Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 6. „Neue National-Zeitung" Nr. 10. Anders aber stellte sich die „Jüdische Zeitung" zu dieser Frage. Sie halt es für selbstverständlich, dass der Kultusvorstand die Subventionen bewilligt Und meint: ,,Da der Kultusvorstand ansonst die Oeffentlichkeit wie das höllische Feuer scheut, ist es klar, dass der Herr Präsident, durch Publizierung obgenannter Subventionen, welche ■— bis auf die Lese- und Redehalle — ausgesprochen zionistischen, Vereinen zufliessen, unserer Partei einen Tort anzutun denkt. Wir aber fühlen uns keineswegs blossgestellt. Es ist kein Gnadenakt, den da die Gemeinde setzt, sondern ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die jüdische Jungmannschaft zu fördern. Auch bleibt keine Wahl, da die Spezies des mosaischen Studenten von der Couleur „Seitenstettengasse" seit Jahren ausgestorben ist. Die zionistischen Studenten sollen getrost mit der Linken die Subvention einstreichen und mit der Rechten für die Parole unserer Partei weiter kämpfen: „Die jüdische Gemeinde dem jüdischen Volk!" Das ist eine sonderbare Moral, die man unseren jüdischen ^Akademikern einimpft: mit der Linken nehmen, mit der Rechten den Spender „bekämpfen" . . . ., ja, bekämpfen, meuchlings, bübisch, verlettmderisch, wie es die Art der „Jüdischen Zeitung" ist. Diese Uebermoral ist aber selbstverständlich, Wenn man sich dein Urheber derselben vor Augen hält: einen gewissen Dr. E. M. 'Zweig, der faach eigenem Zugeständnis — die Offenheit ehrt diesen Mann — seine schriftstellerische Begeisterung aus dein Kloaken Wiens bezieht. Die „Jüdische Zeitung" .beginnt eben die Eroberung Wiens in diesen unterirdischen Stadtteilen, wo ihre Leiter idürch ihr .Talent der Menschheit und der Stadt Wien noch grosse Dienste erweisen können. * Das Ende einer „sonderbaren Judenehe*'. Wies, den i. Marz. (Orig.-Korr.) Unseren Lesern wird die in Nr. 40 des IX. Jahrganges in unserem Blatte behandelte gesetzwidrige Ehe - Schliessung noch ijn frischer Erinnerung sein. Rabbiner Dr. Bach hat diese Eheschliessung vorgenommen, ohne zu berücksichtigen, dass das Ehehindernis der Schwägerschaft vorliege. Infolge unseres energischen) Eintretens, konnte man die Sache nicht, wie es in der Gemeinde üblich ist, in Stille „beilegen". Der Kultus vor st and sah sieh gezwungen, der Sache näherzutreten. Da er aber vor einem £ait äccompli stanid und die Ehegatten die Gesetzlichkeit ihrer Trauung nicht bestreiten liessen, hat der Vorstand nlaichgegeben. Vorher wurde natürlich versucht, die Eheleute von ihrem Standpunkte abzubringen. Sjogar der Austritt aus dem Judentum wurde ihnein nahegelegt. Es half aber alles nichts. Dr. Bach hat nach jüdischem Ritus getraut, und die Eheleute empfanden kein Verlangen, eine konfessionslose eheliche Gemeinschaft zu führen. In der Liste der aus dem Judentum Ausgetretenen für den MfDnat Februar, finden sich nun auch die Namen der Ehegatten Dr. S. Wir haben keine Veranlassung, dein Motiven, die bei diesem Austritte obwalten, nachzugehen. Es werden darüber die verschiedentlichein Versionen unterbreitet. Von gut informierter Seite erfahren) wir, dass Dr. S. feine Scheidung seiner Ehe anstrebt, und sich darauf beruft, von Dr. Bach, trotz gesetzwidriger ritueller Umstände getraut wiorden zu sein. Ist dem wirkn lieh so, dann hat Dr. Bach zum Schaden; noch den Spott. Delnn nun hört er noch von ^berufenster und