Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Nr.. 7. die „jüdische Presse" zum TTofoperndir°l?tor hinauf» gelobt hat, und den dabei der günstige Umstand zu Hilfe tarn, sich der uneingeschränkten Gunst jüdischer Redakfeure zu erfreuen. Por Pn«stritt ist. gut! Die „jüdische Presse" (Wiener TaghlätterH beseitigte den getauften Gustav M a h 1 e r. und machte dem Herrn v. Weingar tner Platz, der sie nun mit dem christlichen Mannesmut des Judenstämmlings verleugnet . . . „Denn alle Schuld rächt sich auf Erden!« sch. „D*»r Katholizismus der Tat" Budapest, den 8. Pehrnar. fOrig.-Korr.) Wer die magyarische Politik nicht blo«s aus d*>n Reden der Koalitionshelden k^nnt, dem konnte nicht entgehen, dass sich in Ungarn der Antisemitismus zu regen beginnt "Wer ab*»r politischen Weif blick besitzt, dem wird die vehemente, antisemitische Propaganda jüngsten Datums naturgemäß« erscheinen. Es ist dieselbe Erscheinung wie in Oesterreich: die Anbiederung der Juden an die magyarische Cliqne nützt nichts, ihr waschechtes Magvarentum kann kein Hindernis sein, der Antisemitismus gewinnt immer mehr an Boden. Bei den Wahlen sind es natürlich die Juden, welehe Kossuth Perencz samt Anhang ihre Stimmen geben, die in fast sämtlichen Stadtwahlkrei«en von ausschlaggebender Bedeutung sind. Das hindert aber nicht, dass eine Koalitionspartei, u. zw die „Katholische Volkspartei", einen Landesverband der Christ, lieh sozialen organisierte. Dies geschah auf dem jüngst stattgehabten Ungarischen Katholikentag, einer Nachahmung des österreichischen Katholikentages. Der Hauptredner war Herr v Rakovszky. Vizepräsident der Katholischen Volkspartei. Im klerikalen „Alkotmay" war zu lesen, wie herzzerreißend der Redner die Unterdrückung der — Katholiken in Ungarn schilderte. Dann kamen ein paar deutliche Winke gegen die Unterdrücker: die Juden! . . . Schliesslich erklärte Herr v. Rakovszky: „Wir wollen authören eine Konfessionelle Partei zu sein! Wir müssen unsere Tendenzen politisch betätigen. Es soll ein Katholizismus der Tat beginnen! . . Uud der Redner verwies sodann auf die Christlichsozialen in Oesterreich, deren Erfolge in Ungarn schon Neid erregen. Ganz nach diesem Muster organisierte man also einen Landesverband. Den Juden Ungarns würde jetzt ein Jammern schlecht anstehen. Was sich da jetzt vollzieht, ist eine Situation, die sie durch eine Politik der Assimilation und Heuchelei selbst mitbewirkt haben. Ist es nicht traurig, dass die jüdischen Abgeordneten der „Unabhängigkeitspartei" mit Herrn v. Rakovszky samt Anhang in einer Koalition vereint sind? Und dass sie zu all' dem schweigen, wenn auch ihr rotweiss-grünes Herz bricht!? . . . Keine selbständige Regung des Judentums in Ungarn ist wahrzunehmen, und das Schreckgespenst des Antisemitismus muss erst kommen, um ihnen über die Hohlheit ihr^s Magyarentums die Augen zu öffnen. Jetzt wäre die gute Gelegenheit, dem ungarischen Katholikentag einen Judentag gegenüberzustellen, den Graf Apponyi so dringend fordert. Aber statt eines Judentums der Tat, werden auf diesem Kongresse zwei religiöse Richtungen sich in den Haaren liegen, und in der Hitze des religiösen Gefechtes ganz übersehen, dass der „Katholizismus der That" in Ungarn wunderbare Fortschritte macht ... Dr. S. Ffanl^cicft. Grand-Rabbin Alfred L6vy. Paris, den 8 Februar. (Orig.