Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7. „Neue National-Zeitung" Seite 5. treffs der Entweihung des Sabbats eines leeren Rummels wegen. Es sei mir gestattet, zuerst über den Zweck der Errichtung der ..Kadimah" einiges -zu sagen. Als es mir im Jahre T881/2 gelungen war. unter Mitwirkung des Rabbi aers Salomon Spitzer Und seiner konservativen Partei sowie des Bibliographen ICh. 1). Lippe und Tcter Smolenski den ersten Zionsverein „Ahawath Zion" zu gründen, zu einer Zeit, da die gewinne jüdische l miversitatsjugend noch im Zeichen der Assimilation und der Wasserweihe stand, da winde ich Von der peinlichen Sorge beschlichen, was aus unserer zionistischen Arbeit werden wird, so die Jugend zum grossen Teil nicht mehr im iüdischen Lager stand. Wir mussten also den Hebel mit aller Kraft an der Hochschule ansetzen. Die Hochschuljugend für unsere Arbeit zu gewinnen, blie'v nun meine fundamentalste S'orue. Unser Programm hatte ich in 1 ak > nische Worte gefasst : }üdischnationaler Geist und die Idee der Palästinakolonisation. Es bleibt mir wahrhaft denkwürdig, dass wir von der gewaltigen, Zahl der jüdischen Akademiker kaum eine Auslese von etwa 12 jungen Leuten herausfanden, welche teils schon zum Bestände des Vereines ,,Ahawath Zion" gehörten, Teils erst .geworben werden mussten. I nter ihnen befand sich kein einziger deutsch-jüdischer oder ungarischer Student, hin - gegen waren Galizien mit Rumänien mit /}, Russland mit 2 und Wien mit 1 Halbgahzianer vertreten. Was dieses kleine Häuflein ohnmächtiger, junger Leute geleistet hat, muss stets die Bewunderung der Mit- und Nachwelt erringen. Ihm hat man die Makkabäafeier zu danken, ihm die Propaganda des Wortes, welches Licht Makkabäerlicht in den, finstere/i Kreis der Assimilation hineingetragen hat. Dem matten Lic hte folgte bald die Herzenswärme junger Damen; der Kampf begann in Wien und Lemberg, w ohin wir ihn getragen haben; der Kampf gegen die Assimilation, das Chanukkalicht gegen das Christbaumlicht. Tn jugendlicher Begei.-KTimg zog die sich su-ts mehrende, wackere Jünglingsschar in die grossen und kleinen Städte, um der Jugend das Wiedererwachen des jüdischen V »!kes zu neuem Leben anzukündigen. Etwa nach einem Dezennium, zur Zeit, als mein Sohn Samuel Josef in die ..Kadimah" trat, fand derselbe 'bereits die rein ansehen Burschenschaften vor, 'welche die l niversität dem jüdischen Studenten Verleideten. Das kommein von zionistischen Idealen begeisterter Jude nicht ohneweiters hin - nehmen, und er bcschloss diesem Zustand ein Ende yu machen. End so wurde die erste schlagende, jüdische Burschenschaft geboren. Die ,,Kadimah" sollte der arischen wie der jüdischen Welt beweisen, dass ein jüdischer Akademiker ebenso gut die geistige, wie die Stahl waffe zu führen in der Lage ist. Es wird der schlagenden Verbindung "Kadimah" der Vorwurf gemacht, dass dieselbe durch die Sabbatverletzung auch das öffentliche, jüdische Gewissen anlässlich der studentischen Auffahrt peinlich berührt, ja beleidigt habe. Dem muss entgegengehalten werden, dass noch jetzt in den jüdischen, assimilatorischen Kreisen, aiuj denen sieh unsere Kadimahtruppen rekrutieren , eine krasse Unkenntnis der rituellen Vorschriften herrscht und dass unsere Siudenten ihre Ausbildung an christlichen Lehranstalten erhalten. Dennoch können wir die Leitung des Vereines doch nicht freisprechen von dem Chilel haschem. Wir wollen indessen unseren Enmut unterdrücken. und wollen hoffen, dass mit dem Einzug des Hebraismus und mit der Schaffung der so dringenden, jüdiseh-natvorrakm Eehvstäuen eü\ jüdischeres Geschlecht heranreifen wird, dass bei aller geistiger und leiblicher Tüchtigkeit, ja Ueberlegenheit. sich auch nicht schämen wird, die religiösen und rituellen Vorschriften des Judentums zu achten. ©ie f>olentfoi*lage und die Duckt) 111 {Doset). Rede des Geheimrate» Dr. Cohn. Posen, im Februar. Die Enteignungs\ orlage, die im Vordergrunde des allgemeinen öffentlichen Interesses nicht nur bei uns, sondern in ganz Preussen, ja überall, wo Polen und Slaven wohnen, steht, hat gerade unsere offiziellen Vertreter zu keiner Enunziation zu bewegen vermocht. Auf der einen Seite, bei den Polen, gelten wir als die Träger des chauvinistischen Deutschtums, und auf der anderen Seite, bei den Deutschen, ernten wir für die Opfer, die wir bisher dem Deutschtum gebracht, nur groben I ndank. End nun, wo die Enteignungsvorlage, diese Verletzung der Menschenrechte einer nationalen Minorität uns zu einer offiziellen Enunziation geradezu zwingen sollte, hüllen sich die jüdischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses und die jüdischen Organisationen in den Mantel des Schweigens. Während hervorragende jüdische Persönlichkeiten des Auslandes, wie SaDmon Reinach, Isidor Zangwill, der Grossrabbiner von Belgien u. s. w. auf die Rundfrage des polnischen Dichters Henryk Sienkiewicz mit einem flammenden Proteste gegen die Polenvorlage antworteten, öffnet in ganz Deutschland von den zahlreichen ..Führern" des Judentums kein einziger den Mund. Umso erfreulicher ist es. dass eine Persnölicbkeit wie der Geheime Sanitätsrat Dr. Cohn sich entschlossen hat, anlässlich der jüngsten hiesigen Versammlung des ,,Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" ein off&ncs Wort zur rechten Zeit zu sprechen. Die grossangelegte Rede des Geheimrates Dr. Cohn wird über die Grenze unserer Provinz hinaus ein lautes Echo finden, nicht nur als Beweis politischer Klugheit und seltenen Mannesmutes, sondern auch als ein historisches Dokument für den Geschichtsforscher des preussisehen Judentums zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ... Diese Rede lautet : ..Meine Hern-»! Ich hatte gehol't't. das» die Redner des heutigen Abends, uenn sie in dieser |/olitisch bewegten Zeil zu uns nach Posen kommen, uns von neuen Erfolgen und wirklieh durchdachter politischer Arbeit zu berichten gehabt hatten. Ich konstatiere von vornherein, dass dies n i c h t der Fall gewesen. Ich will dies an einigen Beispielen, und /war ganz kurz ausführen, da mir ja leider eine beschränkte Redezeit zur Verfügung steht. Meine Herren! Seit vielen, vielen Monaten wusstc man. dass die Regierung in Preussen eine neue Polenvorlage einbringen würde. Sie können ja die Missgeburt: Enteign u n g s v o r 1 a g e. Es ist schon 'u wiederholten malen, nicht nur \on jüdischer, sondern auch von christlicher Seite betont worckn. wie in unserer Ostmark die Juden die Stützen des Deutschtums allezeit gewesen. ja der bekannte Schriftsteller Hanns Heinz Ewers hat uns Juden hier im Osten geradezu die Piofiniere des Deutschtums genannt. Iiis in die 70er und 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein lebten die Judon