Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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JSTr. 1. tung bevorsteht. Ich glaube, dass Ihr Herr Schalk, in unserem Rabbiner Gaster ein Analogon hat. Noch ist Rabbiner Gaster an der Spitze der Federation. Allein, nach den Angriffen, die das offizielle zionistische Farteiblatt ,,'i'he J e \v i s h - E x - press" (das Organ für die Nationaliondsammlungj gegen Gaster richtet, dürfte eine kleine Revolution im zionistischen Lager demnächst platzgreifen. In seiner letzten Nummer enthält ,t I he Jewish-Express" folgende sehr markante Stellen: ,AYir erkennen immer mehr, dass die jetzige Exekutive der Federation nichts anderes ist, als em Leichenbestattungskomitee, das in diesem Jahrj alles begräbt, was im Vorjahre geschehen ist. Wir bleiben dabei, dass es absolut notwendig ist, gegen eine solche Exekutive zu revoltieren, deren Leiter nicht arbeiten sondern schlafen, nicht bauen sondern zerstören , Es ist jetzt die Zeit zur Revolution und Reorganisation der Federation. Geschieht es nicht jetzt, dann muss es in einem halben J ahre geschehen! Gebe Gott, dass es nicht zu spät werde! Möge es inzwischen den Zionibten, den einfachen Soldaten, gelingen, den Zionismus aufrecht zu erhalten; sie haben keine Führer, sie sind nur Verführte!" Diese offene Sprache des zionistischen Parteiblattes kann der Partei gewiss nur dienlich sein, denn es ist besser, wenn ein Hlatt der Partei es sagt, als ein gegnerisches. - m - m> ALLCN «l.ZZlil':S Hofrat Benjamrn Rappopart und Millionär Stern, W ährend der W iener Kultusvorsteher Hof rat Rappoport trotz seines christlichen Schwiegersohnes gar keinen Anlass findet zu demissionieren, sehen wir in anderen Städten d'K'h noch charakterfeste Männer, die die Pflichten eines jüdischen Ehrenamtes zu würdigen wissen; wir finden auch t-ulche, weniger charakterfeste, die an die Luft gesetzt -.werden. Die spontane Demission des Statthalterei-Rates Dr. Spitzer in Brünn Von allen jüdischen Aemtern aus einem ähnlichen Anlasse ist bekannt. Nun hat sich in Nevv-Vork folgende Affaire abgespielt. Der Millionär und Bethaus-Vorsteher Stern hat seine Tochter an einen christlic hen Adeli - gen verheiratet. Da es in Amerika noch Rabbiner gibt, die auch Vorstehern gegenüber Courage haben, hielt Rabbiner Dr. AI a g n c s eine sehr scharfe Predigt gegen die Mischehen. Stern verstand es schliesslich doch und demissionierte. In der letzten Sitzung des Vorstandes kam es infoig'dessen zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Einer Anzahl Vorstandsmitglieder war der Meinung, man solle die Resignation nicht annehmen. Bei der ersten Abstimmung wurde denn auch die Demmision Sterns nur mit einer 'Mehrheit von zwei Stimmen angenommen. Bei einer bald darauf stattfindenden zweiten Abstimmung stellten sich indessen weitere sechs Vorstandmitglieder auf die Seite derjenigen, die für die Annahme der Demission waren, und nur zwei Stimmen sprachen sich gegen die Annahme der Demission aus. Bemerkenswert ist die LIaltung des ^wei-.i ten Rabbiners der Gemeinde, Dr. Silber m a n n, der erklärte, in dieser ..unglücklichen Geschichte" keine Meinung abgeben zu wollen. Die jüdischen Zeitungen verlangen infolgedessen, der alte Rabbiner möge 'deutlicher erklären, was er mit dem^ Ausdruck „unglückliche Geschichte" habe sagen wollen, ob er damit das 'Verhalten des Herrn Stern oder die Predigt des Dr. Magnes habe