verpflichteter Seite, dass er eine gesetzwidrige Eheschliessung vorgenommen habe. . . . Das nunmehrige Stadium der Angelegenheit entbehrt nicht einer gewissen;,Komik. Aber dennoch begreifen wir Sien scfinierzlichejii jA.usr.uf des .Herrn Dr. Bach, der, als Dr. S. die Austritte anmeldete, traurig rief: „Hätten Sie das nicht schon früher tun können? ..." Die Hilfsaktion für die Jnden in Rumänien. Wien. Die gern ünsame Aktion der Hilfsorganisationen zu Gunsten der bei den Exzessen in Rumänien im Frühjahr 1907 geschädigten Juden ist bereits abgeschlossen. Die Schlussabrechnung sämtlicher rumänischer Komitees liegen vor. Dagegen ist die im Herbst begonnene Hilfsaktion für die aus den Dörfern vertriebenen Familien noch schwebend und es sind au derselben mit je einem Drittel der Kosten beteiligt die „Isr. Allianz zu Wiena, die „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris und die vereinigten deutschen Organisationen (Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin und Hilfskomitee für die osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M.) Dem eingehenden Berichte, den Sekretär ür. K a m i n k a über den finanziellen Stand der diversen rumänischen Hilfswerke bei der letzten Plenar- Versammlung erstattet hat, ist zu entnehmen, dass die Aktion für die Geschädigten insgesamt 584.204,85 Kronen erfordert hat, wovon ungefähr die Hälfte durch das Zentralkomitee in Jassy und die ihm unterstehenden Subkomitees in Roman und Vaslui, ferner zirka 235.000 Francs durch Herrn Astruc und das Komitee in Bukarest, 87.000 Kronen durch die Filiale der „Isr. Allianz" in Czernowitz für die Bezirke Burdujeni und Buoecea zur Verteilung gelangt sind. Eingegangen sind zu Gunsten der gemeinsamen Aktion für den rumänischen Zentralfond von der „Allianz" in Wien und der „Alliance" in Paris je 87.500 Fraucs, vom „Hilfsverein" in Berlin 58.334 Francs, vom „Hilfskomitee" in Frankfurt 29.166 Francs, vom Komitee in London 80.829 Kronen, aus New-York vom rumänischen Hilfskomitee 176.591 Francs, aus Philadelphia 19 520 Francs; mit Errechnung der Sammlungen der Komitees in Jassy und Bukarest zusammen 614.786,25 Kronen, so dass die Restbeträge, welche teils bei der Zentrale in Wien, teils in Bukarest vorhanden sind, rund 30 000 Kronen ausmachen. Es wurde beschlossen, den Anteil der Wiener „Allianz" an diesem Saldo dem neuen Fonds zu Gunsten der vertriebenen Familien zu überweisen und einen dahin gehenden Antrag auch den anderen beteiligten Organisationen unter Erstattung eines ausführlichen Berichtes über die abgeschlossene Aktion zu stellen. Weiters wurde der Bericht des Sekretärs zur Kenntnis genommen, wonach zu Lasten des neupn Fonds an Herrn Astruc zur Unterstützimg vertriebener Familien bereits 32.000 Francs überwiesen wurden, für welchen Fonds ausser den Restbeträgen der fiüheren Aktion noch die von der „Allianz" in Wien, Paris und von Berlin (in Verbindung mit Frankfurt) bewilligten je 22.500 Francs zur Verfügung stehen. Das Resultat der Landtags wählen. Lemberg, den 3. März. (Orig.-Korr.) Die nunmehr dem Abschluss zugehenden galizischen Landtagswahlen haben den Juden drei städtische Mandate gebracht. Dr. Fruchtmann (Stryj), Dr. Ignaz Landau (Krakau) und Dr. Nathan Löwenstein (Lemberg). Die zwei letzten Mandate bilden Neuerwerbungen; da die drei Handelskammern bestimmt jüdische Abgeordnete, wie ich sie in der vorigen Nummer angegeben habe, wählen werden,