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Neue Nationalzeitung · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. Vorläufig fühlt sich der Verein seiner Sache,- sicher und überrascht die Mitwelt durch eine neue1* Gründung: den Ausstattungsverein für junge Männer. Hurrah! Es ist erreicht! . . . Herr Schimmerl wird am bewussten Tage zu Fräulein Elsa ins Zimmer treten, und beide \verden ihre Schätze zeigen... Oder aber, sie werden beide jammern, weinen über dieses kleine Panama, in das sie verwickelt . . . Und dann wird es werden, wie es war: sie, die kleine, ..unversorgte" Maschinschreiberiiti; er, der schönfrisierte erste Kommis . . . Dann kennen sie sich nicht mehr .... KORReSPONDCNZCN ©«5t«ff*eich-Qii£ai'!i. Der Zionismus in Wien. Wien. Unsere Haltung gegenüber den Führern der Wiener Zionisten hat uns die Anerkennung und Zustimmung weiterster, gerade zionistischer Kreise verschafft. Sowohl aus bürgerlichen und besonders aus studentischen Kreisen haben wir zahlreiche Briefe erhalten, in denen unsere Stellungnahme vollständig gebilligt und die erstaunliche Kopf- und Programmlosigkeit der hiesigen „Führer" festgestellt wird. Nachstehend bringen wir aus einigen Briefen die markantesten Stellen zum Abdrucke: „Die Rücksicht auf das Wohl und Wehe des Zionismus in Oesterreich verlangt gebieterisch, dass mit dem Personenwechsel in der Leitung auch ein Wechsel in den Anschauungen und leitenden Gesichtspunkten eintrete. Sehen wir davon ab, dass seit fast zwei Jahren von einer erspriesslichen Tätigkeit und Propaganda für den Zionismus speziell in Wien gar nichts zu merken ist, haben die zu „Staatsmännern" avancierten bekannten und unbekannten Führer und die, denen trotz heissem Bemühen dieses Glück nicht zuteil wurde, durch ihre politische Tätigkeit auch nicht einmal die eingefleischtesten Optimisten und Versammlungsenthusiasten befriedigt. Eine der wichtigsten und erfolgreichsten Taten wäre die energische Inangriffnahme und nicht das langjährige Studium der Errichtung einer jüdischen Bank in Galizien, die eher imstande wäre, die Macht und das Ansehen der Zionisten in Galizien zu mehren, als hunderte Agitationsversammlungen. Denn treibt man schon Realpolitik und will keine Studentenpartei, sondern Volkspartei sein und bleiben, dann muss man heutzutage seine Tätigkeit auch auf das wirtschaftliche Gebiet — besonders in Galizien — verlegen und hier etwas zu leisten versuchen. Denn nur dann, wenn wir auch auf wirtschaftlichem Gebiete in Galizien etwas leisten werden, haben wir die berechtigte Hoffnung, dass die jüdisch-nationale Bewegung in Galizien nicht wie Herr von Kozlowski im Parlament zu sagen beliebte, eine ephemere Erscheinung sein werde. Ben Zwi.w Von anderer Seite wird uns geschrieben : „Bauen wir! Am 1. März 1908 wird im Lokal des Kongress- Bureaus eine ausserordentliche zionistische Distrikts- Konferenz abgehalten. Wir wünschen dieser Konferenz, dass sie wirklich von ihren ordentlichen Vor- ''gängerinnen sich abhebe, dass sie etwas leiste und schaffe und nicht ausschliesslich dazu diene, um die Spalten der Parteipresse mit ausführlichen Berichten über Vertrauensvoten und Neuwahlen auszufüllen. Und zu tun gibt es ja wirklich sehr viel. Zunächst wäre es an der Zeit, eine jüdische Bibliothek ins Leben zu rufen. Lemberg hat eine, Wien nicht. An Büchern würde es gewiss nicht fehlen, und was die Kosten anbelangt, dürften die ja beim Vorhandensein eines entsprechenden Lesesaals von ganz minimaler Bedeutung sein. Es wäre weiters ein Lesesaal zu sohaffen, in dem alle jüdisohen, aber nebenbei auch die wichtigsten nichtjüdischen Blätter aufliegen sollten. Der Saal sollte jedem offen stehen, der nur lesen will. Czernowitz hat bereits ein jüdisches Nationalhaus — Wien nicht. In solch einem Hause sollten alle jüdischen Vereine und Verbindungen angebracht und auf diese Weise das Volksleben zentralisiert werden. Ein Verein sollte ferner geschaffen werden, der es sich zur Aufgabe macht, Herkömmlingen aus dem Osten, insbesondere armen Leuten, die sich in Wien nicht auskennen, oder die sich aus irgend einem anderen Grunde hier nicht zu helfen wissen, nach Möglichkeit an die Hand zu gehen. Wir haben schon lange genug alles analysiert und zerlegt, beginnen wir doch endlich einmal etwas zu bauen." Die galizischen Landtagswahlen. Lemberg, den 24. Februar. (Orig.-Korr.) Wiewohl die Wahlen in den Städten am 2„ März 1. J. stattfinden, ist die Situation in der jüdischen Wählerschaft noch nicht ganz geklärt. Die jüdischinationale Partei hat sich endgültig entschlossen, ihre Kandidaten in drei Städten aufzustellen: in Lemberg und Stryj Adolf Stand, in Brody Dr. Markus Braudc. Die unabhängigen Juden in Krakau wollen in dieser Stadt, die seit Dezennien keinen, jüdischen Landtagsabgeordneten aufzuweisen hat, einen Juden durchbringen. Von den Hausjuden kandidiert Dr. Löwenstein, der biher die Brodyer Handelskammer im Landtage verfeten hat, in Lemberg, Dr. Frucht mann in Stryj, überdies Oberbaurat S a r e (Handelskammer Krakau), Dr. K o 1 i s c h c r (Handelskammer Lemberg) und Dr. Kittel (Handelskammer Brody). Als sicher kann vorläufig nur idie Wahl von vier jüdischen Abgeordneten bezeichnet werden: in den Handelskammern und in Stryj. Diese Landtagswahlen haben so manche Kuriosa aufzuweisen. In Lemberg kandidiert gegen Dr. Löwenstein dessen Busenfreund und ,,Demokrat" Dr. Aschkcnasy, der Herausgeber des von, Horowitz bezahlten Assimilantenblättchens. Ein wahrer Bruderkrieg. In derselben Stadt unterschreibt ein Rabbiner, (Dr. Jecheskiel C a ro, den Wahlaufruf des antisemitischen Kandidaten Professor R y d y g i e r; ein; Beweis, wie turmhoch die Gesinnungslumperei in den Kreisen unserer offiziellen Judenschaft angeschwollen ist. In Drohobycz wieder, wo die Juden in der 'Majorität sind, müssen sie sich vom« Statthalter diktieren lassen, dass sie nicht einen Juden, sondern den getauften Professor Halbm, früher Blumenstock, wählen.

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