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Neue Nationalzeitung · 1908-01-10 · Heft 2 (10.1.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 2 genau, in welche dieser drei Kategorien es möglich wäre, eine grosse Anzahl Juden einzuführen . .. Das einzige annehmbare Gebiet, das man ins Auge fassen könnte, wäre Adrar, welches ziemlich dünn bevölkert ist und Platz genug für eine ansehnliche Zahl von Juden enthält. Es ist vom Herzen Marokkos weit genug entfernt, um nicht unter dem unmittelbaren Einfluss des Maghzen zu stehen oder von einfallenden Stämmen beunruhigt zu werden. Aber das ist natürlich alles nur Mutmassung, die ohne Interesse ist." Das Land der Zuflucht. — Aber es würde viel Zeit beansprucher., eine solche Ansiedlung zu errichten. Und war nicht der angebliche bisherige Misserlolg der zionistischen Bewegung und die Notwendigkeit, sofort ein „ Nachtasyl" zu errichten, die eigentliche „raison d'etre* der Ito? — „Damit berühren Sie das allgemeine Problem der Kolonisierung in einem neuen Lande. Ist es möglich, eine grosse Anzahl unvorbereiteter Leute aut einen ausgesprochen wüsten Boden zu stellen, wo erst alles geschaffen werden muss? Es ist dies dasselbe Problem, wie wenn dieses Gebiet wirklich ein Land wäre, das niemandem gehört oder nur ein unbesiedelter Teil einer europäischen Provinz. Häfen und Strassen sind die ersten Notwendigkeiten, damit die Leute mit Waren versorgt werden können, bis das Pionierwerk vollendet ist. Ich habe Zangwill niemals für einen Toren gehalten. Er würde nicht daran denken, Tausende von Leuten in ein Land zu locken, in welches Unterstützungen zu befördern keine Möglichkeit besteht.1' — Aber könnte ein solches Land, wenn man es auch bekäme, als Zufluchtsort betrachtet werden? — „Ein Mensch, der vor der Verfolgung und unmittelbaren Todesgefahr entflieht, hat alles zu gewinnen, wenn er aut ein oder zwei Jahre in ein absolut unbewohntes Land geht. Es wird nur notwendig sein, ihm während eines oder zweier Jahre, bis er sich selbst fortbringen kann, zu helfen. Das ist eine Geld- und Organisationsfrage." Die Ito und der Zionismus. — Glauben Sie, dass es den Zionisten möglich gewesen wäre, die Aufgabe auszuführen, welcher Zangwill seine Aufmerksamkeit zugewendet hat? — „Der Zionismus ist ein weiterer Begriff und mehr eine Frage moralischer Natur. Der Zweck des Itoismus besteht darin, für die dringenden materiellen Bedürfnisse jener aufzukommen, die aus einem Lande vertrieben und in einem anderen Lande nicht aufgenommen wurden." — Man hat gesagt, dass die Ito-Kolonisation den Kern der ersten palästinischen Ansiedlung unter zionistischer Flagge bilden würde. Halten Sie es für wahrscheinlich, dass Leute, welche mit eigener Kraft eine Kolonie aufgebaut haben, sie zu Gunsten Palästinas verlassen würden? — „Ich bin ganz sicher, dass sich Zangwill heftig dagegen verwahren würde, etwas derartiges im Auge gehabt zu haben. Ein Mann, der mit seinem Pflug neuen Boden erschloss, der eine Kultur geschaffen hat, Häuser erbaute und ein politisches System aufstellte, wird alldies niemals verlassen. Die Beziehungen zwischen Itoland und Zion werden anderer Art sein. Durch die Schaffung einer gesicherten und gut gestellten Judenschaft wird geholfen, moralisch hochstehende Juden heranzubilden, Juden mit mannigfaltigen Kenntnissen; und das schliesst das Erwachen höherer Ideale in sich, welche unter den Unsauberen urvl elenden Verhältnissen, in denen die Juden zu leben gezwungen gewesen wären, wenn kein Itoland existierte, nicht gedeihen können. Solche Juden werden in jüdischer Umgebung erzogen und dnrch jüdische Gefühle angefeuert und daher fähig sein, für die Schaffung einer historischen Heimat für andere Juden Opfer zu bringen. Ich will ein aktuelles Beispiel anführen: Die englischen Juden mit Lord Rothschild an der Spitze und der Hilfsverein der deutschen Juden, Leute, die nicht daran denken, ihre Heimat zu verlassen und welche über die Idee des jüdischen Nationalismus spöttisch lächeln, machen ihren Reichtum jüdischen Zwecken nutzbar, weil sie jüdische Flerzen haben. Die Ito-Ansiedler würden jüngere Söhne hervorbringen, welche der Pionierarbeit in Palästina und dem Aufbau einer jüdisch-politischen Gemeinschaft nützlich sein könnten." — Sie erblicken keine Gefahr in der Konkurrenz zwischen den beiden Bewegungen? — „Ich glaube überhaupt nicht, dass eine Konkurrenz existiert. Es ist ein Fehler, das anzunehmen/' — Wäre es nicht besser, wenn es nur eine Bewegung gäbe, damit es möglich gewesen wäre, die Hilfsquellen teilweise für die dringenden Bedürfnisse und teilweise ausgesprochen zionistischen Zwecken zu verwenden? — „Ich glaube nicht. Unsere Quellen sind sogar für die politische Arbeit, die wir zu leisten haben, unzulänglich. Wir beabsichtigten niemals einen Heller zionistischen Geldes dem ostafrikanischen Plane zu weihen, sondern nur, es einer anderen jüdischen Organisation einzuhändigen." Das Menschenmaterial. — Glauben Sie, dass die Ito geeignetes Menschenmaterial für ihre Zwecke finden wird? — „Ich glaube, dass Tausende Juden existieren, welche der Verzweiflung preisgegeben sind und die bereit wären, überall hinzugehen, wo sie nur die leisesten Aussichten haben, glücklich zu leben. Die Leute werden nicht gehen, wenn man ihnen erzählt, dass sie nur gebraucht werden, um ein Feld zu bebauen. Aber wenn man ihnen sagt, dass sie sich wohl eine Zeitlang durchschlagen müssen, aber später, wenn nicht Ueberfluss, so doch in jedem Falle ein Auskommen erlangen, so werden sie bereitwillig genug sein, zu gehen. Menschen, die die Gefahren der Eisfelder von Alaska überwanden, um nach Klondyke auf die Goldsuche zu gehen, werden sicher bereit sein, sich geringeren Gefahren auszusetzen, um eine Heimat zu gründen. Es wäre nicht vernünftig, Kriegführung mit einer europäischen Macht anzuraten, um unseren Zufluchtsort zu gewinnen, aber 400 ordentlich bewaffnete Juden könnten mehr ausrichten als 500 oder 600 schlecht ausgestattete Wilde. Die jüdische Selbstverteidigungs-Miliz in Russland bewies, dass wir noch immer streitbares Material haben, welches der Makkabäer nicht unwürdig ist. Die Rasse, die einen Emin Pascha hervorbrachte, sollte sich vor den Gefahren, welche die Erschliessung eines neuen Landes mit sich bringt, nicht fürchten." — Glauben Sie, dass der Erfolg oder Misserfolg des Itoplanes im stände sein könnte, die zionistischen Aussichten zu beeinflussen? — „Ganz bedeutend. Ein Misserfolg der Ito wäre auch für den Zionismus nachteilig, andererseits würde ihr Erfolg einen schätzbaren Beweis für unsere Organisationsfähigkeit erbringen — und das hätte einen grossen moralischen Wert."

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