Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. „Neue National-Zeitung" Nr. 10. nützen Zeit- und Geldverlust betrachtete, gab es, um einen Konflikt zu \ ermeiden, dem Wunsche der Alliance nach. Da aber kam eine neue Frage aufs Tapet, die ohne Verschulden des italienischen Komitees zu einem Konflikt geführt hat. Das Zentral-Komitee der Alliance in Paris wollte aus persönlichen Gründen und auf Grund subjektiver Bewertung der bisherigen Tätigkeit und der Fähigkeiten des Dr. F a i 11 owitsch diesen von der Mission ausschlössen. Das italienische Komitee erachtete ein solches Vorgehen aJs Ungerechtigkeit und als Fehler. Als Ungerechtigkeit, weil Herr Faitlowitsch alles zugunsten der Falaschas eingeleitet und allein gefördert hat; als Fehler, weil Herr Faitlo witsch vermöge seiner ausgezeichneten Kenntnisse des Landes, der Bewohner und ihrer Sprache, vermöge des Vertrauens und des Ansehens, das er sich bei den Falaschas erworben hat, im gegenwärtigen Augenblick als die "inzige Persönlichkeit gelten kann, die sichere Gewähr für einen glückliehen Ausgang der Mission bietet. Als alle Bitten und bescheidenen Vorstellungen, von diesem Beschluss zurückzutreten, die vom italienischen Komitee schriftlich bei der Leitung der Alliance vorgebracht wurden, ungehört blieben, begab sich;der unterzeichnete Präsident persönlich nach Paris, um die Frage zu regeln. Dank dem Eingreifen zweier angesehener Mitglieder der I. C. A. entschloss sich das Zentral-Komitee der Alliance zu einer Vereinbarung, in der es zustimmte, dass Herr Faitlo witsch als Vertreter des italienischen Komitees an 'der Mission teilnahm, hingegen die Forderung stellte, dass er „unter der Order" des Flerrn Nah um stehen sollte, der \ion der Alliance zum Chef der Mission ernannt worden war. Es war nicht ausgeschlossen, dass das italienische Komitee aus Liebe zum Frieden diesem Vorschlag zugestimmt hätte, wenn Herr F a i 11 o w i t s c h, die ihm zugemutete, untergeordnete Stellung angenommen halte. Da er aber dies entschieden ablehnte, fasste das italienische Komitee, in Erwägung, dass ihm auf diese Weise jede Möglichkeit, einen Einfluss auf das Hilfswerk zu üben, und jede Kontrolle über den Bericht der Mission genommen war, und in der Ueberzeugung, dass ohne die Mithilfe des Herrn Fa i 11 o w i t s c h die Mission niemals den gewünschten Erfolg haben könne, in seiner Sitzung vom 25. Dezember 1907 den Beschluss, auf jede Beteiligung an (der Mission der Alliance zu verzichten. Gleichzeitig behielt sich das Komitee vor, bei der I. C. A. dahin vorstellig zu werden, dass sie die dem italienischen Komitee zugesicherte Subvention der ursprünglichen Bestimmung gemäss zur Verwendung bringen werde, nämlich zugunsten der Gründung einer jüdischen Schule für die Falaschas in Eritrea. Das Komitee wird ferner andere Mittel suchen, um sein Ziel zu erreichen und wird zu diesem Zwecke die Unterstützung der anderen grossen jüdischen Organisationen der ganzen Welt erbitten. Dr. Margulics, Präsident. Advokat Aloise F i n z i, Sekretär. Adv. Raphaele O 11 o 1 e n g h i, Schatzmeister. \)eFcifii$te Staaten. Ein Brief von Morris Kosenfrld. New-York, den 20. Februar. .'Orig.-Korr.) Die Verhältnisse Morris Rosenfelds, der von seinem Siechtum noch immer nicht geheilt ist, werden von vielen jüdischen. Blättern hier und am Kontinent in rosigem Lichte dargestellt. Eine solche Enuuziation des ,,A m e r i c an II e b r e w" beantwortet der Dichter mit folgendem Brief: ..Aus Ihrer Nummer vom 31. Jänner habe ich zu meiner grossen l eberrasi innig ersehen, dass sie eine irrige redaktionelle Notiz über meine physischen und finanziellen Verhältnisse enthielt. Der Redakteur stellte fest, dass ich von meiner' Krankheit vollständig hergestellt bin, und dass meine pekuniären Angelegenheiten so gut geordnet sind, dass meine Freunde in der ganzen Welt es nicht nötig haben, sich