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Neue Nationalzeitung · 1908-01-24 · Heft 4 (24.1.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Sehe 8 „Neue National-Zeitung* Nr. 4 hierüber unmittelbar vor der Drucklegung des Blattes einen Auszug aus dem Protokolle, dem wir nachstehendes entnehmen. Anwesend die Herren: Präsident Dr. AHred Stern, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Landesschu'rat Dr. Gustav Kehn, Wilhelm Pappenheim—Wien, Dr. Schanzer—Pilsen, Doktor Sonnenschein—Troppau, Giesinger—Teschen und Hitler— Graz. Entschuldigt haben ihr Fembleiben die Herren: Dr. Fialla— Brünn, Dr. Tilles— Krakau, Habn—Linz Dr. Sachsl— Chrudim, Dr, Hilf—M.-Oatrau und Dr. Alfred Berger—Wien. Präsident begrüsst die Erschienenen und stellt dem Ausschusse den neuen Sekretär des Bi ndes Herrn Jakob Krauss vor. Hierauf wird in die Tagesordnung eingegangen. 1. Schaffung eines Reichsverbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter. Referent betont zunächst, dass den Herren Ausschussmitgliedern über die einzelnen Punkte der Tagesordnung ausführliche, schriftliche Referate zugegangen sind, weist auf die triste Lage hin, in welcher sich die meisten Angestellten der kleinen Kultusgemeinden befinden, und legt den Vorschlag vor: Der Ausschnss spricht sich prinzipiell für die Schaffung eines Reichsverbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter anlässlich des 60jährigen Regierungsjubiläum« des Kaisers aus und beauftragt das Bureau mit der Ausarbeitung der Verbandsstatuten, welche in der nächsten Ausschussitzung zur endgiltigen Beschlusefassung vorzulegen sind. Dr. S o n n ea s ch ein—Troppau ist der Ansicht, dass es jetzt schon zu spät sei, die Schaffung eines allgemeinen Pensionsmstitus als Jubiläumsschöpfung in Aussicht zu nehmen, Es fehle auch jenes alle Gemeinden zusammenfassende Band, eine Organisation der jüdischen Gemeinden, welche die gesetzliche Macht besässe, auf die einzelnen Gemeinden einen Zwang auszuüben,' ohne Zwang dürfte der Plan kaum realisierbar sein, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn-Wien vertritt den Standpunkt, dass ein solches Pensionsinstitut geschaffen werden müsse, nicht nur deshalb, wri! die meisten kleineren Gemeinden nicht in der Lage sind, ih^e Beamten zu versorgen, sondern mehr noch deshalb, weil die Gemeindendann ein quantitativ besseres Beamtenmaterial bekommen würden, als dies heute der FaU ist. Er ist auch der Ansicht, dass die Schaffung des angestrebten Pensionsinstitutes im Jubiläumsjahre kaum mehr durchzuführen sein wird, und schliesst sich daher dem Antrage Pappenheim an. Der Präsident fasst hierauf die geäusserten Meinungen in Folgendem zusammen: Das Bureau wird beauftragt, ein allgemeines Pensionsstafut auszuarbeiten und der nächsten Vorstandssitzuug vorzulegen. Der Vorstand beschliesst in diesem Sinne. 2« Einheitlicher Lehrplan für den Religionsunterricht. Der Referent schlägt vor, dass den Gemeinden ein Lehrplanentwurf vorgelegt werde, in welchem der Lehrstoff nach unten und nach oben abgegrenzt erscheint. Eine Einheitlichkeit des Lehrplanes dürfte bei der Verschiedenheit der religiösen Auffassung, die in den einzelnen Gemeinden vorxherrseht, kaum durchzuführen sein. Es folgt eine lebhafte Disskussion, an der sich die Herren Dr. Gustav Kohn, Dr. Sonnenschein, Dr. Schanzer, Oberrabbiner Dr. Güdemann u. A. beteiligen. Pr ä s i d e nt resümiert: Der Vorstand ist einmütig der .Ansicht, dass ein Normal-Lehrplan für dea Religionsunterricht mit besonderer Betonung des Hebräischen geschaffen und den westösterreichischen Gemeinden zugeschickt werden soll. Ferner ist die Ausgestaltung der Lehrerbildungsanstalt der Wiener Kultusgemeinde zu einer Bildungsanstalt für ganz Westösterreich, Übr welche eine