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Neue Nationalzeitung · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10. ,Neue National-zteitung" Restaurant Barschak, Obere Donaustrasse 81 und bei allen Komiteemitgliedern. Beginn präzise 8 Uhr abend, kein Toilettenzwang. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk, Wien, LX/i, Grüne Torgasse io.) Wir erhalten nachstellenden lierieht: Vor 14 Tagen hat Herr Schulinspektor Professor Dr. Kunitz, wie alljährlich, die Vereinsschule inspiziert. Kr hatte in den. verschiedenen Abteilungen einzelne Kinder zu prüfen und hat sich derselbe über die Leistungen 'in sehr anerkennender Weise ausgesprochen. Die Schule wird heuer im VIII. Yereinsjahiv von hundert Schülern besucht, welche Tatsache zur Genüge beweist, dass der Verein immer mehr Anklang findet, und bereits zur Notwendigkeit für den IX. Bezirk wurde. Nachdem nun durch die stets zunehmende Schülerzahl dem Vereine grössere Auslagen erwachsen, wäre es dringend notig, dass zahlreiche edle Glaubensgenossen, die für das wahrhafte Judentum Interesse haben, die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereines durch Beitritt oder Spenden zu unterstützen. Krakau. Vom 19.—21. April wird der Parteitag der P o a 1 e - Z i o n (»esterrcichs stattfinden. Die Tagesordnung ist folgende: Am Vormittag des ersten Tagen gelangen die Berichte (der Parteiexekutive, des Kassierers, des ..Jüd. Ar!)." und der Kongressdelegierten 1 zur Verhandlung. Nachmittag: 1. Proletarische Kolonisationspohtik und unsere Palästinaarbeit. 2. Agrarkolonisation und die zionistischen Institutionen in Palästina. 3. Die Aufgaben des Weltverbandes der P. Z.i. Zweiter Tag. Vormittag: 4. Das Verhältnis zu anderen Parteien. 5. Das Gemeindeprogramm. Nachmittag: ö. Partei und Gewerkschaft. 7. Organisation T'rauen -— und Organisation jug. Arbeiter). Der Vormittag des dritte n T a g e s ist für den Verbandstag der Fa< horganisation lAllg. jüd. Arbeiter-Verband Oesterreichs) reserviert. Am Nachmittag gelangt der Punkt: ,,Innere Kulturarbeit und Parteiverlag" zur Verhandlung. Czernowitz. In der abgelaufenen Woche fand eine Fusion der beiden bürgerlichen zionistischen Organisationen statt, um durch einheitliche Administration den Kulturaufgaben des Zionismus in höherem Grade gerecht werden zu konn n. Der Verein .,Z i o n" nahm die Mitglieder des Vereines ..E 1 e z Israel" auf und fand dann bei der ausserordentlichen General Versammlung am 23. Februar der Eintritt der .Mitglieder .statt, die vom Obmanne des „Zion", Redakteur M a x W e n d e r, feierlich begrüsst und von den Mitgliedern mit stürmischem Beifall empfangen wurden. Hierauf legten sämtliche Funktionäre beider Vereine ihre Mandate nieder, um nunmehr beide Gruppen an der Verwaltung gicichmässig teilnehmen zu lassen. Der Name des Vereines ,,Zion" wurde zum Zeichen der Fusion umgeändert und wird der Verein nunmehr den Namen .7i o n - Verein Krcz-Israel" führen. Bei der vorgenommenen Neuwahl wurden die folgenden Herren in den Vorstand gewählt: Dr. Sal. Schajowicz, Josef Hornstein. Jakob Koppel. Hersch Taubes, Abraham Meiselmann, Sal. Zimmermann. Ohaim Vogel, Isak Schärf, J. II. Rosenstock, Abraham Engel. Max Wen der. Chaim Presser, Dr. Chaim Kinsbiunner, Apotheker Füllenbaum, Dr. Mayer Ebner, Löhe! Taubes, Dr. Max Diamant. Kopel Hamburger; als