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Neue Nationalzeitung · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr, 7. f&RRe'SfciWeNZCN ©«st«fr«ich-Qn§apii. Oeff*ntll«he Sitzung d«« Kultusvorfrtandes Wien. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hält Sonntag, den 16. Februar 1. J., präzise 10 Uhr vormittags, eine öffentliche Sitzung mit nachstehender Tagesordnung ab: i. Einlauf. 2. Präsidialbericht. 3. Berichte des Vertreter-Kollegiums: a) Periodische Unterstützungen und Gnadengaben (Budget-Ueberschreitung). b) Aufnahmen in die Versorgungsanstalt (Siechen- Abteilung). r C c) Koscher-Selchwaren Erzeugung. d) Aenderungen des Tax- und iGebühren-Tarifes, e) Subventionen. { f) Eventualia. , 1 Das zionistische Landpakaniitpe. Wien, den 11. Februar. (Orig.-Korr.) Wie wir bereits in der vforigen Nummer anzuzeigen in den Lage waren, hat Dr. Schallt seine Demission als Obmanln des zionistischen Landeskomitees gegeben. Dieselbe wurde auch angenommen. Die offiziellen Parteiblätter stellen als einzigen Demissionsgrund die erschütterte Gesundheit des Herrn Dr. Schallt hin, und widmen ihm ausführliche, politische Nekrologe. lieber die Person des Nachfolgers herrscht noch Ungewissheit, wiewohl verschiedene Personen, ■darunter auch Mitglieder des „Jüdischen Klubs" in Aussicht genommen werden. Man scheint aber dabei noch immer der eigentlichen Personenfragc mehr '.Aufmerksamkeit zu schenken, als der taktischen Frage. Statt aus dem Fiasko der bisherigen! Parteileitung die Lehre zu ziehen, dass das System des studentischen Losgehertunis den Zionismus in Wien diskreditiert hat, werden Mahner in Kombination gezogen, die gleichfalls nur den Typus des studentischen Politikers darstellen. Wir werden ja sehen, wie weit das führen wird! , . . Uns kann's recht sein.1 ... * Eine Organisation d*r Minjanim. Wien. Wir erhalten nachstehenden Bericht: Bekanntlich hat der Vorstand der israelitischen Kultus gemeinde in Wien in seiner Sitzung vom 22. Dezember 1907 beschlossen, das Minjan des Vereines „Schonire hadath"' in der Brigittenau zu sperren und sich hiebet des Wiener Magistrates als bracchium saecularc zu bedienen. Dieser Beschluss rief in der Wiener Judenschaft den tiefsten Eindruck hervor. Denn durch diese Massregel sollen nicht bloss die Interessen des wohltätigen Vereines ,,Schomre hadath" auf das empfind lichste geschädigt werden, sondern es sind durch denselben sämtliche in Wien existierenden Minjanim in ihrer Existenz bedroht. Wer die Geschichte der Minjanim kennt und weiss, dass dieselben die unmittelbarste und ursprünglichste Form der Organisation gleichgesinnter und gleichschichtiger Juden in der Diaspora ist, der wird es verstehen, dass die Zerstörung dieser Organisationsformen durch den rohen Eingriff der Kultusgemeinde tatsächlich in sich die grösste Gefahr birgt. Denn die Auflösung dieser Minjanim ist gleichbedeutend mit dem Zwange, in den grossen Gemeindetempeln zu beten, in welche aber die frommen Juden, die das Bedürfnis haben, täglich oder wenigstens jeden Samstag in einem Bethause zu beten, nicht gehen wollen. Man sieht nun, dass diese kleinen Bethäuser, welche von den Armenkreuzern ihrer Mitglieder erhalten wer den, mehr sind, als „Kinder des Trotzes", wie sich Herr Kultusvorsteher Dr. Gustav Kuhn so schön auszudrücken beliebte. Diese kleinen Bethäuser und Minjanim sind im gewissen Sinne seit der Zerstörung des zweiten Tempels, insbesondere aber seit dem 15. Jahrhundert, die Zufluchtstätte für arme und deklassierte Juden, die nicht bloss in Gemeinschaft beten, sondern sich auch in Zeiten grosser Not aneinander schliessen wollen, um sich gegenseitig zu unterstützen und beizuspringen. Wer daher ein Minj.in schliesst. seine Ent stehung verhindert, oder es in seiner Entwicklung