treffen wollen. Im übrigen ist die jüdische Presse Amerikas mit (der Entscheidung des Vorstandes natürlich sehr zufrieden und rechnet es dem Tempel Emamiel zur Ehre ön, dass er auf die Tätigkeit des Herrn Stern verzichtet habe, obwohl dem Tempel zweifelsohne erhebliche Revenuen dadurch verloren gehen. Selbst das Vornehme Blatt der jüdischen Haute finance in New-York, „The American Hebrew" meint: „Dass jemand gleichzeitig Vorsteher einer Synagoge und Schwiegervater eines Andersgläubigen sein könne, ist einlach undenkbar." Das Blatt fordert Herrn Stet n gleichzeitig auf, seine Stelle als Obmann, des .jüdischen Waisenasyls niederzulegen. Sehr scharfe W orte findet „T h e J e w i s h G azette". Sie nennt den Rabbiner Dr. Magnes einen Helden, weil er den Mut hatte, den Vorsteher seines eigenen Tempels anzugreifen und ihn blosszustellen, um ihn zur Demission zu zwingen. Der Artikel apostrophiert Herrn Stern am Schlüsse mit den Worten: „Mein Herr! Wir haben kein Recht, Ihnen Ratschläge zu erteilen, an wen Sie Ihre Tochter zu verheiraten haben. Aber wir haben das Recht, Von. Ihnen zu fordern, dass Sie 'nicht nach der Trauung in der Kirche in die Synagoge kommen. Man kann eben nicht gleichzeitig zwei Herren dienen!" So sprechen amerikanische Blätter. Bei uns findet sich weder ein Rabbiner, am allerwenigsten ein Oberrabbiner, der die Herren Rappoport und Kuffner auf ihr wenig charaktervolles Festklammern an ihre Mandate aufmerksam machen würde. Es soll auch im Kultusvorstande selbst einige konservative Männer geben. Wir nennen nur die Herren Dr. Alfred B e r g e r und Dr. Markus Spitzer. Was sagen diese zwei Herren zu dem 'Skandal? . . l ud wenn niemand im Kultusvorstande spricht: Die Kultuswähler werden im Monate November dem Herrn Hof rat Rappoport und seinen Freunden im Vorstande die Antwort nicht schuldig bleiben! . . ££M£iN0e=UN» VSREkNSNMftRitWW Wien. (Rcli g i o n s 1 e h r c r v e r e i n „K s r a".j Am Sonntag den 9. d. M. hielt Herr Rabb. ür. Rosenmanß im Sitzungssaals der Kultusgemcinde den angekündigten Vortrag über: ..Die jüd.-aramäischen Papyrifunde in Assuan und Elephantine und ihre Bedeutung für die Bibelkunde" vor einem zahlreichen Publikum ab. Der Vortragende entrollte vor den Augen der aufmerksam lauschenden Zuhörer ein klares Bild des inneren und äusseren Lebens der einst im alten Pharaonenlande bestandenen jüdischen Kolonien, wie es sich aus den jüngst gemachten Ausgrabungen in Assuan und Elephantine ergibt. Wie in allen Ländern der Diaspora zeigt sich auch hier, dass die Juden unschuldig gequält und verfolgt und durch die Verleumdung der Feinde sogar ihr grösstes Heiligtum, •der Tempel in Elephantine, zerstört wird. Erst nach langen Leiden wird ihnen Gerechtigkeit zuteil. Im zweiten Teile seiner Ausführungen zeigte der Vortragende, welcher Gewinn sich durch diese Funde für die Bibelkunde ergibt, und wie insbesondere die für uns nie zweifelhafte Echtheit des Buches Esther, trotz aller Bibclkritik. bestätigt wird. Der interessante Vortrag fand grossen Beifall. Wien. A" e r e i n zur II e b u n g der G c w c r b e.) Montag, den 24. Februar d. J.. 3 Ehr nachmittags, findet eine Exkursion nach der umgebauten und neu eingerichteten k. k. Telegraphenzentrale. I., Hürseplatz Nr. 1, statt. Zusammenkunft um halb 3 Ehr nachmittags im Foyer des k. k. Post- und •? Telegraphcnamtes, I., Börseplatz Nr. 1. Für die Vereinsleitung: Der 'Präsident: B r o d.