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Neue Nationalzeitung · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Seite 9. Ki-tnststil . zu entwickeln beginnt, der vielleicht sehr bald konkurrenzfähig auf eleu Weltmarkt treten wird. In Palästina sind aber auch alle Bedingungen zu einer nationalen Kunst gegeben. \"on keiner übermächtig starken Kultur umgeben, findet der jüdische Volksgeist, der in Stadt und Land immer mehr an Kraft gewinnt, so viel freies Feld zur Betätigung, dass die bisher heimatlosen Künstler und Kunsthandwerker de ganze Kraft ihrer neuen künstlerischen Offenbarung erproben können. Im zweiten Teile seines Vortrages legte Prof. Dr. Engel den grossen sa/ialükun o m i s e h e n Wert des Kunst und Arbeitsinstitutes dar. Indem die Abteilung für Kunstgewerbe für die stadtische jüdische Bevölkerung neue Erwerbsquellen schafft, die unter dem Arbeitsmangel selir schwer leidet, indem die Schule alljährlich den jüdischen Kolonien neue, gesunde Kräfte zuführt, die bisher brachgelegen, hilft sie in erster Linie die sozialen .Misstände beseitigen, die noch heute wie dunkle Flecke auf der wirtschaftlichen Karte Palästinas sichtbar sind. Das jüdische Institut, das sich ausserdem die Aufgabe gestellt hat, die Heimindustrie in Palästina zu fördern und (.las niedere Handwerk zum allgemeinen Wettbewerbe fähiger zu machen, verdient so wirklich den Dank aller Palästinafreuncie. Breslau. Eine jüdische Bciufsorganisati.m, auf nationaler Grundlage und religiöser Weltanschauung basierend, ist hier unter dem Namen ,,J ü d i s r h c r H a n et e 1 s g e h i 1 f e n v e rb.'ind" begründet worden. Die Yereinsgründung ist aus der Not der Zeit geboren und stellt eine befreiende Tat im wahren Sinne des Wortes dar. Handelt es sich doch um nichts weniger als um Sein oder Nichtsein des j ü d i s c h e n H a n d 1 u n g sg e h i 1 f e n. Wie sich die wirtschafliche Lage des IJantdlungsgehilfcnverbandes im Allgemeinen durch elie lohndrückende weibliche Konkurrenz, die Verteuerung des gesamten Lebensunterhaltes und die in neuerer Zeit der Warenhäuser, Grossbauten und Grossbetriebe immer schwieriger werdende Möglichkeit des Selbständigwerdens verschlechten hat, so die des jüdischen Gehilfen im Besonderen. Der Arbeitsmarkt ist für ihn ein begrenzter; viele Firmen, leider auch jüdische, schliessen von vornherein jüdische Bewerber von der Anstellung aus, die Vakanzenlisten der kaufmännischen Vereine enthaken überwiegend den Vermerk ,,christlich'", in den einzelnen Geschäften ist eine Gehässigkeit und Inkollegialität Dank der antisemitischen Agitation eingetreten, die man früher nie für möglich gehalten hätte, die Stellenlosigkeit ist unter den jüdischen Angestellten eine relativ viel h ö h e r e als unter den nichtjüdischen, daher hungern sich so viele von ihnen als Versicherungsagenten und Provisi.»weisende durch. Ausgeschlossen von dem grossten Verbände der Handlungsgehilfen, dem deutsch nationalen, droht den jüdischen Gehilfen jetzt ein Gleiches von dem Leipziger Verbände mit seinen 85.000 Mitgliedern, der skh mit ersterem Verbände fusionieren will, auch viele lokale Vereine, wie der Breslauer I f andlungsgchilf cn\ei ein. weisen sie als Mitglieder ab. aber auch in den noch für sie, offenstehenden sind überall j u d e n f e i n d 1 i < h e Euter- Strömungen vorhanden. Die grundlegenden Statuten des neuen Verbandes sind : 1. Der jüdische Handlungsgehilfenverband vertritt die geistigen und wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder und der gesamten jüdischen Gehilfenschaft. 2. Parteipolitische und religiöse Bestiebungen sind ausgeschlossen. 3. Der Verband unternimmt nichts, was gegen .das jüdische Religionsgesetz verstösst. In kürzester Zeit sollen Wohl fahrtseinrichtungen aller Art. Rechtsschutz. Sprachkurse usw. eingerichtet werden, daneben ist sein Streben auf Geselligkeit und Pflege echter Kameradschaft gerichtet, nicht minder soll aber auf die Beseitigung von Misständen in den einzelnen Geschäften gewirkt werden, sind doch schon jüdische Handlungsgehilfen entlassen worden, weil sie es wagten, ihre höchsten Festtage nicht durch Arbeiten zu entweihen! AUGS WElttCiLEN Oer ungarische Judentag. Der Präsident der Zentralkanzlei orthodoxer Juden, Herr Adolf Frankel, hat das Fünfzehnei Komitee für den 10. und 11. d. M. zu einer Sitzung einberufen. Gegenstand der Beratungen bildet das von uns bereits-erwähnte Reskript des Kultusministers Grafen A p p o n y i, in welchem die Einberufung eines Judentages gefordert wird. Die Orthodoxen beschlossen an dem Kongresse teilzunehmen, aber gegen