Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. „Neue National-Zeitung" Seite 5. sie es glaubten. Was ich für Herzl und seine Bestrebungen leistete, wie ich vom Erscheinen des .Judenstaat", dessen erstes Exemplar er mir überreichte, bis zur Schaffung des zionistischen Wochenblattes und eines zionistischen Kongresses unter Opfern an Zeit und Geld geleistet habe, wie ich für Herzl Rezensionen in den Journalen und Beziehungen zu Diplomaten gesucht habe, das wissen alle jene, die damals mitgetan haben. Aber eine Legende ist sehr bequem. Sie vertritt iede Logrik Und Beweisführung. Sie ist sogar gefährlicher. Die denkfaule Masse, die kein eigenes Urteil hat, wird dadurch eingenommen. Legenden schaffen Vorurteile, und Vorurteile sind das Grab der Urteilskraft. Der Artikel gegen mich hat daher sofort m der ersten Zeile mit jener Legende eingesetzt; der Verfasser wollte, bevor er noch eine sachliche Zeile niederschrieb, auf Kosten der taktischen Klugheit und des journalistischen Anstandes Stimmung machen. Und dann erst werden in den Brunner'schen Freudenbecher einzelne Wermutstropfen eingeträufelt — für mich. Zum Schlüsse wird versichert, dass ,,die jüdisch-nationlale Partei im Bewusstsein der Reinheit ihrer Prinzipien und der Lauterkeit ihrer, Führer ihren Weg. weiter verfolgen werde." Die Zukunft wird zeigen, ob diese stolzen Worte etwas mehr als eine Phrase sind. Vorläufig sind die Prinzipien dieser Herren, die sich Partei nennen, nicht rein und ihre Waffen schmutzig-; die Lauterkeit ihrer Führer ist in letzter Zeit sehr blossgestellt worden. Bevor die Herren \veiter gehen, mögen sie nur recht schön stehen bleiben, um ihre Prinzipien abzuputzen und ihre Führer zu läutern. Je rascher, desto besser! Sie haben in Wien nicht mehr viel zu verlieren. Dr. S. R. Landau. glänzendste $)eriode des österreichischen Zionismus." So nennt das Lemberger „Tagblatt" den Zeitraum, in welchem! Dr. Schalit den österreichischen Zionismus führte. Wenn der Schreiber dieses Artikels, der in1 auffälliger Weise seine Abstammung aus der Türkenstrasse verrät, den zurückgetretenen Obmann bloss in Lobeshymnen preisen würde, um ihm die bittere Pille <zu verzuckern, so konnte man sich darüber himvegsetzen. Aber es folgen darauf einige meuchlerische Pfeile aus dem vergifteten Waffenlager in der Türkenstrasse wider dritte Personen, die doch an dem' Zusammenbruche des üetzJ ten Regimes gewiss keine Schuld tragen. Soll es auch da heissen: Haltet den Dieb! Zum Schlüsse des Artikels heisst es: „Auch im innersten Parteileben hat Dr. Schalit unschätzbare Dienste geleistet. Er hat das Landeskomitee im Zustande des moralischen und finanziellen Bankerotts übernommen. Was den moralischen Zustand betrifft, so s.-i nur bemerkt, dass die Vorgänger des Dr. Schalit ausgesprochene Territorialisten schlimmster Sorte, Feinde Zions, sind. Die Finanzen des Landeskomitees waren g r ä s s 1 i c h. Dr. Schalit erst bat überall Ordnung hineingebracht. Kr hat die Organisation gestärkt und gesund gemacht. Die Leitungs|>criode des Dr. Schalit wird für immer als die glänzendste Periode des österreichischen Zionismus gelten." Diese Worte enthalten die schwersten Vorwürfe gegen die Vorgänger' des Herrn, Dr. Schalit, und Zwar gegen die Herren; Baurat Oskar Marmorek und Dr. S. K r enb'e r g e r. Derlei Anwürfe müssen von den Genannten selbst widerlegt werden. Wenn auch ehrenrührige Aeusserungcn, wie die obzitierten, bei den Wiener Partci-Zionisten zur Tradition geworden sind, so haben wir es dennoch für ünsere publizistische Anstandspflicht erachtet, wenigstens dem unmittelbaren Vorgänger des Herrn Doktor Schalit Gelegenheit zu geben, auf diese Verdächtigungen 7xi reagieren. Herr Dr. S. Krenberger äusserte sich in einem längeren Gespräche mit einem unserer Redakteure über diesen Gegenstand wie folgt: Da man isich von gegnerischer Seite nicht scheut, derlei lügnerische Verdächtigungen vorzubringen, so will ich über die Tatsachen ganz unverhüllt sprechen. Ich darf mir wohl mit Recht das Verdienst zuschreiben, die Institution des Landeskomitees überhaupt geschaffen, und den Zusammenschluss aller österreichischen Zionisten mit vielen Mühen erreicht zu haben. Meiner Arbeit ist es gelungen, das bürgerliche Element heranzuziehen, und mir waren die Studenten nicht nur Mitläufer. Ich habe auch für die Hebung ihrer materiellen Lage gesorgt. Der Vorwurf, bezüglich der F i n a n z e n ist einfach lächerlich. Dieselben wurden doch auf jedem Parteitage geprüft. Es gab hiefür eigene Referenten, wie die Herren Mohr und G e w i t s c h, idie in der Wiener Judenschaft das grösste Ansehen gehicssen, und an deren Ehrenhaftigkeit solche Anwürfe Uicht heranreichen können. Das Landeskomitee aber, welches nach mir kam, hat weder gedruckte Jahresberichte, noch einen Kassenbericht vorlegen können. Ich war es, der die Autonomie der :zionisti - sehen Distrikte festlegte, und dabei darauf achtete, dass die moralische Verbindung;mit dem Landeskomitee hergestellt bleibe. Aber ich habe nie das Verlangen gehabt, mich mit solchen Männern zu umgeben, wie sie jetzt in der Partei massgebend sind, und durch welche die Partei ein intrigantes Aus-, sehen gewann. Obwohl Ich nicht mehr innerhalb der zionistischen Partei stehe, kann ich doch 'mit Freude auf vielseitige Sympathien innerhalb der Wiener Judenschaft blicken; auf Sympathien, wie sie sich jene Herren trotz'heisser Bemühungen nicht erwerben konnten. Das zeigt sich ja in der momentanen Situation. Die politische Unverlässlichkeit des Herrn Luzian Brunn er, welche durrh Tatsachen belegt werden kann, wurde meinerseits und noch vor mir, immer zuim Anlass genommen, ihn von der Partei fernzuhalten. Nachher hat man sich allerdings mit jedem verbunden, der etwas hergab. Eine Verurteilung des früheren Landeskomitees richtet sich von selbst, denn Unfähigkeit und Gewissenlosigkeit hat das zerstört, was andere so mühsam; aufbauten. Ich habe als Obmann des Landeskomitees niemals Geld von Nichtzionisten genommen, und reiche Leute ausserhalb der Partei niemals um Unterstützungen angegangen. Die Hai - Hing des früheren Landeskomitees war, das muss jeder Feind anerkennen, allen politischen Gegnern gegenüber eine würdige, i ' u die Idee wurde niemals durch Radauszenen kompromittiert. Ich darf es kühn behaupten : als ich das Landeskomitee Vcrliess, fand mein Nachfolger eine moralisch und finanziell einwandfreie Institution vor. Jetzt aber wird es einer starken Persönlichkeit bedürfen, um