Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung" Landwirtschaft und Bodenkultur in Palästina und die Ausbildung von jüdischen Kolonisten ein Schritt vorwärts getan worden ist. Auf der Musterfarm werden voraussichtlich auch in Uebereinstimmung mit dem Frankfurter Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina die Zöglinge des Lehrerseminars, die während der Schulzeit theoretische landwirtschaftliche Kurse hören, in ihrer Ferienzeit praktische Unterweisung erhalten. Alsdann wurde das Budget für Palästina für das Schuljahr 1908/09 festgestellt. Von anderen Bewilligungen sei noch erwähnt, dass Fonds zur Errichtung oder Unterstützung von Analphabetenkursen in Galizien, sowie Mittel zur Beschaffung von Unterrichtsmaterial für die Schulen des Vereins Cultura in Bukarest zur Verfügung gestellt wurden; ferner^erlolgten Bewilligungen zu Gunsten von Schulen in Bulgarien, und endlich wurde auch ein Beitrag zur Unterstützung an Schulen in Sara tow, ßussland, angewiesen. Russland. Neue Vergewaltigungen. Warschau, den 13. Februar. (Orig.-Korr.) Als einer der brutalsten, wenn auch begabtesten publizistischen Verfechter des Antisemitismus ist M. Menschikow, auch weit über die Grenzen Russlands hinaus bekannt. in der , „Aowoje Wremya" wirft er dem Kadettenführer, Professor M ilyukow vor, dass, er anlässlich seines Aufenthaltes in New-York wieder die Kischenewer J u den Verfolgungen auf 's Tapet gebracht und den Minister Pkhwe noch im Graoe beleidigt habe, indem er ihn Beschuldigte, die Judenverfolgungen inszeniert zu haben.. Dadurc h einstehe Hass und/Verachtung gegen die russische Regierung. Herr .vi e nschikow, der als unterrichteter Journalist gilt, sagt: „Plehwe ist an Kischenew nicht schuldig." Wir wollen versuchen, es i.u glauben. Aber wo sind denn die Schuldigen zu suchen? . . . Herr Menschikow ist oftmals ein russischer „Harden" gewesen; sein Wort gilt viel in Russland. Warum erhebt er jetzt nicht seine einflussreiehe Stimme, dass der Senat den Schleier von den Kischinewer Ereignissen hinwegzieht?!..." Für uns Juden sieht die nächste Zukunft wieder recht traurig aus. Das Parteiorgan der führenden Dumapartei „Golos Prawdy", das an Vorschlägen zur Unterdrückung der Juden schier unerschöpflich ist, tritt nunmehr dafür ein, die Juden von der allgemeinen Wehrpflicht auszuschliessen. Man denkt sich das ungeheuerlich leicht. Das genannte Organ sagt nämlicli, dass dt-i Umstand, dass Juden nicht zu Offizieren und Unteroffizieren befördert werden dürfen, doch schon beweise, dass man in ihnen kein vollwertiges Element in der Armee sehe. Man schliesst also die Juden von der Wehrpflicht aus, und verpflichtet sie zu einer Wehrsteuer. Die herrschende Dumapartei, den Juden noch gefährlicher als früher, greift den Vorschlag auf, lind will ihn in (den nächsten Tagen der Duma unterbreiten. Mit der Ausschliessung von der Wehrpflicht beginnt eine neue Serie von willkürlichen Rechtsbeugungen seitens der russischen Regierung. f&Fatil^fch, Zar Wahl des Grossrabbiners. Paris, den 10. Februar. (Orig.-Korr.), Zur Wahl des Grossrabbiners möchte ich .noch folgendes nachtragen : Die Mitteilung, dass Baron Rotschild bei fcler Wahl den Vorsatz geführt hat, war irrtümlich. Baron Riotschikl war verhindert, an dem Akte teilzunehmen, und wurde vom Vize-Präsidenten des Zentral-Consistoriums, Herrn Emil Levylier, vertreten. Der Wahlakt musste dreimal wiederholt werden und nahm folgenden Verlauf; Zahl der W ähler : 64. Absolute Majorität: 33. Es erhielten; i. Wahlg. II. Wahlg. III. Wahlg. Stimmen Stimmen Stimmen 24 35 24 29 9 Alfred Levy . » t 17, Israel Levi ... 20 Honel Meiss ... 12 isaac Bloch ... i1 lsaac Levy ... j Leerer Stimmzettel 1 — Unter den 64 Wählern waren 20 aus Paris und 44 aus der Provinz. Die Provinz-Delegierten haben zugunsten des Provinz-Rabbiners entschieden. Die administrative Einführung des Grossrabbiners ins Amt wird am 1. März, die feierliche Installation am 6. April 1. j. stattfinden. Grossbriiankn. Kiu Interview. London, den, 15. Februar. (Grig.-K.jrr.) Der ,J < wish C hronicle" veröffentlicht in seiner letzten Nummer ein sehr interessantes Interview seines Wiener Korrespondenten mit Dr. S. R. Landau über die galizischen Juden und die bevorstehenden Landtags wählen. Ausgehend von den beiden Broschüren des Dr. Landau MUnter jüdischen Proletariern", sowie „Der Polenklub und seine Hausjuden", die einer eingehenden Würdigung unterzogen werden, hat der Korrespondent Wert darauf gelegt, über das Verhalten der galizischen Juden in dem bevorstehenden Wahlkampfe und über die wirtschaftliche Lage der galizischen Juden von Dr. Landau Aufschlüsse zu erlangen. In einer ausführlichen Darstellung erklärt sich Dr. Landau gegen eine derzeitige Teilnahme der Juden an den galizischen Landtagswahlen, da sie den Juden lediglich grosse Opfer, aber gar keine Vorteile bieten. Für die jüdischen Wähler werde erst mit der Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes die Zeit gekommen sein, auch an den Landtagswahlen teilzunehmen. Dafür spricht sich, Dr. Landau für ein wirtschaftliches Gegenwartsprogramm mit allem Nachdrucke aus. Das Volk sei der Phrasen überdrüssig, und könne von blossen Idealen nicht leben. Da müsse eine grossangelegte wirtschaftliche Organisationstätigkeit eingreifen. Damit stehen und fallen in Galizien sowohl der Zionismus, als auch die jüdischnationale Idee. Das Interview, welches mit einer eingehenden Betrachtung über die jüdischen Grossgrundbesitzer schliesst, hat durch seinen sachlichen und instruktiven Inhalt allgemeine Beachtung gefunden. Spaltungen. Ebenso hat hier die Nachricht von der Umwälzung im Wiener Landeskomitee sehr interessiert, zumal ja auch unter den hiesigen Zionisten eine Spul-