weiter diesbezüglich über mich zu beunruhigen. Ich kann den Grund, der Sic veranlasst, eine 50 ernste Feststellung zu machen, ohne mich vorher gesehen oder sich von der Wahrheit der verdächtigen Information, die Sic erhielten, überzeugt zu haben, nicht einsehen. Nun bitte ich Sie, zu veröffentlichen, dass Sir durchaus falsch informiert sind, und dass die Wahrheit vollständig von dem, was Sic hörten, abweicht. Ueber meine (Gesundheit kann Herr Professor Fraenkel, 40 Fast 45 th. street, eingehende Auskunft erteilen; er könnte Ihnen sagen, dass ich ein nervöses Wrack bin, das an Schwindelanfällen und Schlaflosigkeit leicht, und dass ich während der letzten Monate von einer Extra-Diät lebte, welche die nahrhaftesten (Gerichte, wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier ausschloss, und dass mich in meinem gegenwärtigem Zustande jeden Augenblick ein zweiter Schlaganfall heimsuchen kann. Nicht mehr ermutigend ist meine finanzielle Lage. Es ist unter meinen Freunden ein offenes (Geheimnis, dass ein Spezialkomitee. in der Absicht, mein Einkommen zu erhöhen, mein ganzes Vermögen in einem Grundstüc k in Yonkers investiert hat, welches ich höchstwahrscheinlich in der gegenwärtigen Krise verlieren werde. Meine Freunde bedauern diese unkluge Investition bereits sehr, denn anstatt mir zu helfen, haben sie mich ruiniert, aus dem einfachen (Grunde, weil das Grundstück, welches sie gekauft haben, mit 3 Hypotheken belastet war, von denen 2 bezahlt werden müssen, so dass es für mich und meine Familie nichts abwirft, l'nd das schlimmste daran ist, dass ich, so krank ich bin, und obwohl es mir verboten wurde, meinen Geist anzustrengen, gezwungen bin, jede Woche 2 Artikel für eine Tageszeitung zu produzieren, um meine Familie zu erhalten, was ich mit Lebensgefahr tue. Jedes Wort, das ich Ihnen schreibe, kann schwarz auf weiss bestätigt werden. Ich habe viele Feinde, wie jeder Publizist, die versuchen, mich in jeder Art zu verletzen. Die Information, die .Sie erhalten haben, war von meinen Feinden. Hoffend, dass Sie diesen Brief veröffentlichen werden, um Missverständnisse zu vermeiden, verbleibe ich mit Hochachtung- Morris Rosenfeld." GEMeiND5=<JW& VSR&NiNGlRRitraW Wien. (Verein „Theodor Hcrzl",) Der Verein zählte im letzten Semester 25 aktive Mitglieder. Im Seminar, einer ständigen Institution, wurden 36 Vorträge gehalten, darunter 10 über rein zionistische Themen, 4 Vorträge über Palästinakunde. 5 über jüdische Literatur; dreimal wurden interne Diskussionen abgehalten. Die Vorträge und die Diskussionsabendc waren durchwegs sehr gut frequentiert und es ist gegenüber dem Wintersemester 190Ö/7 eine Steigerung der durchschnittlichen Besucherzahl um 3 per Abend zu konstatieren. Finden N. F. wurden ausser der regelmässigen Selbstbesteuerungder Mitglieder ca. 130 K zur Eintragung Dr. Pasmaniks, als Ehrenmitgliedes gesammelt, ferner 3 Oelbäumc gespendet. Der Stand der Bibliothek beträgt 918 Bände, gegen 837 im Vorjahre. Die Ausschusswahlen für das Sommcrsemester hatten folgendes Ergebnis: Theol. et phil. (Gustav Kohn, Präses; techn. Ernst Stark. Vizepräses: med. Alexander Kohn, Schriftführer; iur. Siegfried Pollak. Kassier; phil. Theodor Riess, Bibliothekar. Wien. (P u r i m f e i e r.) Dienstag den 17. März findet im Festsaale des Hotel Zentral, IL. Taborstrassc 5, das Gründungsfest des ..Humanitären Untcrstützungsvcrciines der Ko- Iomeaer" statt. Die Veranstalter haben für die Unterhaltung des Publikums in ausreichendem Masse gesorgt, indem sie ein sehr hübsches und reichhaltiges Trogramm unter Mitwirkung jüdisch-polnischer Schauspieler und anderer Kunstkräfte zusammengestellt haben. Das Fest ist mit einer P u r i mfei er und einem Tanzkränzchen verbunden. Karten ä 1 K 50 h sind zu erhalten: bei Herrn A. Hecht, Mariahilferstrassc 138, S. Weininger, Salzgries 15, Cafe Stefanie, Stefaniestrasse 2,