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Neue Nationalzeitung · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. „Neue National-Zeitiing' so wird der nächste galizische Landtag sechs Juden in seiner Mitte zählen. Hievon gehören fünf zur Kategorie der Hausjuden; der sechste, Dr. Landau aus Krakau, ist ein Anhänger des Dr. Gross, und wird im Landtage dieselbe Politik des Lavierens und Pendeins zwischen den polnischen Demokraten und Juden betreiben, wie sein Parteichef. Dr. Landau wird gewiss im Landtage der einzige ehrliche jüdische Abgeordnete sein; er ist aber als Politiker noch zu jung, unerfahren, zu wenig ausgeprägt und oratorisch begabt, um überhaupt etwas für die Juden erwirken zu können. Die Jüdisch-Nationalen haben sehr wenig ausgerichtet. Sie haben weder ein Mandat, noch überhaupt eine nennenswerte Minorität erhalten. Die meisten Stimmen erhielt Dr. ßraude in Brody — 66 gegen 411 seines konservativen Gegenkandidaten. Sie hatten daher vollkommen Recht, als Sie sich gegen die Teilnahme der Juden an den Landta^swahlen aussprachen. Eine komische Rolle haben die nationaljüdischen „Parteiführer" in Krakau gespielt. Sie posaunten zuerst in die Welt hinaus, sie würden sich an der Wahl gar nicht beteiligen, dann haben sie die „Unabhängigen" sehr scharf im „Wschod" angegriffen. Schliesslich erklärten sie spontan, für die polnisch-demokratische Liste zu stimmen. Das nennt man — Politik. Die „Zeit" für die Allpolen. Wenn wir schon von den Landtagswahlen sprechen, so möchte ich darauf hinweisen, dass die Allpolen, diese polnischen schwarzen Hundertschaften, ein böses Ende zu erwarten haben. Von ihren vier Kandidaten ist hier kaum ein einziger — Dr. Glomb i n s k i — nach schwerem Kampfe im ersten Wahlgauge durchgedrungen. Und während die allgemeine Empörung über diese chauvinistische, antisemitisch gefärbte Partei im Wachsen begriffen ist, hält es die Wiener „Z e i tu, jenes Blatt, zu dessen Gründung Juden, darunter in erster Linie Salo Cohn und Oberrai: biner Güdemann Geld hergegeben haben, für gut, die allpolnische Politik zu verteidigen. Diese allpolnische Politik der „Zeit" ist darauf zurückzuführen, dass Herr 0 b o g i, der getaufte Leibjude und Sekretär des Bankgouverneurs Dr. von Bilinski, der gern noch einmal Finanzminister werden möchte, polnischer Referent der „Zeit" ist. Herr von Bilinski kokettiert mit den Allpolen und sein Leibjude leistet ihnen seine Dienste durch Lemberger Telegramme an die „Zeit", die er in Wien schreibt. Wir werden uns noch mit Herrn von Bilinski, der von einer jüdischei. Majorität das Stanislauer Landtags-Mandat annimmt und in einem jüdischen Tagblatte durch seinen Leibjuden für sich arbeiten lässt, aber das Beamtenkorps der Oesterreichisch-Ungarischen Bank streng judenrein hält, noch beschäftigen. Für heute aber nur eine Frage: Entspricht es den Intentionen der Herren Salo Cohn und Oberrabbiner Güdemann, dass in ihrem Blatte allpolnisch-antisemitische Politik gemacht wird? Deutsches Reich. Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft A. J. U. Berlin. Am Dienstag-, 25. Februar, hat die aus den deutschen Mitgliedern des Zentral-Komhees der Alliance Israelito Universelle bestehende Deutsche Konferenz-Geineinschaft der A. I. V. ihre fünfte Jahrestagung in Belli n im Saale des Brudervereines gehalten. Die zur Teilnahme Berechtigten aus allen Teilen Deutschlands und die Mitglieder des Berliner Lokal-Ivoniitces waren fast vollzählig erschienen oder hatten legitimierte Vertreter entsandt. Vom Zentral-Konütce in Paris war dessen Geschäftsführer delegiert. Diu Vorsitz führten die Präsidenten der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft. Geheimrat G o 1 d b e r g e