Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S eite 10. „Neue National-Zeitung" ttr. 6. neralversammlung ab, in welcher der Vorsitzende Professor Wilhelm Bacher des grossen Autschwunges gedachte, den die Gesellschaft jüngst genommen hat, indem die Mitgliedcrzahl von Soo auf melir als 2000 gestiegen ist. Ferner teilte' er die erfreuliche Tatsache mit. dass Dr. "Stefan Freund zum Andenken an seinen verstorbenen Vater Adolf Freund zugunsten der Gesellschaft eine Stiftung von 20.000 K errichtete, aus deren Erträgnis literarische und wissenschaftliche Preisarbeiten honoriert werden sollen. Diu Generalversammlung votierte dem hochherzigen Spender wärmsten Dank. Schliesslich wurden die Statuten im Sinne des Antrages der Direktion einer Revision unterzogen. ALLEN WClttCiLCN Die Juden in Portugal. Das tragische Geschick, welches Portugal des Königs und des Thronfolgers beraubte, lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen zivilisierten Welt auf dieses Land, und mit erhöhtem Interesse erinnern wir uns unserer Volksgenossen, die in Portugal leben. Leider existiert nicht literarisches Material über ihr Leben und ihre soziale Stellung in diesem Lande. Selbst die „Jewish Encyclopädie" vermag nicht, ausreichende Aufschlüsse zu erteilen. Für da» jüdische Volk ist Portugal ein Land von hoher geschichtlicher Bedeutung, denn es gab eine Zeit, wo die aus Spanien fliehenden Juden in Portugal Aufnahme fanden und dort Brennpunkte des jüdischen Lebens schufen. Aber sie lebten bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts in tiefer Unterdrückung, sie mussteu hohe Abgaben entrichten und durften die ihnen zugewiesenen Aufenthaltsrayons nicht verlassen. Insbesondere war es Pabst Innocenz III., welcher die klerikalen Beherrscher Portugals zu immer neuen Gewalttaten gegen die Juden veranlasste, Noch im Jahre 1766 wurden in Lissabon Autodafes abgehalten. Diese schweren Unterdrückungen zwangen viele Juden ihren Glauben öffentlich zu verleugnen und ihre Gebete im Geheimen zu verrichten. Noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts feierten die Juden die religiösen Feste im Geheimen. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts kamen für unsere Brüder in Portugal ruhigere Zeiten und es wurde gesetzlich gestattet, dass sich jeder fremde Jude in Portugal ansiedeln und seinen Beruf ausüben könne. In Lissabon und Porto entstanden bald grössere Judengemeinden, die schnell emporblühten, und besonders unter dem Könige D.Pedro V. erfreuten sich die Juden einer ruhigen, ungestörten Entwicklung. Dieser gerechte Herrscher sagte im Jahre 1856 bei der Besichtigung einer Synagoge der portugiesischen Judengemeinde in Amsterdam : „Wir haben den Juden gegenüber einen grossen Akt der Unbilligkeit wieder gutzumachen." Er war auch ein Förderer der jüdischen Wissenschalt, die trotz vieler Leiden und Unterdrückungen im Lande Spinozas zu ungewöhnlicher Blüte gelangte. Am 17. Februar 1821 hoben die Cortes die Mehrzahl der judenfeindlichen Gesetze auf, und die Juden erlangten bürgerliche Gleichberechtigung. Die Anerkennung für sie wuchs, und im Jahre 1845 wurde z. B. Sir Isaak Lion Goldschmid in London zum „Baron von Palmaira", und Baron Carl v. Rothschild zum Commandeur des Ordens der — „unbefleckten Empfängnis der Jungfrau" ernannt. Der jetzt auf so tragische Art verstorbene König Carlos I. war den