Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2425679-2425722-2425730--0633-2426931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2. „Neue Nationai-Zärturig" Nr. 7. Sandez die Erlangung einer Beamtenstelle von der Beibringung eines Taufscheines abhängig machen. Den einzigen Erfolg der jüdischen iVbgeordneten bildet ein Danaergeschenk: die beschlossene Errichtung eines Religionsk-hrerseminars, notabene, auf Kosten der — Juden. Der Erfolg einer jüdisch-nationalen Wahlaktion ist sehr zweifelhaft, und stünde gewiss in keinem Verhältnis zu den Opfern. .Ein oder zwei jüdischnationale Landtagsabgeordnete könnten im gallischen Landtage gegenüber der Macht der Schlachta und dem chauvinistischen Dünkel der Allpolen garnichts ausrichten. Zudem hat ja der nächste galizische Landtag lediglich eine Aufgabe: die Durchführung der \\ahlreform auf dem Prinzipe des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes. Auf ndie Entscheidung dieser Frage würden ,die jüdischnationalen Abgeordneten keinen Einfluss ausüben können. Die Juden müssen das geheime Wahlrecht abwarten, und dann erst werden sie mit voller Wucht in den Wahlkampf eintreten können, um eine ihrer Zahl, Intelligenz und Stcuc-kraft entsprechende Anzahl von Abgeordneten erringen zu können. Schon der Emstand, dass die Juden ii°o der Bevölkerung bilden, und von 151 Mandaien kaum vier bis fünf erlangen, beweist, welch eine Summe von Unrecht, ja Gewalt gegenüber den Juden zur Anwendung gelangt. Die Frage des allgemeinen Landtags Wahlrechtes ist eine akute. Die bevorstehende Verbindung der Volkspartei Stapinskis und Stanczykenpartei zu einer grossen Agrarierpartei dürfte schwerlich die Wahlrechts-Privilegien der Stanczyken auch hur um einen Tag verlängern. Die demokratischen Parteien und die Rutheneu drängen, die kurze Lebensfrist, welche die zu Ende gehenden vorige Session den Kpnservativen verschafft hat, ist zu Ende: das allgemeine Landtagswahlrecht ist ein Ereignis von morgen. 1 Dann wird auch an aie Jüdisch-nationalen die Reihe kommen, sich aktiv zu betätigen. Die Schule der politischen Erziehung müssen aber stets die Reichsratswahlen bilden. Der -Mittelpunkt der jüdischen Politik liegt ledig'ich im Reichsparlament. Die Juden, und daher auch die Jüdischnationalen sind die geboren m Zentralsten in Oesterdeich, darum können wir den Landtagswahlen in Galizien keine besondere Bedeutung zuschreiben. L. J. J0VAN0V1CS. ®ie Duden in Jiosnien. Sarajevo, im Februar 1908. Die ,,Neue National-Zeitung" ist wohl eine eifrige Förderin des gesamten Judentums; aber sie hat bis heute über bosnische Juden (Jehudias, Spaniolen) ebensowenig veröffentlicht, wie die anderen jüdischen Zeitungen unserer Monarchie und Deutschlands. Es mag dies seinen Grund darin haben, dass die bosnische Landesregierung durch ihre subventionierte Presse nur das vor die Oeffentlichkeit bringt, was ihr momentan passt oder was in ihrem Interesse liegt. Diese Regierung ist manchmal Türkenverehrerin; manchmal wieder serbenfreundlich, sowie sie manchmal päpstlicher als der Papst selbst ist. Eine politische Klugheit, verbunden mit einem ernsten, stabilen* staatsmännischen Taflet ist dort nicht zu finden. Deshalb hat das Ansehen unserer Monarchie in Bosnien während der 30jährigen Okkupationszeit viel gelitten tnd wir sind dort heute im höchsten Grade diskreditiert. Die Leiter und die Organe der Landesregierung haben stets eine und dieselbe Methode praktiziert, nämlich die Aufhetzung einer Konfession gegen die andere. Deshalb ist es auch nicht zu verwundern, dass die Welt nur drei Konfessionen dort kennt (griechisch-orientalische, römisch-katholische und die Moslimaaen); die vierte, die allerruhigste, jüdische Konfession ist so gut wie gar nicht bekannt. Und doch bildet die Konfession einen eigenen Stamm, der sehr grosse Verdienste um die Monarchie hat und der berufen sein wird, einst in Bosnien eine hochwichtige Rolle zu spielerr. Bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 1,700.000 Seelen beträgt die Zahl der Juden kaum über ir.000 bis 12.000 Einwohner. Darunter sind nur wenige nach der Okkupation aus der Monarchie eingewandert (deutsche und ungarische Juden), welche fast ausschliesslich in Sarajewo leben und vor einigen Jahren auch eine prachtvolle, im maurischen Style gehaltene Synagoge erbauen liesseir. Aber die absolut überwiegende Zahl der Juden sind dort die Spaniolen, welche vor 3 400 fahren, aus Spanien vertrieben, sich in den Balkanländern ansiedelten. Nach Salonichi (welches bei seiner Gesamtbcvölkerung von 160.000 Seelen 500/0 Spaniolen hat) und K o n s t a 111 i n o p e ], folgt sofort an dritter Stelle Sarajevo mit .seinen 6000 Spaniolen. Sie bilden einen ganz besonderen und eigentümlichen Stamm in Sarajevo und einigen Provinzstädten, wo sie gemeinsam leben. Durch ihre Religion, Sprache, Typus, Gebräuche, Tracht und soziale Stellung führen sie ein ganz abgesondertes Leben von allen anderen Konfessionen, and nur dadurch, sowie vermöge ihres ausserordentlich hohen Erwerbssinnes haben sie sich bis heute erhalten und vermehren können. Der Typus ist durchschnittlich semitisch. Aber es gibt auch manche Ausnahmen, und man findet dort wahre kaukasische Bildschönheiten, umsomehr, als auch die Körpergrösse und Stärke eine ansehnliche ist. ,» Was die geistige Seite betrifft, so haben auch sie eine angeborene Natur-Intelligenz, die man schon bei kleinen Schulkindern bemerkt. Ihr Wissens- und Schuldrang ist so stark, dass sie in gemischten Elementarschulen, sowie in den Mittelschulen durchschnittlich 20—2500 aufweisen; ja in einer Elementarschule haben sie auch 6600, so dass dort jüdische Feiertage Normen sind und Samstags kein Unterricht stattfindet. Unter den Vorzugsschülern haben die Juden immer den grössten Prozentsatz. Es gibt höchst originelle Beispiele dieser Findigkeit und hohen Intelligenz bei den jüdischen Schülern. — Eine Lehrerin hat in der II. Klasse Rechenstunde und will bei der Addition folgendes Beispiel aufgeben: Für das Kleid einer Frau sind 12 Meter Stoff nötig und für ihre kleine Tochter nur ..... Die kleine Blanka erhebt sich freudig vom Sitzplatze und ruft: „Bitte, zusammen sind 15 Meter Stoff nötig!" Die Lehrerin war höchst erstaunt darüber, wie die jüdische Schülerin schon im voraus wissen konnte, dass sie für die Tochter genau 3 Meter Stoff angeben werde und daraus sofort die Summe von 15 Metern fand. Sie fragte das Kind:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.