Subvention des Staates gefordett werden soll, auxuatreben. Für den Unterricht in cechischer Sprache soll entsprechend resorgt werden. Endlich wird beschlossen, dass der .Bund* die einlebenden Schritte behufs Durchführung der Gesamtverfassung der Judenschaft Oesterreichs sobald als möglich zu unternehmen habe. Der Vorstand bescbliesst in diesem S-'nne. 3. Organisierung des Rechtsschutzes in Gemeinderechtsfragen. Der SeVrefär verliest den nachfolgenden Bericht: Obgleich die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden in Oesterreich geregelt ersche:nen, ergeben sich dennoch allzubäuflg Fälle, in denen jüdische Gemeinden sich in ihren Rechten verletzt lühlen und gezwungen sind, den Rechtsweg zu betreten. Diese Prozesse, die oft aus Rechtsunkenntnis entstehen, haben oft in vielen Fällen nicht Woss Verlust an < emeindegeldern, sondern mitunter auch tiefergehenden Unrriedcn in der Gemeinde zur Folge. Insbesondere sind die vielen Landgemeinden, die in ihren Schul-, Bethaus-, Friedhof-, Stittungs-, Gebührenrecht- und anderen jüuisch-kommunalen Fragen sehr oft des Rechtsschutzes bewürfen. Es wird demnach vorgeschlagen: Der „Bund* organisiert in Ausübung seiner Statuten (§ 1. P. 7) eine Rechtsschutz-Sektion ausschliesslich für jüdische Gemeinde- und Kulturrechtsfragen. Diese Rechtsschutz-Sektion soll dem Recbteschutzbureau der „Oesterr. israelitischen Union', dessen Leistungen auf dem Gebiete des Privatrechtsschutzes anerkannt werden müssen, in keiner Weise Konkurrenz machen. Der Vorstand beschliesst ohne Debatte im Sinne des Referates und beauftragt d?s Präsidium, zur Durchfühiung des Beschlusses das Nötige zu veranlassen. 4. Geschichte der Juden in der österreichischungarischen Armee. Zu dieyeii Pankte lag der nachfolgende Präsidialvorschlag vor: Zu den hfiuflgrslen Verleumdungen der Judenfeinde gehört die unwahre Behauptung, dass die Juden fü» den Militärdienst ungeeignet und demnach auch unfähig seien, höhere Posten im Heere zufriedenstellend auszufällen. Die Geschichte der österreichisch-ungarischen Armee liefert uns unzählige Beweise für die Unwahrheit dieser Ausstreuungen und für die Tüchtigkeit und Tapferkeit, welche den jfldischen Soldaten in allen Rangstufen, im Frieden sowohl wie im Kriege auszeichneten. Noch zu einer Zeit, da die Juden in Oesterreich und Ungarn keine Bürgerrechte genossen, haben sie sich, so viel ihnen der Heeresdienst zugänglich war, um die österreichisch-ungarische Armee verdient gemacht, und wo ein Kriegerdenkmal die Heldentaten unserer Regimenter verkünden, sind sicherlich auch Namen heldenmütig gefallener jüdischer Soldaten anzutreffen. Die diesbezügliche Daten sind bis jetzt nicht gesammelt worden und dennoch ist ihre Sammlung und übersichtliche Veröffentlichung niemals von so eminenter Wicbtigfreit gewesen, wie ererade in der jetzigen Zeitströmung, da sich das Bestreben geltend macht, die Juden aus den höheren Positionen im Heere zu verdrängen. Präsident teilt mit, dass mit dieser Arbeit der ihm bestens empfohlene Scbrifsteller Moritz Frühling bereits seit einiger Zeit beschäftigt ist. Herr Frühling erhält vorläufig den Auftrag, das für die erwähnte Arbeit notwendige Material zu sammeln. Das gesammelte Material soll einem fachwissenschaftlichen Komitee, eventuell der »Historischen Kommission" der Wiener KuKusgemeinde zur Begutachtung vorgelegt werden. Auf Grund dieses Gutachtens wird eist ein Bescbluss darüber gefasst werden, ob der »Bund*die Arbeit herausgeben soll oder nicht. Herr Frühling dürfte mit seinen Vorarbeiten iia Sommer fertig werden, so dsss die Arbeit als Jubiläumswerk noch in diesem Jahre zur Ausgabe gelangen konnte. Es ist natürlich, dass Herr Frühling, der seine ganze Zeit aus*

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