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Neue Nationalzeitung · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sehe 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 5 ■meindepolitik eine andere Wendung genommen, und der jetzige Präsident, ein jüngerer Advokat, dem jeder Schwung und jeder grössere Horizont fehlt, hat sich im Interesse seines Mandates der ehassidisch-freisinnigen Koterie ganz ausgeliefert. Das jüngste Kompromiss mit der Partei der unabhängigen Juden, hinter welcher ebenfalls nur .junge Advokaten und chassidische Agitatoren stehen, ist über die Mittel-Partei ganz hinweggegangen. -Diese Kultuswahlen, im Zusammenhange mit der bevorstehenden Wahl eines Stadtrabbiners, scheinen endlich die Mittel-Partei aus ihrer Lethargie erweckt zu haben. Unter dem Vorsitze des Herrn Salomon^- Is e n b e r g fand gestern eine grosse Versammlung statt, bei der über Antrag des Herrn Samuel Spira beschlossen wurde, an die Organisierung der Mittel- Partei zu schreiten, um derselben einen grösseren Einfluss auf die Leitung der Gemeinde zu verschaffen. Ueberdies wurde in der Rabbinerfrage eine Resolution gefasst, in welcher gegen die erfolgte Zusammenstellung der Rabbinerwähler-Kommisson seitens des Vorstandes protestiert wird, mit der energischen Forderung, in dieser Frage auch die Delegierten sämtlicher Synagogen und Bethaus vereine heranzuziehen. Die Krakauer Judenschaft steht jetzt vor merkwürdigen Verhältnissen. Während sie bisher in ihrer Majorität teils ein Anhängsel der demokratischen, teils der konservativen Polen bildete, ist sie angesichts des Umstandes, dass sich diese beiden entgegengesetzten polnischen Parteien vereinigt und von den Juden losgelöst haben, nur auf sich selbst angewiesen. Und so zeigt es sich eben, dass die zweitgrösste jüdische Gemeinde in Galizien niemanden in ihrer Mitte hat, der zu einer Führer rolle eine Zusammenkunft für Samstag vormittags verabredet und gehalten, um Herrn Abgeordneten Stand die Sehenswürdigkeiten der Stadt, insbesonders aber das jüdische Waisenhaus, diese Schöpfung Strauchers, zu zeigen. Dr. Straucher machte den Führer. Samstag abends verliess Herr Stand die, Stadt. .fähig wäre. Abgeordneter Adolf Stand in Czernowitz. Czernowitz, den 26. Jänner. fOrig. Korr.) Am . 23. d. M., ist Herr Adolf Stand hier angelangt, und hat sowohl in einer Volksversammlung als bei einem Festkommers unter grossem Beifall über den '^Jüdischen Klub* gesprochen. Es ist jedoch allgemein 'kufgefallen, dass unser Abgeordneter Dr. Straucher "'bei beiden Veranstaltungen fehlte. Wiewohl Herr 'Stand in seinen beiden Reden den Obmann 'des „Jüdischen Klubs" sehr rühmend hervorhob, so spricht man dennoch sehr viel von einer tiefen Missstimmung zwischen Dr. Straucher und anderen Mitgliedern des »Jüdischen Klub«. Die Gründe dieser Missstimmung sind leider" persönlicher Natur. * Es hätte'* keinen"* fSinn,1? die bedauerliche Tatsache zu vertuschen, dass im .Jüdischen •Klub" Differenzen*" bestehen, die weder prinzipieller, »Tioch taktischer, sondern lediglich persönlicher Naitur sind. Die jüdische Oeflfentlichkeit muss vielmehr an den »Jüdischen Klub«, dessen Schaffung eine Herkules-Arbeit war, appellieren, seine titanischen J-Äufgaben nicht an kleinlichen Eifersüchteleien zerschellen zu lassen. Wie die „Bukowinaer Post* berichtet, fand ,-Fteitag abends über Einladung des Abgeordneten ,ßr. Straucher eine gesellige Zusammenkunft zu /Ehrendes Abgeordneten Stand im „Hotel Zentral" 'statt. An derselben nahm nicht nur der Ausschuss •■dtes .jüdischen; National vereine?, sondern auch viele Kultusräte und jüdische Bürger teil. Es wurde auch Palästina. Gesellschaft „Bnei Jehuda". Jerusalem, Mitte Januar. (Orig. Korr.) Vor kurzer Zeit ist hier die Gesellschaft »Bnei Jehuda« gegründet worden, zum Zwecke der Hebung der gewerblichen und industriellen Lage Palästinas. Dass dadurch eine Verbesserung der allgemeinen Lage eintritt, braucht nicht näher erklärt zu werden, es wird dadurch nicht allein der Auswanderungsbewegung Einhalt getan, sondern auch noch vielen der Einwanderer Erwerb verschafft werden. Vorläufig hat die Gesellschaft noch keine grossen Werke aufzuweisen. Alles was sie bis jetzt geschaffen hat, ist eine bescheidene Weberei, die eine kleine Anzahl von Leuten bereits beschäftigt; doch wird die Errichtung einer grossen Wollspinnerei geplant. Mit diesen Zeilen möchte ich in erster Linie ihre Leser auf eine besondere Abteilung dieser Gesellschaft aufmerksam machen. Jerusalem samt den übrigen Städten des heiligen Landes sind imstande, ihre Glaubensgenossen im Auslande mit hl. Gegenständen zu versorgen. Wenn nur unsere Glaubensgenossen, insbesondere die Gemeindevorsteher und Synagogenpräsidenten, die im hl. Lande verfertigten Gegenstände, den im Auslande produzierten gegenüber bevorzugen, dann kann mit Zuversicht gehofft werden, dass Tausende von Menschen als Ritualschreiber, Gerber, Weber, Buchdrucker, Buchbinder, Drechsler u. s. w. mit gut lohnender Beschäftigung versorgt werden. Und da der Zweck der Gesellschaft die Hebung des Handels und der Industrie ist, so fand es die Gesellschaft zweckmässig, die folgende Abteilung zu eröffnen. »Kodesch Mikodesch« (Heiliges vom Heiligen), deren Aufgabe darin besteht, alle hl. Gegenstände wie Sifre, Thora, Teffilim. Mesusoth, Gebetbücher, Megiloth, Bibel, Hagadah mit deutscher und anderen Uebersetzungen, Atzei, Chaim, Leuchter und andere Gegenstände aus Olivenholz etc. zu liefern. Welch heiliges erhabenes Gefühl durchdringt den Juden, der in der Synagoge steht, das Gesicht gen Osten gewendet,gen das verheisseneLand,Teffilim imhl.Lande verfertigt und geschrieben, krönen sein Haupt, ein Siddur aus Jerusalem ruhtTin seinen Händen und er wird zur Thora gerufen, die in Jerusalem geschrieben wordtn ist; er ergreift siejan den aus Olivenholz der an dem Oelberge wachsenden Oelbäume veifertigten^H^ndgiffen, die seine Brüder aus dem hl. Lande mit grosser Mühe und Arbeit verfertigt haben. Wie wird noch jener beseelt, wenn er dabei bedenkt, dass er mit dem Gebrauch dieser Gegenstände für die Förderung des hl. Landes~und für sein Aufblühen wirkt. Bisher fehlte es aber an einem jZentrum, das den Wunsch eines Einzelnen mit Leichtigkeit erfüllen könnte. Nun ist aber dieser Mangel beseitigt, durch die Abteilung Kodesch Mikodesch, die jeden Wunsch nach hl. Gegenständen befriedigt.

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