Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1908)
- Date
- 1908-01-24
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „tteue National-^eiturig" Nr.' 4 ist in den ersten Tagen des Januars auf See gegangen. Für die -Expedition wurde der Schutz des Negus angerufen, der den Waasch ausgesprochen hat, die Abgesandten der „Alliatiee* in seimr Residenz Addis-Ababa zu empfangen. Sie sind auf dem Wege zur Hauptstadt. Dis Zentralkomitee hat ihnan eine Adresse mitgegeben, die sie dem Herischer im Namen der Juden Europas und Amerikas übergeben werden Amerika. Der Tod Abraham Goldfadens. New-York, den 10. Januar. (Orig.-Korr.) Wie sie im Wege der Kabeltelegramme gewiss erfahren haben, ist Abraham Goldfaden, unser Meister und Schöpfer des jüdischen Theaters gestern (Donnerstag), nach mehrtägiger Krankheit infolge einer Lungenentzündung gestorben. Noch vor wenigen Tagen hat er anlässlich der letzten Aufführung seines jüngsten Stückes »Ben Ami« im Peoples-Theatre grosse Triumphe erlebt; jetzt ist die Leier des jüdischen Volkssängers für immer geborsten. Die mächtige Trauer, die sich der jüdischen Volksmassen infolge der Todesnachricht 'bemächtigte, lässt sich nicht beschreiben. War schon die Wohnung Goldfadens während seiner Krankheit von Hunderten seiner Freunde besetzt, so schaarten sich infolge der Todesnachricht in der elften Strasse zehntausende von Juden, an deren traurigen Mienen man erkannte, wie teuer ihnen der Verstorbene war. Abraham Goldfaden erfreute sich in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung auch persönlich grosser Beliebtheit. Man sah in ihm den Schöpfer des jüdischen Theaters, den ersten grossen Volksdichter, den Mann, für den die jüdische Dichtkunst kein Geschäft, sondern der Ausdruck nationaler Begeisterung war. Als er auf dem Totenbette lag, und von einem zionistischen Knabenverein besucht wurde, da bat er die Jungen, ihm seine nationalen Lieder vorzusingen. . Sämtliche jüdischen Blätter widmen dem Verstorbenen schwungvolle Nachrufe. Selbst der „American Hebrew", das Organ der jüdischen Intelligenz, sagt von ihm: „Er gab den Juden etwas, um sie glücklich zu machen, sie zu unterhalten, sie zu zerstreuen. . . Er hat dem jüdischen Volke seine ganze Arbeit gewidmet, aber das jüdische Volk hat ihn dafür ärmlich entlehnt. Auf seine alten Tage musste er von der Hand in den Mund leben. Er war ein braver Mensch, und die East Side wird ihn schwer vermissen. ..." $|U$ ALLEN WCLCTCiLCN . Die Opern Goldfadens erneuen sich im Londoner East- End einer besonderen Beliebtheit. Hierüber wird berichtet: „Die Feinmansche 0?em« und Theatergeseüschaft führt am Pavillon Theatre in Mile End eine Jiddische" Oper oder vielmehr ein Melodrama mit Masik auf, das begeisterte Aufnahme findet. Der Text .behandelt die Geschichte des jüdischen Nationalhelden Simon BarKochba, jenes Pseudomessias, der die Juden bei ihrem heldenhaften, aber unglücklichen Aufstand gegen die römischen Unterdrücker, siebzig Jahre nach der Zerstörung von Jerusalem, anführte. Der Bösewicht des Stückes ist ein samaritischer Diamantenhändler Papus, der dasselbe Mädchen wie Bar Kochba liebt und die Juden an den römischen Feldherrn verrät. Der Held wird gefangen genommen, zerreisst aber seine Ketten, bricht sich Bahn durch die Wachen und vereinigte sich am Ende mit der Geliebten. Die Personen sprechen im jüiischen Jargon und nur bei den Höhepunkten der Handlung greift die Musik ein, die in einem sentimental weichlichen Stil gehalten und von dem verstorbenen Komponisten Goldfaden komponiert ist. Bei der Erstaufführung war das Haus überfüllt und das Publikum das hauptsächlich aus Juden bestand, gab seine Begeisterung zu erkannen, indem es dem Helden zujubelte und den Verräter verfluchte, indem es in lärmendem Applaus die