Ersatzmänner: Mersch Barasch, Sal. Kalmus, Wolf Diner, Pinkas Bomse, Gh. L. Schiffmann, Eisig M elzer. Moses Münzer, Dr. Mendel Kinsbrunner, Dr. Sal. Kinsbrunner. Bei der am 26. Februar vorgenommenen Konstituierung wurden gewählt zum Obmann der bisherige Obmann des ..Zion" Redakteur Max Wender, zum I. Stellvertreter der bisherige Obmann des „Erez-Lsrael" Dr. Sal. Schajowicz, zum II. Stellvertreter Josef Hornstein, zum deutschen Sc hriftführer Dr. Max Diamant, zum hebräischen Schriftführer Abraham Engel, zum Kassier Jakob Koppel, zum Bibliothekar Chaim Vogc 1, zum Zeitungsverwescr Abraham M c i s e 1 m a n n. zum Oekonom Isak Schärf. Der neugewählte Vorstand hat bereits mit den Arbeiten zu einer vollständigen Organisation der zionistischen Tätigkeit in Czernowitz begonnen. ftllEN WElTOilSN Das Schaltjahr. Dieses Jahr der jüdischen Zeitrechnung (5668), ist ein Sc halt jähr und besteht daher aus 13 Monaten. Der Jude zählt Mond-Monate, die 29 oder 30 I age haben; die Sonnen-Monate haben 30—31 Tage. Cnser Jahr ist also jährlich 10—11 Tage kleiner als das Sonnenjahr, m drei Jahren mithin ungefähr um einen Monat. Wir schalten darum ungefähr alle 3 Jahre einen ganzen Monat ein, um das kürzere Mondjahr auszugleichen mit dem längeren Sonnenjahr. Die Rücksichtnahme auf das Sonnenjahr ist notig, damit Pesach stets in die Frühlingswende fällt und , Chag-IJoowiw" wird, Fest der Aehrenreife. 1^2. B. M.) Ohne den Schaltmonat würde Pesach immer weiter zurückrücken und schliesslich sogar mitten im Winter sein. ..Antisemitismus in Leeds." Guter dieser Marke wird in jüdischen Blättern nachstehender Vorfall in der englischen Fabriksstadt geschildert: ..Der Besitzer des Grand Restaurant hat in dem ersten Stockwerke des Restaurants ein Cafe eingerichtet, zu dem er Juden den Zutritt verweigert. Die jüdische Gemeinde protestiert nunmelu gegen eine Erneuerung der Lizenz des Restaurationsbesitzers, der erklärt, dass er auf gute Kundschaft rechne und dass diese Kundschaft nii ht mit Juden, in einem Räume sitzen wolle." Es gibt jedoch jüdische Blätter, die dem Restaurateur vollständig Recht geben. So meint der „Jeu ish Express", dass die jüdischen Mädchen und jungen Leute ein solch auffallend ungezogenes Benehmen .111 den Tag legen, welc hes den Restaurateur im Interesse seines Geschäftes zu dieser .Massregel zwinge. Geh. Medizinalrat Dr. A. Basr. Kreisphysikus und Gefängnisarzt in Plötzensee, ist na< h längerer Krankheit verschieden. Baer war bedeutend in der Sozialmedizin: geradezu klassisch ist sein Werk „Der Alkoholismus" geworden. Von seinen Werken sind ferner hervorzuheben: ..Die Verbrechen in anthropologischer Beziehung" und ,,Geber das Vorkommen der Lungenschwindsucht in den Gefängnissen". Generalarzt Dr. Stein, der deutschen Armee, ist 85 Jahre alt jn Bayreuth gestorben. Nach zweijähriger Tätigkeit als Assistenzarzt am Münchner Krankenhause trat er 1849 als Militärarzt zunächst ins 13. Infanterieregiment. später ins 6. Ohcvaulcgerrcginivnt ein, dem er 20 Jahre angeheilte. Er machte die Feldzüge d >r Jahre 1800 und 1870 mit und wurde durch die g o I d e n e Sanitätsmedaille und das e i s e r n e K r e u z ausgezeichnet. An der Beerdigung nahmen unter anderem teil General Böhm, das Offizierskorps des 6. Chevaulegerregiments. Offiziere des 7. Infanterieregiments, die Sanitätsoffiziere. Vertreter