2: Thercsie Rabawsky, YHE, Piaristenga.ssc 10; Moritz Breisach (Budapest!. E. Riemergasse Nr. 11; Alfred Engelsmann, E, Franz Josefs-Kai 25: Maryem Goldberg 1 Kam:onk'a >. II.. Stuwerstrasse 19; Alexander Po'llak (Neutra'. I.. Molkerbastei 10; Emil Helfgott, X., Ilumbohhgasse 3Ö; The ,.! .1 Sachs. XX.. Brigitte.laucrl.üule 5S: Anna Rund iB-ielitz'. \'.. Franzensgasse 21: Otto Franz "Bergmann (Neubids. how>, Ecderfabi ikant; Ernst Fabri, IE. Pratei sti a'sse 11. Im Februar iuo.S zusammen 38 Austritte: im gleichen Monate des Vorjahres waren es 31. JirJefl^asten der j^eda1<1iofi. Dr. S. Sie werden uns doch nicht zumuten, dem Herrn Löre alias Sachse in Berlin neuerlich zu antworten, wenn er auch in der letzten ..Sc hundschau'- unseren Herausgeber an zwei Stellen angreift. Wir haben die Person jenes .Ehrenmannes bereits in diesem Blatte gekennzeichnet. Wenn er sich jetzt durch die neuerliche Hetze wieder etwas verdienen kann, so wollen wir es ihm schon vergönnen. -- Dr. B. in L., Dr. G. in B., Dr. A. in Wien. Ihre Artikel erscheinen demnächst. Der zweite Artikel „Reiseeindrücke aus Galizien" von Rüben Brainin erscheint wegen Raummangel erst in der nächsten Nummer. Hingesendet. UBERPTOM

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