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Neue Nationalzeitung · 1908-01-24 · Heft 4 (24.1.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr.-4 , fteue'Nationäl-Zeitung Seite Ö schliesslich dieser Arbeit widmet, über die Dauer der Vorarbeiten eine entsprechende Subvention erhalte. Der Vorstand nimmt das Referat und den Bericht des Präsidenten zustimmend zur Kenntnis. 5. Regelung des jüdischen Archivwesens in Oesterreich. Hierzu wird vorgesch'agen: Es sei eine Aktion eimuleiten, deren Zweck es wäre, sämtliche jüdische Gemeinden zu veranlassen, in ihrem Wirkungskreise die Sammlung von Dokumenten, Briefen u. s. w., die auf das Leben der Juden Bezug haben, vorzun< hmen. Das so gewonnene Material wäre ungesichtet an die „Jüdisch-hisiorische Kommission ■ der entsprechenden Landeshauptstadt zu senden. In Landeshauptstädten, in den?n noch keine historische Kommission besteht, wäre eine solche nach dem bewährten Muster der bei der Wiener Kultusgemeinde bestehenden historischen Kommission zu grfinden. Diese historischen Kommissionen sichten, katalogisieren und vermehren das eingelang-e Material in einem eigenen »jüdischen Archive". Die jüdischen Archive der einzelnen Länder kommunizieren miteinander in der Forjo, dass sie zumindest vierteljährlich einmal die Verzeichnisse des im abgelaufenen Zeitabschnitte eingelangten Materials untereinander austauschen. In der Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Sonnenschein, Dr. G. Kohn und Dr. Schanz er beteiligten, wird darauf hingewiesen, dass von verschiedenen Seiten bereits Versuche zur Errichtung jüdischer Archive gemacht wurden, die jedoch alle erfolglos blieben. Nichtsdestoweniger wird beschlossen, dass der „Bund" noch einen Versuch in dieser Richtung unternehme und über die Erfolge der nächsten Vorstandssitzung Bericht erstattet werde. Zun Schlüsse wurden die Herren Dr. S. Schaff, Präsident der Lemberger Kultusgemeinde, und Reichsratsabgeordneter Dr. N. L o e we n s t ei n—Lemberg einstimmig in den Vorstand kooptiert und beschlossen, den Bundestag wenn möglich für Ende Februar oder Anfangs März dieses Jahres einzuberufen. Die nächste Vorstandssitzunj wurde auf den Tag vor dem Bundestage festgesetzt. Wir behalten uns vor, auf diesen Gegenstand noch zurückzukommen. Der ungarische Judentag. Budapest, den 20. Januar, (Orig.-Korr.) Noch immer dauert das Geplänkel zwischen Orthodoxen und Neologen fort. Heute ennunzierte der Kultusminister Graf Apponyi, dass er nunmehr entschlossen sei, einen „Kongress der Israeliten Ungarns" einzuberufen, dessen Zweck es sein soll, eine „einheitliche israelitische Konfession" zu bilden. Das heisst kurz und bündig: Apponyi anerkennt nicht weiter die Autonomie der Orthodoxen und will eine einheitliche Religion kreieren. Er wird bei den Orthodoxen auf hartnäckigen Widersland stossen und die Neologen freuen sich zu früh ihres Sieges. Jedenfalls ist es zu begrüssen, dass der Judentag stattfinden wird. Aber da nun die Zänkereien durch Graf Apponyis entschiedene Worte von neuem beginnen werden, so tut man gut daran, die Erwartungen recht niedrig zu schrauben. Die Orthodoxen erklären neuerlich, dass sie an dem Judentage nicht teilnehmen werden und die Neologen unter sich, würden selbst mit Hilfe des Kultusministers eine einigende Basis für die Beratungen nicht finden. Und doch wäre der Judenteg eine Notwendigkeit, denn dringende Fragen der ungarischen Judenschaft bedürfen einer Regelung. Der willkürliche Exodus der Orthodoxen, macht die Beratungen des ungarischen Judenrages schon heute illusorisch. Frankreich. Schwarze Juden. Paris. Seit längerer Zeit beschäftigt sich die , Allianz" mit der Lage der Falashas, einem Stamme wahrscheinlich jüdischen Ursprungs, der Abessynien bewohnt. Schon im Jahre 1867 sandte sie zu Studienzwecken den bekannten Gelehrten Joseph Haie vy In cie von den Falashas bewohnten Gegenden. Aber die Verhältnisse und der damals dort herrschende Krieg hinderten den Forscher sehr daran, den Zweck seiner Mission zu erfüllen. Gleichwohl hat er ebenso zahlreiche als in'eressante Dokumente über das Leben dieser schwarzen Juden mitgebracht, die seit