Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung* Nr. 2 Deutsches Reich. Die Konferenz des zionistischen Aktionskomitees! Berlin, den 6 Jänner (Orig.-Korr.). Heute hat die Konferenz des grossen Aktionskomitees im Hotel Savoy begonnen. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des E. A. K.; 2. Palästinaamt; 3. Sc ekel: 4. Parteifonds; 5. Bildung neuer Förderationen : 6. Einberufung der Jahreskonferenz; 7. Eventualia. Die Konferenz ist von 30 Mitgliedern des Aktions- Komitees besucht. Die Sitzungen finden mit Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Sie entbehren auch des allgemeinen*! nteresses. Vorsitzender Wolffsohn hat lediglich angedeutet, dass in Konstantinopel Unterhandlungen fortgesetzt werden, sonst bewegt sich die Debatte hauptsächlich um Geldfragen : Parteisteuer, Schekel, Selbstbesteuerung u. s w. Zu Ehren der Konferenz finden zwei Bankette statt. Nordamerika. John Paley. New-York, Ende Dezember. (Orig.-Korr ) Vor einigen Tagen haben wir einen der bedeutendsten jüdischen Journalisten, den Chefredakteur des Yddisch- Tagblattes „Jewish Daily News" zur letzten Ruhe getragen. Kaum 37 Jahre alt, ist John Paley auf der Höhe seines Schaffens, als eine der populärsten Persönlichkeiten im jüdischen Leben New-Yorks, eines plötzlichen Todes gestorben. Wer den untersetzten, sympathischen, kräftigen Mann vor wenigen Monaten noch auf dem letzten Zionistenkongress im Haag gesehen hat, der hat sicher nicht geglaubt, dass er so schnell aus der Mitte der jüdischen Volksmassen, deren Interessen ausschliesslich seine schriftstellerische Tätigkeit gewidmet war, entrissen werden wird. Der Verstorbene war in Minsk (Russland) geboren, und kam im Alter von 19 Jahren nach Amerika. Er begann seine journalistische Oarriere als Redakteur des „ Volksadvokat" in New-York; dann kam er zur „ Jewish Press" nach Philadelphia, und wurde schliesslich Redakteur des „ Volks Wächter" in derselben Stadt. Mit 23 Jahren übernahm er die Chefredaktion de? gegenwärtig grössten jüdischen Tagblattes in New- York. Sein Tod lässt eine empfindliche Lücke unter den publizistischen Wortführern der jüdischen Massen zurück. GgMgiNDS^üN» VgRgiNSNWftRilWW Wien. In der ,.Jüdischen Toynbeehalle", XX. Othniargasse 46, wird am 16. d. Hof- und Gerichts- Advokat Dr. S. R. Landau über ,.Das jüdische Proletariat" sprechen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe). Einladung zu zu dem Dienstag, den 14. Jänner 1908, um 8 Uhr abends, im Saale Nr. 1 des .Hotel Post4, 1, Fleischmarkt 16, stattfindenden 1. Experimental- und Demonstrations-Vortrag über „Seide und Kunstseide14 von Herrn Siegfried Schnek. Für die Vereins- Leitung: Der Präsident Brod. Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiter- Verein „Poale Z i o n"). S o n nt ag, den 19. Januar 1908 findet im Festsaale des Oesterr. Ingenieur- und Architekten- Vereines, I., Eschenbachgasse 9, eine Matinee statt. Ihre freundliche Mitwirkung haben zugesagt: die Fräuleins Lia Rosen, Mitglied des k. k. Hofburgtheaters, Helene Oberländer, Mitglied der Volksoper, Rosa H o r o w i t z, Opernsängerin, sowie die Herren: Felix Saiten, Don Fuchs, Konzertsänger, Raoul R u b i k o v, Mitglied des Theaters und Kabarets Fledermaus u. a. m. Beginn 3 Uhr Nachmittag. Das Reinerträgnis fliesst dem Arbeitslosenfond zu. Karten ä 5.—, 3.