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Neue Nationalzeitung · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. „Neue National-Zeitung" teilung zu. „Seht, ich stehe tauf dem gefährlichsten; Punkte und mich trifft Keine Kugel!" rief er, seine Leute ermutigend. Faustgrosse Steine begrüssten die' stürmenden Franzosen, die die Stein-Geschosse kämpf unfähig machten. Da — ein Schuss — und; in den rechten Scheäikel getroffen, stürzt der wackere Jaköts zu Boden. „Sie sind kampfunfähig?" fragte bestürzt sein Bataillons-Kommandant den ^Verwundeten. „Gott Lyewahre! Ich kann schon noch, und noch manchem Franzosen denke ich das Licht auszublasen." f ■ . Mit dieser Antwort erhob sich Jakots, tanzte auf seinem gesunden Beine Und als der Feind von neuem vorrückte, stürzte er ihm entgegen. „Eljen a Csäszär! Mutassätok meg, hogy magyarok vagyunk!" (Es lebe der Kaiser! Zeigt, dass wir Ungarn sind!), scholl es von seinem Munde. Eine zweite Kugel streckte ihn wie tot zu Boden. Jakots blieb an der Stätte seiner Heldentaten, die Franzosen nahmen .ihn.gefangen. Nach einigen Wochen zum Regiment e (zurückgekehrt, erhält er die goldeine Tapferkeits-Medaille. , Diese Fällte jüdischen Heldentums stehen nicht vereinzelt da, und Hunderte ähnlicher Taten habe ich iifi.^Kriegsarchive bereits gesammelt. Und doch zirkulierenüber die angebliche Minderwertigkeit Ides jüdischen Soldatenmaterial;s fälschlich verbreitete, ganz unbegründete Legenden. In gewissen, leider auch massgebenden Kreisen, ist das Wort „jüdischer Soldat" zum geflügelten W(prte im abfälligen; Sünne geworden. „Jüdischer Soldat" ist für die gifesse' Mehrheit der Inbegriff von Trägheit und Pflifchtentziehung, die Negation von Mannesmut und'der militärischen Tugenden. Und die unwahren Behauptungen der Judenfeinde, wonach die jüdischen Offiziere unfähig seien, höhere Posten im Heere zufriedenstellend auszu - firHenJ An den Fingern sind sie ja abzuzählen, die hie' und'da wie Gestirne auftauchenden jüdischen, höheren Offiziere. Zwei Generalmajore, beide in Pension, weil sie höhere Flosten auszufüllen allerdings unfähig sein1 isollen (sie wollen sich nicht taufen); kaum ein iDutzend Stabsoffiziere, deren Leistungen -; schon sehr zufriedenstellend sein mussten, wenn einigen von ihnen Regimentskommanden anvertraut wurden., Man bedenke! Diese wichtigste militärische 'Einheit, das Regiment, ist in jüdischen Händen gut aufgehoben; aber der General, dessen Aktion im Frieden eine nur inspizierende ist, soll den Taufschein vorlegen. Ein sehr hoher jüdischer Offizier, der nicht genannt sein will, schreibt mir: „Eine Festesstimmung könnte die Schilderung der Lage der Juden in der k. u. k. Armee niemals erwecken. Die statistischen i Daten über die vielen Selbstmorde jüdischer Soldaten bilden die Grundlage meiner obigen Ansicht. ,Man mag den 'Juden in der Armee nicht', ist der Ausspruch eines meiner Vorgesetzten, dem der R*uf eines liberalen Menschen voranging. Ist das nicht ein Abgrund von schauerlicher Tiefe, der sich da unserem Auge jauftut? Ich war viele Jahre Truppenkommandant. Die wenigen jüdischen Offiziere, welche mir , unterstanden, waren durchaus brave Männer; sie standen nach Bildung und Ritterlichkeit, nach vornehmer Denkungsart und ehrlicher Gesinnung-»keinem ihrer Kameraden nach. Die über angebliche Minderwertigkeit des jüdischen Soldatenmaterials