Jahrhunderten jeglichen Kontakt mit ihren Stammesbrüdern verloren haben. Halevy hatte damals einen jungen Falasba mitgebracht, der in der orientalischen Schule der Alliance in Paris untergebracht wurd.3. Er konnte jedoch das europäische Klima rieht vertragen u.id mus&te in seine Heimat zurückgeschickt werden. Seit dieser Zeit haben es schon mehrere Forscher versucht, sich mit den Falashas in Beziehungen zu setzen. Aber die Reiseverbindung ist eine derart schwierige, dass es ihnen unmöglich gemacht wu de, in das Herz der von den Falashas bewohnten Provinzen einzudringen. So blieb man in beinahe völliger Unwissenheit über ihre wahren Lebensverhältnisse. Es wird nun ungefähr 3 Jahro her, dass Herr F a i 11 owitsch, ein Schüler Halevys, es aufs Neue versuchte, in das Land der Falashas ganz einzudringen. Seine Forschungen mussten sich aber gleichfalls nur auf den Besuch einiger Dörfer der Falashas beschränken. Und so war es ihm leider auch nicht beschieden, in jene Prairien zu gelangen, in denen heute der grösste Teil der Falashas-Juden wohnt. Faitlowitsch brachte zwei junge Leute mit sich hieher, die, in der orientalischen Schule untergebracht, sich erstaunlich schnell der europäischen Kultur anpassten und die hebräische Sprache erlernten, die den Falashas gänzlich unbekannt ist. Die Resultate dieser Reise hat die Allianz in ihrem Jahresberichte (1906) veröffentlicht. Das Interesse der europäischen Juden für die Falashas- Frage ist seit der Rückkehr des Herrn Faitlowitsch besonders rege geworden. Denn es sind schon von verschiedenen Seiten Entwürfe zu Organisationen gemacht worden, um wieder den Versuch zn wagen, mit den Falashas in Berührung zu kommen. So hat sich in Italien ein Komitee „Pro Falashas* gebildet, deren Vorsitzender Dr. Margulies, Grossrabbiner von Florenz ist. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die ihm zur Verfügung stehenden Kräfte zum Wohle unserer gänzlich isolierten Glaubensbrüder zu verwenden. Die Allianz wurde gebeten, an dieser Arbeit teilzunehmen und hat auf dieses Ansuchen erklärt, sie wäre natürli :h dazu bereit. Das Zentralkomitee hat nun beschlossen, bevor es die zu ergreifenden Massregeln genau studiert, die dazu geeignet wären, den Falashas zu helfen, sich über iure wirkliche Anzahl und ihre geographische Verteilung genau zu instruieren. Nebenbei niU3S au cd. bemerkt werden, dass die Schätzungen der verschiedenen Forscher und Autoren über die Anzahl der Falashas beträchtlich von einander abweichen. Die einen schätzen sie auf 100.000 Seelen, andere wieder glauben, dass sie nicht 20.000 überstaigt. Es ist also vor jeder Unternehmung oder Vorbereiluag unumgänglich nötig, genau die Zahl der Falashas festzustellen und auch die Frage zu lösen — das ist gleichfalls ein wichtiger, aber noch dunkler Punkt — ob sie zusammenwohnende Völkergruppen bilden oder, wie andere Forscher behaupten, in kleine Gruppen von 10 bis 40 Familien in von ein* ander entfernten Dörfern verstreut sind. Ohne durchaus auf die Lösung dieser Fragen zu bestehen, ist es doch klar, dass davon die Wichtigkeit der bevorstehenden Arbeit abhängt, an die man nun herangehen soll. Ein aufmerksames Studium der Sitten, sozialen und ökonomischen Verhältnisse, der Bedürfnisse, kurz d.r Kultur dieses Volkes und seiner Intelligenz, dürfte als Basis dienen, um die Art der zu schaffenden Institutionen festzustellen. Die „Alliance* bat beschlossen, endlich in diesen Problemen Klarheit zu schaffen: Sie sendet zunächst eine Expedition nach Abessynien, um die verschiedenen oben aufgezeigten Fragen zu prüfen. Eine ihrer Hauptaufgaben wird sein, das „Problem Falasha1 nach allen Gesichtspunkten zu studieren, hauptsächlich den Ursprung dieses Voltes und seine Geschichte zu erforschen, die von vielen, vielen Leiden, noch mehr abe von Helden- und Glaubenstaten zu erzählen weiss. Mit dieser Studienreise hat die „Alliance* Herrn Naho um, einen früheren Schüler des jüdischen Seminars und der «Schule für die lebenden orientalischen Sprachen" betraut. Sein Reisebegleiter ist ein junger Arzt, Herr Eberl in. Herr Nahoum

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