r - Berlin und Charles L. H a 1 1 g a r t e n - Frankfurt a. M.. die den ausführlichen und mit allseitiger Zustimmung aufgenommenen Rechenschafts- und Arbeitsbericht für das fahr 1907 erstatteten und den Arbeitsplan für 100X entwickelten. Mit Befriedigung wurde festgestellt, dass die Zahl der Mitglieder im vergangenen fahre wieder um Tausende gewachsen ist, dank der von der vorigen Tagimg beschlossenen und inzwischen fast vollständig durchgeführten strafferen Zentralisierung, einer eifrigen Propagandatätigkeit durch Vorträge und der Verbr-eir.mg des Organs der Konferenz-Gemeinschaft, der illustrierten M:matsseh, fft ..Ost und West". Im Laufe des Jahres 1907 sind 4X 11 ie I.okal-Komitees der Alliance. geschaffen." 21 bestehende erweitert worden. Die helfende, aufrichtende und unterrii htlic he Tätigkeit der Allian« e Israelito l iiiverselle blieb auch im vergangenen fahre weltumfassend: in 142 Flementar- und Vorbereit'inusschulcn für Knaben und Madchen, in Handwerker- und Aekerba tschulen. die über j Frdteile verbreitet situ!, werden 4;.000 Zöglinge unterrielitet. Gclfüch auch gekleidet und gespeist. Kür dieses Hilfswerk hat die Alliance im >rdenili.-hen Ktat 1.5 Mill. Francs aufgewendet. Mit besonderer ( ienu^eiung wurde die Mitteilung entgegengenommen, dass in den jüngsten lagen wieder in Konstantinopcl-Calata eine A 1 1 i a n c e s r h u 1 c mit deutscher Intcrrichtssprachc eröffnet worden ist. — Durch den Geschäftsführer des Pariser Zentral Kemitees Herrn Big a rt wurde davon Kenntnis gegeben, dass die Falaseha Kxpedition der Alliance bereits bei dem Xegus v.>n Abessynien eingetroffen ist, und dass die Alliance, sobald die Ratsamkeit sich ergeben hat. alle erfordi.Wichen Massnahmen zur crziehli'hen. wirtschaftlichen und kulturellen Hebung der Falaschas treffen wird. Die Tätigkeit der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft war vornehmlich auch den räumlich näherliegenden Arbeitsfeldern zugewendet: den durchwandernden russischen Glaubensgenossen, und namentlich den Ausgewiesenen, widmete >ie ihre umersiiit ende und fördernde Fürsorge. Frankreich. Die jüdische Mission nach Abessinien Paris. Der geschäftsführende Vorstand des italienischen Pro-Falascha-Comites, dem die Herren ()herrabhiner Dr. M a r g 11 lies in Floren/, Professor Finzi ebenda und Advokat R. () 11 o 1 e n g h i in Acqui angehören, veröffentlicht folgende Kundgebung : Wie allgemein bekannt, bewilligte die I. C. A. nach Bemühungen unseres Präsidenten zunächst auf 3 Jahre eine jährliche Subvention von tooo Frcs. zu dem Zwecke, für die Falaschas in Fritrea eine j ü d i s < h e S c h u 1 e zu errichten. Gleichzeitig beschloss die I. (\ A., dass die Leitung der geplanten Schulgründung zugunsten der Falaschas und demnach die Auszahlung der besagten Subvention der Alliance Israelitc I'niverselfe in Paris anvertraut würde. Diese, setzte <ich durch ihren Präsidenten, der auch Präsident der I. C. A. ist, mit dem italienischen Komitee sofort m Verbindung, und es schien zunächst, dass sie geneigt war, mit dem Komitee an der Gründung der Schule in Fritrea mitzuarbeiten, entsprechend dem Auftrage, den sie von der I. C. A. empfangen hatte, und dem Zwecke, für -welchen diese in unzweideutiger Weise ihre Subvention bestimmt hatte. .Aber mit einem Male änderte das Präsidium der Alliance seine Meinung lind erklärte, dass, bevor, man an die Durchführung des Schulwerkes gehen könnte, es unerlässlich wäre, eine neue Mission zu senden, um besser die Lage der Falaschas und ihre Bedürfnisse zu studieren. Obw>hl das italienische Komitee diese Ansicht nicht teilte, vielmehr die Entsendung, einer neuen Mission als un-

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