Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2 Während der Belagerung von Malghera entfernte sich Gemeiner Moritz Majek des 54. Inft.-Rgmts. am 27. Mai 1849 mit noch einem Kameraden von seiner Abteilung und drang im heftigsten Feuer in die Sternschanze von Campalto ein, welche der Feind eben in eiligster Flucht verliess. Die beiden Soldaten gelangten in das Innere, stellten das vernagelte Geschütz wieder her und feuerten 45 Schüsse auf den Gegner, wodurch sie ihn zwangen, auch das Fort St. Giuliano zu räumen. Dem Gemeinen Majek heftete Marschall Radetzky eigenhändig die goldene Tapferkeits-Medaille und das preussische Ehrenkreuz an; sein wackerer Kamerad erhielt die silberne Tapferkeits-Medaille II. Klasse. Unter den Soldaten, welche das erwähnte Fort St. Giuliano eroberten, befand sich auch Gemeiner Benedikt D r e y s e i 11. Er gehörte zu den Freiwilligen, welche teils schwimmend, teils auf dem Flosse ins Fort kamen. Sie eilten zu den Geschützen, wendeten sie gegen Venedig und feuerten sie ab. Beim dritten Schusse explodierte eine Mine und mit einem Donnerschlag flog das Fort in die Luft. Gemeiner Dreyseitl wurde in den Schlamm geschleudert und kam als einer von Wenigen mit dem Leben davon. Ein eigener Glücksstern waltete über diesem Dreyseitl; er be.'and sich später, am 4. Juni, beim Angriffe auf Brondolo aut Vorposten in den Dünen. Der Posten wurde vom Fort Ca Lino öfters durch Kanonenschüsse beunruhigt. Es war sehr heiss und Dreyseitl, am Hauptposten hinter einer Sandwelle verborgen auf dem Bauch liegend, eingeschlafen, als eine ganz matte Kanonenkugel ihm über den Rücken lief, ohne ihm mehr als eine leichte Kontusion zu verursachen. (Geschichte des Inft.-Rgmts. Nr. 54.) Es ist zweifellos, dass Dreyseitl für sein freiwilliges Schwimmstücklein eine Auszeichnung erhielt, obwohl die Chronik hierüber nichts erwähnt. Sehr bemerkenswert ist folgende Urkunde: Tapferkeits-Zeugnis. Dem Korporal Gabriel Gruber der 12. Kompagnie von Grossfürst Michael wird bei Pflicht und Ehre bestätigt, bei Einführung der 24pfündigen und 18pfündigen Kanonen in die Batterie Nr. 22 in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli durch grossen Eifer, Unerschrockenheit und Lebensverachtung sich besonders hervorgetan zu haben, deshalb auch im Korps-Befehl vom 30. Juli belobt worden zu sein. Venedig, am 28. August 1849. Harnischer m. p. Hauptmann. Auf Grund dieses Tapferkeits-Zeugnisses erhielt Gruber die silberne Tapferkeits -Medaille II. Klasse. (Inft.-Rgmt. Nr. 37, Bd. IL, Seite 949.) Diesen Beispielen der Tapferkeit jüdischer Soldaten möchte ich nur noch folgendes „Kuriosum" beifügen: Im Jahre 1851 fand sich Papst Pius IX. bewogen, in Anerkennung der Bemühungen und Leistungen zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe und Ausrottung der Räuberbanden in den Legationen, an Offiziere und Mannschaft der österreichischen Truppen Orden zu verleihen. Von den ausgezeichnet jüdischen Soldaten nenne ich hier nur den Gemeinen Samuel Klein des 52. Inft.