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Neue Nationalzeitung · 1908-01-24 · Heft 4 (24.1.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4? »Neue Natiohal-Zeitiing" Seite 7 Agenden des Matrikelamtes, des Friedhofes, der Bethäuser etc. in bester Ordnung — möchte ich denn doch zweifeln, ob gerade diese Herren geeignet wären, ein so kompliziertes Institut, wie es eine Sparkassa ist, zu leiten. Nicht der Empfang der Einlagen vom sparenden Publikum ist das Wichtigste; viel wichtiger erscheint mir die nutzbringende Verwendung des Geldes der Einleger. Eine Sparkassa darf und kann sich nicht in alle Geschäfte, die eine Aktienbank macht, auch einlassen; sie muss daher unbedingt von Beamten, die im Bank- und Sparkassenwesen sehr versiert sind und reiche Erfahrungen haben, geführt werden. Und gerade in diesem Punkte darf man absolut keine Kosten scheuen, denn die Beamten solcher Institute sind auch die Seelen derselben. Ebenso wie ich gegen den geplanten Namen aus dem oben angeführten Grunde bin, würde ich auch abraten, dass die Amtsräume im Hause der Gemeinde für die Sparkassa verwendet werden. Die Sparkassa müsste gleich den anderen Geldinstituten in einer der frequentiertesten Strassen der Inneren Stadt untergebracht werden, sie müsste elegant ausgestattet sein, denn dadurch wird heute sehr stark das Vertrauen gehoben. Gelingt es also unter diesen Bedingungen dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde eine Sparkasse zu errichten, dann ist der Erfolg, selbst ohne die Hilfe der Ica und der sonstigen philantropischen Vereine ziemlich sicher, und die Wiener Kultusgemeinde könnte, wie Herr Frank sehr richtig sagte, eine neue Einnahmsquelle für ihre diversen Wohlfahrtsvereine eröffnen. Es könnte aber auch dem kleinen Manne durch die mit dem Gelde der Sparkasse zu errichtenden oder zu fördernden jüdischen Kreditgenossenschaften billiger und bequemer Kredit gewährt werden. XPRRCSPONDeNZCN Oesterreich-Ungarn. Dr. Eduard Bacher. Wien, den 19. Jänner (Orig.-Korr.). Der Chef- Redakteur der .„Neuen Freien Presse", Dr. . Eduard Bacher, der heute nach mosaischem Ritus am Zentralfriedhofe bestattet wurde, hat sich in der Geschichte der österreichischen Journalistik und des deutschen Liberalismus ein ruhmvolles Blatt gesichert. Den österreichischen Juden war er nichts mehr, als Glaubensgenosse. Für ihn existierte keine jüdische Nation, ja nicht einmal eine Judenfrage; das Deutschtum und der böhmische Ausgleich absorbierten seinen ganzen Gesichtskreis. Er war der langjährige Chef des verstorbenen Dr. Herzl und da wird man es begreifen, warum die „Neue Freie Presse'1 die Bestrebungen Herzls nie erwähnte. Unter seiner Leitung blieb das Blatt, welches die Antisemiten konsequent als das Organ der „Alliance" hinstellen, allen Bestrebungen der jüdischen Selbsthilfe gegenüber passiv; es war die Hochburg jener deutschliberalen Assimilariteh, die pünktlich ihre Kultussteuer zahlen, für alle rituellen Einrichtungen inklusive der Rabbiner tiefen Respekt hegen und sonst für das deutsche Volk arbeiten. Am Grabe Dr. Bachers müssen wir dem tiefen Schmerze Ausdruck geben, dass hier, wie in so vielen andern Fällen, ein grosses Talent seinem eigenen Volke entfremdet wurde. Er hat seinem Volke nicht gedient aber auch die deutschliberale Sache, an der er mit vollen Herzen hieng, sah er zu Grunde gehen: das Los aller Journalisten mosaischer Konfession. 1. Judische Toynbee » Halle. Wien, den 17. Januar. (Orig.-Korr.) Donnerstag den 16. d. M., sprach Dr. S R. Landau in der ,Jüdischen Toynbee-Halle" über „Das jüdische ProletariaV. Der Saal war dicht gefüllt, und voll Interesse lauschte das Publikum dem , Vortrage. Namens des Vorstandes begrüsste der Präsident Dr. J; Samuely den Redner. In seiner Ansprache hob Dr. Samuely die Verdienste des Vortragenden hervor, der als unerschrockener Publizist alle Fragen des jüdischen Lebens behandle. Wenn man auch in manchen Fragen eines anderen Sinnes sein könne, so müsse man dennoch seinen Worten Achtung entgegenbringen und sie als Ausdruck einer ehrlichen Meinung ansehen. Lebhafter Beifall folgte diesen Worten. In seinem einstündigen Vortrage gab Dr. Landau vorerst eine kurze Darstellung der mageren und knappen jüdisch-sozialen Literatur. Er zeigte, wie wenig bisher das Leben jüdischer Proletarier zum Gegenstande statistischen und volkswirtschaftlichen Studiums gemacht wurde, trotzdem das Wenige, was seit zehn Tahren von einigen Public zisten an Material aufgehäuft wurde, schon genüge, um der Notwendigkeit einer sozialen Hilfe für das jüdische Proletariat beredten Ausdruck zü verleihen- Dann ging Redner auf das physische und geistige Leben des jüdischen Proletariates über, das er an der Hand seines Studiums „Unter jüdischen Proletarien" eingehend schilderte. Rufe des Erstaunens wurden laut, als er die niedrigen Löhne nannte, als er knapp, aber treffend, die jüdischen Arbeiterwohnungen beschrieb. Es war eine ergreifende Schilderung jüdischen Proletarierlebens, aber von einem höheren Gesichtspunkte geleitet und auf sozialen Erkenntnissen beruhend. Dem Proletariat der Brigittenau mnsste sein Schicksal als ein beneidenswertes im Verhältnisse zu dem des ostjüdischen Proletariats erscheinen. Zum Schlüsse behandelte Dr. S. R. Landau die iüdische Armeleute-Literatur^ insbesondere die Jiddisch-Presse und die Dichter des jüdischen Proletariats, Frug, Perez und Rosenfeld; er gedachte endlich in Worten warmer Empfindung Abraham Goldfadens. Das Publikum hörte diese Gedächtnisrede stehend an, und die atemlose Spannung entlud sich in enthusiastischem Beifall. Dr. S „muely schloss den Vortragsabend mit einem herzlichen Dank an den Vertragenden. sch. * Der Allgemeine österreichische israelitische Bund. Wien. Am 6. d.'M. hat^unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern eine Ausschusssitzung des Bundes stattgefunden. Wir erhalten

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