der Regierung, der Verein ehemaliger Angehöriger des •>. Chevaulegerregiments. der Veteranen- und Kriegerverein, eine l'nteroffiziers- und Mannschaftsdeputation des 6 Chevaulegerregiments. Am Grabe gedachte Regimentskommandeur Fürer von Heimendorf der hervorragenden Tätigkeit des Verstorbenen während seiner Dienstzeit, insonderheit während der Feldzüge der Jahre 1866 und 1870. Namens des Sanitätskorps wies Oberstabsarzt Dr. Stöbäus auf die vorbildlichen Leistfingen des IL inigegangenen hin. Bayern besass vor Jahren nicht weniger als l (> j ü d i s c h e (', e 11 e r a 1 ii r z t e im Generalsrang. Von diesen 10 leben jetzt nur noch vier; darunter Generalarzt Dr. I 11 mann in Strassburg. Generalarzt Dr. Mohr und der Generalmajor O b e r m e > e r. Vor kurzem verstarben ausser Dr. Stein noch die Generalärzte Dr. Moriz Xeuhöfer in München und Dr. Simon Kuznizkv in Freiburg. Hofrat Vambery's Name ist jüngst im englischen Oberhause höchst ehrend erwähnt worden. Lord C u r z o n, der frühere Vizekönigvon Indien, hielt seine Jungfernrede und griff die Regierung wegen des britisch russischen Asienvertrages in einer laugen und glänzend begründeten Rede an. worauf ihm der Vertreter des Auswärtigen Amtes, Lord Fitz m a u r i c e, folgendes erwiderte: „Die Argumente des edlen Lords stammen von einem hochberühmten und aufrichtigen Freund Englands, von Professor Armin V a m b e r y, der alle die eben angeführlcn Einwendungen gegen die britisch-russische Entente in einer Reihe von Artikeln veröffentlicht hat, die teilweise in der „Morning Post" erschienen sind." Gegen diese Einwendungen selbst aber konnte Lord Fitzmauric e auch nichts vorbringen; sie wurden auch vom Hause als wohlbegründet anerkannt, wie die häufigen Beifallsrufe bewiesen. Immerhin ein schöner Erfolg, den der einstige arme ungarische Judenjunge und jetzige hochberülimte Orientalist errungen hat! Als amerikanischer Austausch-Professor ist nunmehr Dr. Felix Adler von der Kolumbia-Cnh ersität in Aussicht genommen. Darüber veröffentlicht der Prediger Stephan S. Wise im ..American Israelite" nachstehenden Brief: „In einem an Ihr Blatt gerichteten Sc hreiben de s Herrn Dr. Max L. Margolis wird behauptet, dass die Nomimerung Dr. Felix Adlers von der Kolumbia-Lniv ersität als Theodor Roosevelt-Piofessor in Berlin nicht zur Kenntnis genommen worden sei. In Richtigstellung dieser durchaus irrigen Meldung bitte ich feststellen zu wollen, dass Prof. Felix Adler tatsächlich) von der Kolunibia- L'niversität als Theodor Reosevelt-Professor für das Jahr 1908 bis 1909 nach Berlin designiert und von der pn-ussischen Regierung als solcher auch akzeptiert wurde. Auf der siebenten Tagung des Friedenskongre sses in New-York am 10. April 1907 stellte der Präsident Nichola> Murray Butler von der Kolumbia- Cniversität Prof. Adler dem Kongresse mit folgenden Worten vor: ..Prof. Adler ist nicht nur der Führer der New-Yorker Gesellschaft für ethische Kultur und nicht nur Professor für soziale und politische Ethik an der Kolumbia-Cnb ersität. sondern — wie ich hiermit zum erstenmale mitzuteilen die Ehre habe — auf Betreiben des preussischen Ministers für l'nterricht der erwählte Theodor Roosevelt-Piofessor an der Berliner Universität für das Jahr 1908 bis 1909." Ich habe nach dem

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