—, 2 —, 150 und 1 Krone sind zu haben : Cafe Stefanie II., Stefaniestrasse 2, Cafe Brammer, IX„ Liechtensteinstrasse 1. Wien. (Brigittenauer Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein.) Dieser humanitäre Verein, der im ärmsten ßezirke Wiens seit Jahren seine segensreiche Tätigkeit entfaltet, hält seine diesjährige grosse Wo hltätigkeitsakademie zu Gunsten der Armen des XX. Bezirkes Samstag, den 11. Januar 1908, in den Sofiensälen ab. In liebenswürdigster Weise haben ihre bestimmte Mitwirkung bereits zugesagt die Damen: Gertrude Fo erste 1, k. k. Hofopernsängerin, Louise Kartousch, Mitglied des Theaters a. d. Wien; die Herren: Rudolf Hofbauer, Mitgl. d. Volksoper, Arnold Korff, k. k. Hofburgschauspieler, Josef Sulz er, k. k. Hofmusiker und Oskar Dachs, Klaviervirtuose. Nach den Vorträgen findet ein Tanzkränzchen statt. Für diese schöne Veranstaltung gibt sich in allen Kreisen das regste Interesse kund, und sind die wenigen noch vorhandenen Karten erhältlich bei der Vereinspräsidentin Frau Dr. Emilie Weiss und im Konzertbureau Albert J. G u 11 m a n n, I., Opernhaus. Czernowitz. In der am 29. Dezember v. J. abgehaltenen Generalversammlur g des jüd-nat. Vereines „Zion" bezw. der am 1. d. M. eifolgten Konstituirung des Ausschusses wurden gewählt die Herren: Redakteur Max Wender zum Obmann, Dr. Salomen Kinsbrunner zum Vizeobmann, Professor F. Brenner zum Schriftführer, Chaim Presser zum Kassier, Selig Wagschal zum Oekonom. Moritz Liquornik zum Zeitungsvtrweser. Dr. Chaim Kinsbrunner, Dr. Mayer Ebner, Apotheker F ii 11 en b a ii m, Dr. B i e r e r, Salomon Grossberg und Moses M tt n z e r ohne Funktion. Zu Revisoren wurden gewählt: Jakob Buchbinder, David Drimrr.ei; als Ersatzmänner: Doktor Max Diamant. Dr. Mendel Kinsbrunner Kopel Hamburger. :%US AUW WELtttiLEN „Zehn Millionen Juden zählt Russland!* So ruft verzweifelt das Warschauer „Slowo" aus. Diese Feststellung, die insoferne von besonderem Interesse ist, als nach Angaben des „Jewish Year- Book" Russland lediglich 5,100.000 Juden aufzuweisen hat, veranlasst das klerikal-konservative polnische Tagblatt zu Lamentationen über die Zukunft der Juden in Russland. Etwas müsse doch geschehen, mit einer Vernichtungs- oder Entrechtungspolitik könne man gegen zehn Millionen Menschen nicht aufkommen. Griechisch-katholische Juden. Dieser Tage erschien der Index zu dem stenographischen Protokoll der Sitzungen der zweiten Duma. Darin sind u. a. Angaben über die Mitglieder der zweiten Duma enthalten, die von den gewesenen Abgeordneten selbst herrühren. Dort lesen wir nun: „Hessen, Wladimir Matweje witsch, Jude, griechisc h-k a t h o 1 i s c h; Hessen, Jossif Wladimirowitsch, Jude, griechischkatholisch; Pergament, Ossip Jakowiewitsch, Russe, griechisch-katholisch" So verschieden wirkt die Taufe! Professor Dr. Baginsky in Berlin, der soeben zum geheimen Medizinalrat ernannt wurde, hat nicht den üblichen akademischen Entwicklungsgang durchgemacht, sondern seine ärztliche Laufbahn als einfacher Landarzt begonnen. Er ist am 22. Mai 1843 zu Ratibor geboren, bezog 1-861 die Universität Berlin, ging auf ein Jahr nach Wien und kehrte dann wieder nach Berlin zurück. Während seiner Studienzeit trat er besonders Virchow und Traube näher. 1866 erwarb er mit einer Arbeit über die Umstände, tinter denen nach Kaiserschnitt der Tod eintritt, die medizinische Doktorwürde, dann war er als Choleraarzt tätig, 1867 bestand er die ärztliche Staatsprüfung und Hess sich bald darauf in Seehausen bei Magdeburg als Arzt nieder. Während des Krieges 1870-71 war er Vorsteher eines Reservelazaretts in Nordhausen und Ettapenarzt. Ein Jahr nach Friedensschluss siedelte er nach Berlin über und widmete sich von nun an der Kinderheilkunde. Er gründete eine Poliklinik für Kinderkrankheiten, aus der eine grosse Zahl nachmals berühmter Kinderärzte hervorgegangen ist. 1882 wurde er als Privatdozent bei der Berliner Universität zugelassen, 1891 wurde er ausserordentlicher Professor. Prof. Baginsky ist Mitglied des Berliner Ku ltu s vorstan d es.