Juaen nicht schlecht gesinnt. Jfiste der $\us£cfretciien. (Vom 1. bis 31. Jänner 1908.) Karl Polatschek, XVIII., Währingergürtel 25; Pauline Herzog. XIX.. Döblinger Hauptstrasse 15; Viktor Stern, Redakteur, VI., Kaserncngassc 9; Leoj>old Kohn, Maler, II., Rueppgasse 29; Friedrich Langfelder, V., Margaretenstrasse 61; Franz Pollitzer, I., Freyung 6; Richard Stern, XVII., Maysengasse 25; Jeanette Redinger, Czernowitz, XVIlI,, Alscggerstrasse 10; Friedrich Polatschek, XVIII., Währingergürtel 25; Alice Berger. VII., Hermanngasse 5. Marianne Berger, VII., I lermanngasse 5; Josef Weissberg, Czernowitz, II., Obere Donaustrassc 6: Marie .Grünwald, Prag, VI., Gumpendorferstrasse Nr. 74; Hennann Maykut, IX., Eisengasse 25; Klara Friedmarin, Brodniki. III.. Blütengasse 6; Ignaz Roth, Szascebes, III., Erdbergcrstrasse 37; Nath. Paul Goidschmiedt, III., Marvergasse 11 : Emil Küstenbaum, XX., Gerhardusgasse 11; Löni Jungwirth, Hohes, XX.. Streffleurgasse 4; Emanuel Luft, Lemberg, XX., Hannovergasse 27; Blanka Gross, Durovar, II., Ausstellungsstrasse 19; Ignaz Kohn, VII., Stollgasse 3: Paul Schönberger. IV., Hechtengasse 4; Ernst \bramovicz XVII., Xeuwaldeggerstrasse 41; Dr. Alexander Redlich, Olmüt.-. XVIII., Gentzgasse 166; Amalie Berhang, Stapniczeslach, VI, Fillgradergasse Ii; Oskar Urdliczka. V., Reinprechtsdorferstrassj Xr. 23; Dr. Friedr. Markus, Barlad. XVI., Payergasse 13; Geza Burias. Budapest, I., Sehwarzenbergplatz 4; Eugen Goldhaber. VI., Dürergasse 10; Berta Drucker. Xt-u-Oetting, XIII., Klopstockgasse 55; Ignaz Czapp, Weidiing. III., Djcsslergasse 8; Alfred Perles. KarolinentJial. III, Erdbergstrasse 35; Amalie Palme. XVII., Hormayergassc 26; Karl Humpoletz. Im Januar 1908 zusammen 36 Austritte; im gleichen Monate des Vorjahres waren es 48. Aufruf! Goldfaden-Preis. Anlässlich des jüngst erfolgten Todes des Begründers des jüdischen Theaters Abraham Goldfaden ist von Seiten des gefertigten akademischen Vereines die Anregung zur Errichtung eines „G o 1 df a d e n - P r e i s e s" für die besten dramatischen Werke in jüdischer Sprache ausgegangen. Auf die Bedeutung und den national-kulturellen Wert einer derartigen Institution braucht nicht erst näher hingewiesen zu werden. Jeder moderne, bewusste Jude sieht die grosse Rolle, welche das jüdische Theater im jüdischen Volksleben spielt und noch zu spielen berufen ist, ein. Es gilt den aufstrebenden Talenten Förderung angedeihon zu lassen, sie in .einen regen Wetteifer zu bringen. Der gefertigte akademische Verein richtet deshalb an alle Gönner des jüdischen Theaters und der kulturellen Renaissance des Judentums die Bitte, sich an der von demselben eingeleiteten Sammlung für diesen Zweck - sei es auch mit den geringsten Beiträgen — ■ beteiligen zu wollen. Zuschriften sind an die Vereinsadresse (2. Bezirk, Flossgasse 9), Geldsendungen an die Adresse: Akademischer Verein „Jüdische Kultur", p. A. cand. ing. Bruno M e i s n e r, 2. Bezirk, Negerlegasse 1, ZU richten. Akademischer Verein „Jüdische Kultur" J. A. d. A. J. W ciss m a n n m. p. D. Birnbaum m. p. dzt. Präses. dzt. Schriftführer. Die Administration der „Neuen National- Zeitung" ist gleichfalls bereit, Spenden für den', „Gol d f a d c n - P r e i s" anzunehmen und auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen National-Zeitung" leitet diese Sammhing mit einer .Spende von 10 Kronen ein.