Lebendigmachung einer grossen Vergangenheit feierte. Die Erregung stieg sogar soweit, dass beim Beginn der Akte vor Unruhe nicht gespielt werden konnte und einige besonders enthusiasmierte Zuschauer aus dem Theater entfernt werden mus3ten.w Wenn nun in der .Jüdischen Ze.tung" die Bedeutung Goldfadens verkleinert und seine Stücke sogar als „Hanswurstiaden" hingestellt werden, so erinnert dies unwillkürlich an die Fa^el vom Löwen und vom — Fusstritt. Monsieur Briand, der französische Kultusminister, hat zum Präsidial-Chef Herrn Grünebaum-tfallen und zu seinem Sekretär Herrn Sassias ernannt. Ebenso hat der neue Handelsrninister Monsieur Cruppi Herrn Jerome Levy zum Sektions-Chef ernannt. Beide Minister haben in ihrer Vergesslichkeit nach keinem Taufschein gefragt. In Etsass Lothringen ist die Zihl der Juden seit dem Jahre 1871 zurückgegangen. Damals zählten sie 40.938, heute aber kaum 31.708. GEM&iNDS-UNb VSRCkNSNrHRRilftSW Radautz, In der am 29. Dezember 1907 staltgefundenen Generalversammlung und bei der am 2. Jänner 1. J. erfolgten Konstituierung des Vereines „Jüdisches Schüler heim in Radautz" wurden nachstehende Funktionäre gewählt: Professor Dr. S. Spitzer, Obmann; Notar Dr. Ph. Maier, 1. Obmann-Stellvertreter; Gerichtsadjunkt Fr. Racbmutb, IL Obmann-Stellvertreter; Dr. A. L. Schenker, I. Schriftführer-, Recbtskandidat Karl Harth, II. Schriftführer; Dr. Fr. Städtmauer, Kassier; Gerichtsofflzial J. Presser, Oekonom. Ohne Funktion: Dr. L. Lutlinger, Dr. J. Bierer, Dr. S. Herzberg, Kultuspräses Birl Terner, Jakob Barber, Israel Mensche), Moses Mer Mick und Gustav Schaffer. In der erwähten Generalversammiuug wurden die Herren: Professor Dr. Alfred Engel und Professor Oskar Lieben wegen ihrer hervorragenden Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt. Äeitschriften^undschau. Von 1. Jäaner erscheint in Wvlna eine täg'.iche Kinder- Zeitung in hebräischer Sprache, »Hechower". Von der hebräischen Monatsschrift „Haschlloah" in Odessa ist dieser Tage das hundertste Heft erschienen, was als ein Jubliäum zehnjähriger Arbeit für die hebräische Literatur gewürdigt zu werden verdient. Diese gegenwärtig einzige hebräisshe Monatsgehalt ist vor 11 Jahren von dem bekannten Achad-Haam (Ascher Günzberg) in Odessa gegründet worden, um der Sache der jüdischen Renaissance zu dienen. Ende 1906, nach den schrecklichen Oktoberpogromen, stellte „Haschiloah" sein Erscheinen ein. Seit Januar 1907 erscheint er dank der energischen Agitation der Zionisten Russlands wieder und wird jetzt von Dichter Bialik und Schriftsteller Dr. Josef Klausner redigiert. In den zehn Jahren seines Erscheinens war „Haschüoah* der energische Verfechter für die Wiedeigebutt des jüdischen Volkes, seines Landes und seiner Kultur. Als nationaljüdisches und als ein objektiv sein wollendes Organ hxtte „Hasmiloah" speziell, da es gegen den offiziellen Zionismus Ste lung genommen hat, viele Gegner. Aber alle seine Widersacher wussten, dass sie es im „Haschiloah" mit einem ehrenhalten Gegner zu tun hiben, Das vorliegende inhaltsreiche hundertste Heft enthält u. a. ein schönes Gedicht von Bialik „arbit" (abends), eine herrliche Idylle „Der zerbrochene Löffel" von Tschernichowsky, einen kurzen, in'eressanten Brief von Achad-Haam, eine Einleitung von Klausner, Skizze „Im Gefängnis* von Steinberg, einen Einakter von J. Katzeneisohn. Weiter hervorzuheben sind: ein sehr origineller Artikel von Hordezky über den Gaon von Wilna und den Gründer des Chassidismus, sowie der Artikel .Nervosität in Israel" von Lilienhlum, der auf Grund historischei Beispiele den riesongrossen Anteil der jüdischen Jugend an der russischen Revolution auf seine Nervosität, die sich in Volke durch die grossen Verfolgungen der letzten 25 Jahre verbreitet hat, zurückzuführen sei.