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Neue Nationalzeitung · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NEUE VCIONM.-ZBCUNG JUDiSCRPOUCISCfig WOCR2NSCRRIFC RERiSUSößBER! DfS.R.L(SND(Sü: X. JAHRGANG. WIHN, 14. FBBHUßH 1908. rlf. 7. ®ie galizischen Jf andtags^ahlei). Die Leitung der jüdisch-nationalen Partei für Galizien hat den Beschluss gefasst, bei den bevorstehenden Landtagswahlen aktiv einzugreifen, Es dürfte dies jedoch nicht ihr letztes Wort in dieser Frage sein. Wir hoffen vielmehr, dass die jüdischnationale Partei in. Galizien weder eigene Kandidaten] aufstellen, hoch offiziell in den Wahlkampf eingreifen wird. Die Gründe, die hiefür sprechein, sind klar und für jeden einsichtsvollen, real denkenden Politiker leicht begreiflich. Das Landtagswahlrecht in Galizien ist als letztes Ueberbleibsel politischer Bevormundung — mündlich. Der Wähler muss der Wahlkommission, in welcher der Bezirkshauptmann, der Bürgermeister, der Steuerinspektor die Maaptrolle spielen, mündlich den Kernen seines Kandidaten mitteilen. Welcher Opfermut gehört unter solchen Umständen dazu, den Namen eines Oppositionellen, ja, eines jüdisch-nationalem Kandidaten zu nennen! Und welches Martyrium muss ein solcher opposi- V<Heller Wähler über sich ergehen lassen, welche Ranküne steht ihm bevor, gerade von seiten jener Faktoren, deren Aufgabe es ist, das Staatsinteresse zu wahren. Dieses mündliche Wahlrecht hat eben zur Folge, dass in den galizischen Städten mit Ausnahme von Lemberg und Krakau, die als Städte mit eigenem Statut unabhängig sind, konservative und allpolnische Abgeordnete mit antisemitischen Allüren gewählt worden sind, selbst in Städten mit jüdischen Majoritäten. Wir verweisen nach dieser Richtung bloss auf Kolomea, Stanislau und Brodyv Diese Städte haben es bisher trotz ihrer jüdischen Majoritäten nicht vermocht, einen jüdischen Abgeordneten zu wählen, weil das polnische Zentralwahlkomitee dies nicht duldete, weil es die Bezirkshauptleute in Verbindung mit ihren Kahalcliquen nicht zuliessen. Seit dem ^<ahre 1867 wurden lediglich fünf Juden in galizischen Städten zu Landtagsabgeordneten gewählt: Dr.Latidesberger (Kolomea), Doktor Hermann Frankel (Lemberg) und 'Nathan K alir (Brody), alle drei vor Einführung des direkten) Reichsratswahlrechtes im J. rS73. Seit dieser Zeit' finden wir lediglich Dr. Bernhard Goldmann (Lemberg) und Dr. F ruchtman n (Stryj), deren ostentativer polnischer Patriotismus das einzige Mittel zur Erlangung eines Landtagsmandates bildete. Seitdem aber Dr. Gold mann 221 Lemberggestorben ist, haben ni der Landeshauptstadt die Juden das traditionelle eine Landtagsmandat verloren. Es findet sich keine Wählermajorität mehr für einen jüdischen Abgeordneten. Unter solchen Umständen die Parole jüdischnationaler Landtagskandidaturen aufstellen, hiesse einfach die jüdischen Wähler zur Schlachtbank treiben. Man ziehe nicht die Reichsratswahlen als Beispiel heran; dieselben werden geheim und schriftlich ausübt. Es wird ein Stimmzettel abgegeben, der in die Urne gelangt. Das Risiko ist geringer. Auch wenn es gleich oder noch grösser wäre, müssten es die jüdischen Wähler ertragen, denn der Preis ist ein wertvoller. Die Bedeutung des Landtages für die Juden ist eine verschvvinden.de gegenüber der Wichtigkeit des Zentralparlaments. In einem Landtage, dessen überwiegende Majorität den Schlachzizen angehört, aus deren Mitte sowohl der Landmarschall als auch der Statthalter hervorgegangen sind, bilden einige jüdische Abgeordnete eine solche quamite negligeable, dass sie absolut nicht in Betracht kommen. Tatsächlich haben die vier bis fünf jüdischen Abgeordneten des Landtages, und zwar drei der Handelskammer, einer bis zwei der Städte, seit dem Beginn der Verfas- Sungsära, nicht einmal eine gerechte Handhabung der Staatsgrundgesetze seitens der Landesbehörden durchzusetzen vermocht. Es ist geradezu eine Schande, dass zu einer Zeit, wo die Polen über die Enteignungsvorlage lamentieren und sogar an das Mitgefühl der Juden appellieren, polnische Bezirksbehörden, wie jüngst der Bezirksausschuss von Neu-

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