h?mmt, der schlägt unserem ohnedies vielgeprüft.n Volke eine unheilbare Wunde und lädt auf sich nicht nur ein „Odium", wie es Herr Dr. Spitzer, der seine warnende Stimme gegen diese Massregel erhob, in der bekannten Kultusgemeindesitzung sagte, sondern d,ie Verdammung des ganzen Volkes. Es war daher auch eine tiefe Erbitterung aus den R den zu vernehmen, welche in der Sitzung der Delegierten mehre rer jüdischer Vereine am 4. Februar i<)o8 gehalten wurden. In dieser Sitzung, in der die Vertreter der Vereine ..Schomre hadath". ..Verein der Kolomeaer". Verein ..Auheve Israel". ..Verein der Brodver". „Marpe Lanefesch". „Menschenliebe" und überdies einige Privatpersonen erschienen sind. referierte der Obmann Herr Dr. Josef Zipser über das Memorandum, (las er gemäss einem früher gefassten Beschlüsse der Vereins Delegierten-Versammlung entworfen hatte. In der hierüber entstandenen Diskussion erklärten s-ch samt liehe Delegierten mit dem Memorandum einverstanden verlangten aber überdies noch weitere Massregcln. um dem Memorandum Nachdruck zu verschaffen. Dies wurde inshes nid-iv von Dr. R v b a c z e w > k i -'Verein der ßrodycn. Dr. D r u e k ■ r 'Auheve Israel 1 Vmd 1 ferrn M o r g c n s t e r n ( Harpe Fan vesch) gefordert. Sohin wurde der Beschluss gefasst. das M morandum, welches sich nicht bloss mit der beabsichtigten Sperrung des Bethauses ..Schomre hadath" beschäftigt, sondern auch mit dem Statute der Kultusgemeinde, welches in so manchem .Paragraphen weder mit dem Staatsgrundgesetznoch mit dem Kultusgesetze vom Jahre 1800 zu vereinbaren ist. in Druck zu legen, behufs Sammlung von Unterschriften an die einzelnen Vereine zu senden und sohin dasselbe der israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit dem Ansuchen vorzulegen, es innerhalb vier Wochen zu erledigen. Es wurden aber auch gleichzeitig die Massregeln besprochen, welche für den Fall der ablehnenden Haltung der Kultusgcmeinde zu ergreifen sind. Die Entlassung der Hofopern Sängerin Bland. Wien, den 10. Februar. (Orig.-Korr.) Man bann an dem Kunstbegeiaterungsrummel, der ja unserer Stadt das gemütvolle'* Gepräge gibt, jahrelang ruhig vorübergehen, ohne etwas an seinem Werte als „Kulturmensch" zu verlieren. Und es ist gewiss kein nennenswerter Fortschritt des Judentums, wenn Julius Bauer zu einer Lebar Operette das Libretto schreibt . . . Auch daran kann man ruhig vorübergehen . . . Aber es gibt schon „Sensationswochen" in Wien, die des Interesses aller sicher sind. Da ist z. B. die Entlassung der Hofopernsängerin Frl. Bland, die vom neuen Direktor der Hofoper in sehr wenig vornehmem Stil hinausgeworfen wurde. Wären hier die usuellen Motive bestimmend, so müsste man sich mit Herrn v. Weingar t n e r nicht erst befassen. Dies geschah von anderer Sei*e schon zu oft und zu viel. Es stand jedoch gleich fest, dass für den Hinauswurf des Frl. Bland besondere, erschwerende Umstände massgebend waren. Einen dieser erschwerenden Umstände bildet die jüdische Konfession der Künstlerin, welche der von Juden abstammende neue Herr Direktor nicht „goutiert". Bei dem eminenten Kunstverständnis, das ja den Direktoren unserer Hofoper eigen ist, war leider vorauszusehen, dass man die Minderwertigkeit jüdischer Stimmen bald erkennen werde. Nun ist das längst Befürchtete zur traurigen Wahrheit geworden. Im doppelten Sinne nämlich: nun gilt die Stimme der jüdischen Künstlerin nichts, und die Stimmen der „Judenpresse" erst recht nichts Nach einer Meldung der „Sonn- und Montags-Zeitung" habe Herr v. Weingartner erklärt: „Ich kann eine von der jüdischen Presse hinaufgelobte Sängerin an der Oper nicht brauchen! ..." Ein schönes Bekenntnis: das Bekenntnis eines schwachen Musikers und Komponisten, den selbst

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