-Korr.) D'e von der ganzen französischen Judensohaft mit Spannung erwartete Wahl eines Grand-Rabbin« ist. am 6. d. M. vor sich gegangen Folgende Kandidaturen waren aufgestellt: Bloch Tsaac, Grand Rabhiu von Nancy; Dr^yfuss, Grand-R«bbin von Pari«; Levy Alfred, Grand-Rabbin von Lyon; L6vy Israel. Rahhin von Paris: Levy Tsaac, Gram! Rahbin von Bordeaux (der Nestor der französischen Rabbiner) und Meiss Honel, Grand-Rahhin von Marseille. Die grö«sten Chancen hatten Alfred Levy und Israel Levy. der Schwiegersohn des verstorbenen Grand-Rabbin Zadoc Kohn. Im dritten Wahlgange wurde unter dem Vorsitze de« Baron Gustav Rothschild doch ersWer gewählt, und zwar mit 35 gegen 29 Stimmen. Der neugewählte Gross-Rabbiner ist, 68 Jahre alt und gilt nicht nur als e-län^-en^er Kanzelredner, sondern auch als grosser Gelehrter. Er i«t zu Luneville geboren, wo er von 1869—1889 als Rabbiner täti? war. Von dort kam er nach Lyon und blieb bis zur jüngst erfolgten Wahl Die Institution des Grand-Rahbin von Frankreich besteht seit dem Jahre 1846. Der erste war Marchand Emmery; ihm folgten Salomon Ulimann, dann Isidor und schliesslich ZadocKohn. Der Jahresgehalt des Grand-Rabbin beträgt 20.000 Kronen. GSMeiti£>g=gNft VSR&NSMUiRitWW Wien. IFb-äischer Ko:ivei s UorskUib i Samstag den 15. Februar findet wieimmer im Cafe Hrammcr i IX., Liechtensteinsirasse i i. präzise 7 I hr abends, eine Zusammenkunft der heb.äisrh Spree henden statt. bei weh her der hebräische Sehiiftsteller A. I. u b e t / k y einen Vortrag über ..Die n:>ue hebräisehe Literatur" halten' wird, (-äste willkommen. Wien. Ilumanitätswrein für die westlichen Bezirke \\" •11- ..X a r h 1 a t J e s e 1, u r u n". Anlässlieb seines vierzigjährigen Bestandes, sowie zum C.edächtnis des sechzig jährigen H ■ - gierungsjubiläuim Seiner Majestät des Kaisers beschloss di Frauen-Sektion des genannten Vereines die C.ründung einer Koch und \V i r t s < h a f t s s e Ii u 1 e f ü r a r m e j üd 1 - sehe M ä d e h e 11. Der erste Schritt zur Realisierung dieses Projektes ist die Veianstaltung einer V o r s t e 1 1 11 n g für K i nd e r vi 11 d F. r w a e h s e 11 e. 'die im A p o 11 .> t h e a t e v S a m st a g d e n 2 2. V e b r u a r. V h r n a e h mitt a g s stattfindet. Das Piogramm ist abw echslungsreich und unterhaltend und richtet der Verein an alle Wohlgesinnt? die Bitte, durch Kartenabnahmc den gedachten Zweck zu fördern. Karten erhältlich bei Frau Dr. Sidonie Kahn, VII., Xeubar.-assr 11. bei Frau Sofie Bäck, VII.. Mariahilferstrassc 74a und bei Herrn Hermann König. VII., Seidengasse 28. sowie an d.en Kassen des Apoll.itheaters 1.. Rotenturmstrasse i'Bazan und VI., Gumpendorferstrasse. Prag. V e b e 1 die K u n s t g c w e r b e s c h u 1 c ,,B c zalel" in Jerusalem hielt Dienstag, den 28. v. M. im jüdischen Volksvei ein Herr Professor Dr. Engel einen sehr lehrreichen Vortrag. Die Kunstgewcrbeschule Bezalel in Jerusalem, so führte der Vortragende aus, ist wohl erst am 1. März 1906 gegründet worden, aber sie hat in der kurzen Zeit ihres Bestandes so reiche Proben ehrlichen Könnens gegeben, dass die Tätigkeit des jüdischen Kimst-Arbeitsinstitutcs schon heute von allen Palästinensern und Freunden des heiligen Landes mit aufrichtiger Freude begrüsst wird. Rektor Fberhard hat vor mehr als einem Jahre in einem Feuilleton des gewiss nicht jud-enfreundlichen „Rcichsboteii" den realen Zweck der Schule: ..Schaffung eines nationalen Kunstgewerbes" eingehend gewürdigt und am Schlüsse seiner Ausführungen auf die bemerkenswerte Tatsache hingew iesen, dass sich in der n e u g eg r ü n d e t e n A k a d c m i e ejn eigenartiger palästinensischer