-Rgmts., der die päpstliche silberne Medaille erhielt. lßax Dordau über die „Jto". London, Anfangs Jänner. Der hiesige „Jewish Chronicle", ein zionistisches Parteiorgan, veröffentlicht eine Unterredung seines Pariser Korrespondenten mit Max N o r d a u anlässlich der jüngsten Rede Zangwills in Manchester. Diese Unterredung wirft noch mehr als alle bisherige Aeusserungen, ein klares Licht auf die Stellung Nordaus gegenüber dem Zionismus und^Itoismus. Wir entnehmen daher dem Interview die markantesten Stellen, während wir alles andere, nicht streng zur Sache Gehörige, übergehen. — Haben Sie Herrn Zangwills letzte Rede gelesen? — begann der Interviewer. — „Ich las sie mit derselben Aufmerksamkeit", antwortete Dr. Nordau, „die ich jeder Aeusserung meines Freundes Z a n g w i 11 entgegenbringe. Zuerst kam es mir sehr sonderbar vor, Juden zu veranlassen, sich in einem Lande niederzulassen, wo die armen Juden bereits heruntergehetzt sind und das sie zu Tausenden verlassen, weil sie Spanien noch günstiger finden. Aber bei reiferer Ueberlegung kam ich zu dem Schlüsse, dass ich mit meinem Urteil nicht zu rasch sein dürfe. Es ist klar, dass Marokko in Zangwills Munde etwas anderes bedeutet, als was Politiker und Geographen gewohnheitsmässig Marokko nennen." — Sie nehmen an, Zangwill habe seine Gründe, nicht ausführlicher zu sein? — „Entschieden! Ein Mann mit Zangwills Talenten, seinem tiefen Ernste und seinen edlen Absichten, ein Mann, der so selbstlos und mit so schweren Opfern für sein Volk arbeitet, hat das Recht, für alles, was er tut und sagt, Vertrauen zu beanspruchen. Ich glaube, dass er mehr weiss, als er zu sagen geneigt ist. Wenn sich die Sache so verhält, ist es für mich schwer, mir eine Meinung über seinen Plan zu bilden. Er wird es am besten wissen, wann die Zeit gekommen ist, mehr zu sagen." Ist Platz in Marokko? — Vorausgesetzt, das Territorium läge in Marokko selbst. Was würden Sie von dem Plane halten? — „Wenn ich annehmen sollte, dass Marokko wirklich das Sherifs-Kaiserreich bedeutet, dann müsste ich sagen, dass dort kein Platz für noch mehr Juden ist und es wäre nicht weise, Juden zu veranlassen, dorthin zu gehen. Eine organisierte Einwanderung von Juden würde von den mohamedanischen Eingeborenen mit denselben Gefühlen empfangen werden, wie ungefähr ein Gutsbesitzer die Nachricht von der Zuführung einer weiteren Anzahl Hasen, Kaninchen und Fasanen in sein Jagdgebiet aufnehmen würde." — Zangwill deutet die Aussicht an, ein Gebiet zu erlangen, das tatsächlich niemandem gehört. Gibt es ein solches Territorium in Nordafrika? — „In Afrika sind nur dreierlei Territorien: Erstens gibt es Territorien, welche von europäischen Mächten regiert werden. In solchen Ländern mag wohl Raum für Einwanderer vorhanden sein, aber keine Möglichkeit, autonome Rechte zü erwerben. Mehr als ein gewisses Mass von Freiheit, das ausreicht, um einer neuen Kolonie das Gedeihen zu sichern, könnte nicht erhofft werden. Dann gibt es mehr oder weniger unabhängige einheimische Länder. Diese Gebiete sind meist von sogenannten inferioren Rassen bewohnt, Rassen auf niedriger Kulturstufe, und solche Rassen würden nur Eroberern Platz machen — nicht einem Volke, das bemüht wäre, unter ihnen zu leben und freundliche Verbindungen mit ihnen zu unterhalten. Endlich gibt es noch einen kleinen Teil Afrikas, der weder europäisches Eigentum noch von eingeborenen Stämmen bewohnt ist, also tatsächlich ein Land, das niemandem gehört, in dem Sinne, dass keine Menschen dort sind. Es ist entweder wegen Wassermangel oder seiner Krankheiten halber unbewohnbar. Ich weiss nicht