zirkulierenden Legenden entbehren jeder Grundlage. Jahrelange aufmerksame Beobachtung im Kriege und im Frieden brachten mir die Ueberzeugung bei, jdass der jüdische Soldat pflichttreu und hingebungsvoll ist, 'im Kriege einj entschlossenes und nachahmenswertes Verhalten an den Tag legt. Aber wir haben es mit einem Gegner zu tun, der nicht überzeugt (sein will; Und insolange wir, nur auf dem Standpunkte der Defensive verharren werden, wird eine Besserung niemals eintreten. In der Armee wird eine Besserung der Lage der Juden insolange unmöglich1 sein, bis nicht vom Standpunkte — man mag den Juden nicht — 'völlig abgewichen wird. Wie aber dieser letztere Zweck, bei einem Widersacher, der nicht überzeugt werden will, zu erreichen .wäre, bleibt ein unlösbares Rätsel." Diese paar Satze bilden die Quintessenz des an mach gerichteten Briefes, der schmerzliche Aufschrei eines subtilen und verwundeten jüdischen Herzens, das Unter einem mit Goldborten geschmückten Rocke für sein Volk warm schlägt. Auch die modernen politischen Anschauungen der letzten Jahrzehnte, die gleich allen den ösjterreichisch-tingarischen Staat bildenden Nationalitäten, ebenso die Juden dieser Monarchie heftig aufgerüttelt haben, werfen nun ihre eigentümliche^ Schatten auf die Verhältnisse der Juden in , der, Armee.; ,? „Die Frage, die misslichen Verhältnisse der^ jüdischen Soldaten zu erörtern, ist schwer zu heant/ worten" schreibt mir ein höherer jüdischer Stabst offizier. „Dieses Thema würde ein gründliches Studium erfordern. Nach' meinen dienstlichen Erfahrungen kann ich den jüdischen Soldaten im allgfti meinen als sehr brauchbar bezeichnen. Die FebJe^ die — wie auch anderen — auch manchem judi? sehen Soldaten anhaften, isind bei diesen durch «Ue* sozialen und ökonomischen Verhältnisse des Jude»i tums bedingt. Der Jude wird im allgemeinen auch strenger beurteilt, als .andere Soldaten, häufig werden ihm auch seine guten Eigenschaften zum Vor/ würfe gemacht. -.un? Nach meinen Wahrnehmungen und Erfahrün* gen liefert das Flunkern mit nationalistisch-chaüviBit stischeni (nicht jüdischen) Gefühlen den Gegnern)d&s Judentums die gehässigsten 'Argumente und Waffeüa.7 Hier liegt des Uebels eigentlicher Kern. Der erwähnte Herr, der als Offizier mit der Politikr ge« wiss nichts Gemeinsames hat, berührte auch eindh wunden Plunkt und hat, um beim militärischen Axtst drucke zu bleiben, ins Schwarze getroffen. Dehn wirkt schon das Herumflunkern mit fremdnationaleri Gefühlen beim zivilen Bürger abstossend; im mili* tärischen Leben wird es für den Offizier direkt kum hindernden Faktor. Aus eigener Haut kann auch der Offizier nicht heraus, aber der iremd-nationai gefärbte Chauvinismus hat gewiss nichts Gemeinsames mit der (militärischen Organisation unserer Monarchie, und schliesslich gibt es für die Juden aller Kronländer keine grössere Aufgabe als nur die Sicherheit der österreichisch -ungarischen Gesamtmonarchie, welche auch den Hütern des Reiches doch wichtiger ist, als alle Bestrebungen einzelner Nationalitäten. Und wenn auch die Juden ultima ratio nicht auf eines| Degens Spitze ruht, so war es doch immer eines/ Degens Spitze, die ihn (sehr häufig vor Wutausbrüchen auch dieser Nationalitäten schützen imusste, für die er sich heute begeistert, JUmdi was in der , Zeiten Hinter-

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