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Neue Nationalzeitung · 1908-01-24 · Heft 4 (24.1.1908) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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■'^mw&^sF ■ Nr. 4 »Neue Nationäl-Zeitutig* Seite% wenn ich behaupte, dass es ganz nebensächlich ist, auf wessen Veranlassung der Leichenwagen beigestellt wurde. Hauptsache ist, dass das Friedhofamt der Wiener Kultusgemeinde einen groben Verstoss gegen seine Pflichten und gegen die Vorschriften des jüdischen Ritus begeht, wenn es zulässt, dass bei einem jüdischen Begräbnisse christliche Leichenwagen funktionieren. Traurig genug, dass unsere Kultusgemeinde, die so gross im Defizit ist, nicht über eigene Leichenwagen verfügt. Aber woher soll gerade auf dem jüdischen Friedhof Jüdischkeit sein, wo msn doch gegen die obligatorische* Anbringung einiger hebräischer Buchstaben entschied? ... So kommt man allmählich, wenn nicht noch lebend, so doch als Toter, zum — Kreuz! . . . K. M. Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit Bezug auf die in einer der letzten Nummern Ihres Blattes unter der Spitzmarke .Die Schokoladenfabrik Stollwerck — antisemitisch" gebrachte Notiz und Ihre Schlussbemerkung — »Diese Schokoladenfabrik hat in Wien eine grosse Niederlage am Hoben Markt, I. Bezirk. Man hat bisher nichts davon gehört, dass sie an Juden nichts verkaufen würde * — erlaube ich mir, Ihre Leser darauf aufmerksam zu machen, dass nicht nur die Joden der Inneren Stadt, sondern sämtlicher Wiener Bezirke, ja ganz Oesterreich-Ungarns oft direkte Abnehmer der Stollwerok'schen Erzeugnisse aber noch .öfterer* n i c h l* konsumierende Vergrösserer des Stollwerok'schen Kapi* tals sind. Die Besitzer der Schokoladetehrik Gebrüder Stollwerck sind n&mlich gleichzeitig Gesellschafter der .Oesterreichisch- »nganschen Automaten-Gesellschaft Brüder Stollwerck k Co., VI Mariahilferstrpsse r. Ib. Diese deutschen Brüder haben Oesterreich mit einem Netz von Stadt- und Eisenbahn-Automaten umspannt, von denen man bisher nicht gehört hat. dass sie kein jüdisches eld annehmen, aber sehr oft — dass sie trotz Entgegennahme der Monpten sich sehr verstockt zeigen und keine Wa'e herausgeben. Ist einem solchen Automaten eine Münze in die unrechte KeMe geraten und d"nkt man durch .das Daraufsetzen einer zweiten, den Apparat wieder flott oder mobil zu machen, so verliert man b*ide. Nie habe ich davon gehört, dass ein Stollwerck'scher .Selbstverkfiufer" so verrückt geworden sei. nach dem Einwurf eines Spchserls Ware für zwei Sechser] herauszugeben und nie habe ich davon gelesen, dass die Gebrüder Stohwerck die kontrollierbaren Ueberschüsse in den Automaten, als ihnen nicht zugehörig verrechnet und den Armendepartements derjenigen Ortsgemeinden zugeführt hätten, wo die Apparate aufgestellt sind. Gern gebe ich der Wahrheit die Ehre, dass die Automaten der Brüder Stollwerck bislang sich gegen Jud* und Christ gleich verhalten haben. Aber die Technik macht Fortschritte und wir erlebens noch, dass beim Einwurf eines christlichen Sechserls eine Schokoladetafel herauskommen wird, beim Einwurf der jüdischen Münze aber — eine Ohrfeige 1 Hochachtungsvoll Sigmund W e i n.s t o c k.. ¥#L&SWIR1,S€»Af'T. Einem in den Kreisen unserer Abonnenten vie'fach geäusserten Wunsche entsprechend, haben wir uns entschlossen, eine volkswirtschaftliche Rubrik einzuführen. Im Rahmen derselben werden einmal monatlich wichtige Ereignisse cder Probleme aus der Volkswirtschaft und dem Finanzleben von berufenen Fachmännern populär erörtert we-den Die Redaktion. Ernst Vogel. Streifbilder aus dem Wirtschaftsleben Oesterreichs. Die Krise in Amerika ist bereits überwunden, und ruhige Verhältnisse können nun wieder eintreten. In diesem Zeichen wollen wir das neue Jahr begrüssen. So möge es denn die Wunden des verflossenen heilen, auf dass Handel und Industrie zur rechten Blüte sich wieder entfalten können. Mit grossen Hoffnungen waren wir in das jähr 1907 gegangen und arge Enttäuschungen hatte es uns gebracht. Sollten doch endlich nach langen Jahren, nach vielen Kämpfen und Ringen auf Grund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes neue Männer in das Parlament einziehen, die. mehr wirtschaftliche, als konfessionelle Momente zu vertreten und dem Volke Arbeit und Brot zu geben hätten. Und welches Resultat hatten diese Wahlen gezeitigt! Die Sozialdemokratie ging wohl gestärkt aus dem Kampfe hervor, aber da deren Interessen zu einseitig sind, konnte sich Handel und Industrie damit nicht befreunden. Auf 4er anderen Seite schwoll die Menge der christlichsozialen und klerikal-agrarischen Abgeordneten an, so dass Handel und Industrie im neuen Vplkshause durch berufene Männer fast gar nicht vertreten sinxj. Ja selbst die deutsch-bürgerlichen Abgeordneten waren den Christlichsozialen untertänig und klammerten sich an deren Frackschösse, als ob bei ihnen das Heil für Oesterreich zu suchen sei. Dieser klerikal-agrarischen Majorität zuliebe, mussten die Lebensmittelpreise auf das Unerschwinglichste erhöht werden, ohne dass seitens der Regierung bisher Abhilfe geschaffen worden wäre. Welche Hoffnungen hatte man auf die Beendigung des österreichisch-ungarischen Ausgleichskrieges gesetzt? .... Unter solchen misslichen Verhältnissen aber hatte Alles zu leiden, der Börger wie der Arbeiter, der kleine Gewerbetreibende gieich dem grossen Fabriksbesitzer. &ber noch gegen ein anderes Uebel hatten Handel und Industrie im abgelaufenen Jahre «u kämpfen, und zwar mit der allgemeinen Geldknappheit. Gleich einer Sturmflut kam die Krise in Amerika dahergebraust und zerstörte unzählige Existenzen. Sie machte nicht halt vor dem Laden des kleinen Kaufmannes, sondern sie raste mit elementarer Gewalt immer weiter und weiter, bis selbst die grössten Industriellen ein Spielzeug ihres Willens waren. Der verteuerte Geldsatz, welcher an allen kontinentalen Börseplätzen Fuss fasste, brachte es mit sich, dass die Banken der Industrie und Kaufmannswelt den Kredit teils schmälern, teijs auch ganz entziehen mussten. Handel und Verkehr stockte und Alles erwartete mit Sehnsucht die Proklamierung eines billigeren Geldstandes. .t\'f Mit der Hoffnung auf eine bessere ZukHinft schloss das alte Jahr ab. Diesmal sollte die Hoffnung bald in Erfüllung gehen. Gleich dem Seemann, der nach Jangen Fahrteji „Land" ruft, haben auch hier die Finanzkapital das erlösende Wort .Billiges Geld ist in Sieht* gesprochen und damit einen weiten und mächtigen

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