ein Zusammengehen mit den Neologen entschieden Verwahrung einzulegen. Die JTO in Russland. Das Komitee der Jto in Warschau wurde voii üer Kegierung aufgelöst, ebenso die Komitees in Kiew und Odessa. Als Cirund wird angegeben, dass die Persönlichkeiten der Regierung nicht vertrauenswürdig erschienen, obwohl sie anerkenne, dass die Tätigkeit der Gesellschaft keine revolutionäre sei. Das klingt sehr mysteriös, denn die leitenden Persönlichkeiten der Komitees sind gewiss noch weniger revolutionär als die Gesellschaft selbst. Uebernaupt ist nicht zu verstehen, weshalb die Regierung den nichtrevoiutiOnären Charakter der Komitees betont, da doch der ganze Zweck der JTÜ, die Regelung der Kmigration aus Üst-Kuropa und die Forderung der Immigration nach Amerika, gar nichts mit der russischen Politik zu tun hat. Ci2 ersten Juden in Portugal. Es dürfte wenig bekannt sein, dass an den giossen Entdeckungsfahrten der Portugiesen di< ja gegenwärtig im Mittelpunkte des Interesses stehen und der Spanier a u Ii I 11 d e u teil g e n o rn m e n haben. Der erste Ji.in I .<!• 1 im Verlage von i listein & (\,: erscheinenden ,,Wcltge->« /Iii. hte" berichtet über diese jüdischen Sietahrer und Kol. »usatoi en h^elnde Einzelheiten. Als Vasco da Gama in Asten landete, traf er ein^.i Juden aus Posen namens G a s p a r. I>er Mann war über |erusalem, Alexandii-i und Arabien nach Indien an den Hof des Sultans von Goa gekommen und lebte, nachdem er zum Islam ubergetreten war. dort seit dreissig Jahren. Iii stellte sich Gama vor. bat um die Taufe und erwies sich den Portugiesen nützlich, indem er ihnen nicht nur die- Bezugsquellen für Spczereien angab, sondern auch Mitteilungen uitcr die politischen Verhältnisse in Indien machte, die tnr Portugal von grossem Werte waren. Gama nahm den neuen Glaubensgenossen mit nach Europa, und Gaspar legleitete dann die späteren Expeditionen u K der als Beirat. Auen Köln m b u s hatte auf seiner ersten Fahrt einen Juden an Mord: dieser Mann galt als besonderes Sprachtalent und umerzog sieh in \\ estinuien mit Glück der Aufgabe, die Sprachen der Wilden zu studieren und mit den exotischen Volkerschaften eine \ ei siandigung zu stielten. In Livorno machten die Medn eer \ iele portugiesische Juden ansässig, und diese (uden trugen zur Entwickehing des WarcnhandcF von Florenz, ausserordentlich viel Vi '"Ganz. Besonderes aber leisteten die portugiesischen "Juden bei der Bc sicdelung von Brasilien und bei der Einführung de^ Zucker mhrbaucs in den Antillen. Araber gegen juden. Der Fanatismus iler mohammedanischen Bevölkerung \ 011 Hebron, der den Touristen wohl bekannt ist, hat wieder einmal, wie das ..Israel. Wochen blatt" berichtet, erschreckende Folgen gezeitigt. In der vergangenen Woche haben die \ >n grimmigem Hasse gegen die Andersgläubigen erfüllten Araber den Leichnam eines Juden während der Nacht aus dem Grabe gerissen und fürchterlich zugerichtet. Der Enterstatthalter in Hebron, an den mau sich wandte, ergriff Massnahmen zur Entdeckung der Ecbcltäter, die jedoch trotz einiger Verhaftungen, die vorgenommen wurden, bis jetzt nicht festgestellt werden konnten. Da dieses innerhalb weniger Jahre bereits der zweite Fall der Schändung einer jüdischen Leiche ist, bemächtigte sich der 2000 Seelen starken judischen Gemeinde von Hebron eine grosse Aulregung, die zu einer allgemeinen Panik wurde, als in derselben' Woche noch ein Jude ermordet wurde. Dieser, ein Schuhmacher, hatte nicht ruhig mitansehen wollen, wie ein Räuber. der in seinen Laden eingedrungen war, sich eines 1 .un s Stiefel bemächtigte und davon eilen wollte. Der Schuhmai her verlangte von tiein Räuber tlie Bezahlung, als tlii ser ein Messer zog und den l'nglücklichen erstach. Die jüdischen Einwohner sandten eine Deputation nach Jerusalem und baten dort um Schutz. Da die Familie des Mannes, dessen Leichnam geschändet wurde, englischer Staatsangehörigkeit ist. so erhob der englische Konsul bei den türkischen Behörden wegin des ralles Vorstellungen mit dem Ergebnis, tlass der Gouverneur zu energischen Massnahmen schritt und seinem Hebroner Enterbeamten, der es inzwischen für gut gehalten hatte, die Stadt zu verlassen, den Befehl zur sofortigen Rückkehr erteilte. Der Morder ist nunmehr verhaftet worden. Prof. Dr. James Israel, der dirigierende Arzt der chirurgischen Abteilung am jüdischen Krankenhause in Berlin, beging am vergangenen Sonntag seinen sechzigsten Geburtstag. James Israel gehört zu den seltenen Medizinern Deutschlands,, insbesondere zu den Chirurgen, die ausserhalb

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