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Neue Nationalzeitung · 1908-01-10 · Heft 2 (10.1.1908) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ,.Neue Nafcional-Zeifcung" Nr. 2 Mit beiden Anträgen hat sie Fragen angeschnitten, welche die weitesten Volksschichten aufs tiefste bewegen. Sie hat damit bewiesen, dass sie jederzeit auf der Warte der Volksinteressen steht. Sind denn die Dringlichkeitsanträge ein Privilegium der Sozialdemokraten? Hätte denn nicht auch der „ Jüdische Klub" genug Anlass zu Dringlichkeits- Anträgen? Wir erwähnen bloss die Misshandlung jüdischer Soldaten, den Boykott jüdischer Militärärzte und die schwere Belästigung der jüdischen Wähler in Galizien wegen ihrer Abstimmung! Warum wurde kein Antrag auf Eröffnung der Diskussion gestellt, als der Landesverteidigungsminister zwar die Ermordung des jüdischen Rekruten Herschkouitz zugab, aher die Frage der Misshandlung jüdischer Soldaten ganz bei Seite liess? Wir greifen diese wenigen Fälle heraus, nicht aus Lust zur Kritik, sondern im Interesse der uns teueren Volkssache. Wir übersehen nicht das grosse Uebel, an dem der Klub leidet: seine geringe Mitgliederanzahl. Das kann aber höchstens den Umfang der Arbeit beeinträchtigen, nicht aber deren Intensität. Der ^Jüdische Klub" muss im Parlamente stets hervorzutreten wissen, und ist auch die Arbeit des Einzelnen übeigross, dann erwartet ihn umso grössere Anerkennung. Auf den »Jüdischen Klub" sind die Augen der ganzen österreichisclien Judenschaft gerichtet. Selbst Assimilanten schielen verstohlen hinüber, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Der „Jüdische Klub" hat eine grosse Mission zu erfüllen. Er hat durch seine Existenz nicht bloss zu beweisen, dass ein jüdischer Klub möglich wurde, sondern auch, dass er notwendig ist. Und darum wird er nicht bloss auf die Lobhudeleien seiner Anbeter, sondern auch auf die kritischen Ratschläge seiner Freunde hören müssen. L. MORITZ FRÜHLING.*) Die jüdischen Radetzky-Soldaten, (Schluss ) Heiss brannte die Sonne am 23. Juli 1848, am Tage der Schlacht von Sommacampagna. „Beim Angriffe auf Sta. Giustina erstürmte Feldwebel Ignaz Ziffer ein vom Feinde besetztes Haus und verdrängte die feindlichen Tirailleurs." In knappen Worten registriert die Regimentschronik diese Tat, die jedoch zu den hervorragendsten zu zählen scheint, zumal Ziffer mit der goldenen Tapferkeits-Medaille und dem kaiserlich russischen St. Georgs-Orden V. Klasse dekoriert wurde. Der Korporal Feiwel Feuer mann legte grösste Entschlossenheit an den Tag und hatte rühmlichen Anteil beim Sturme auf Sorna, als im heftigsten Kreuzfeuer zwei vom Feinde besetzte Häuser gestürmt und die am Kamm der Höhe stehen gebliebenen feindlichen Tirailleurs gezwungen wurden, dieselben zu verlassen. Feuermann erhielt als Lohn die silberne Tapferkeits-Medaille II. Klasse. Auch Gemeiner Jakob S o b e 1 erkämpfte sich dieselbe Auszeichnung, indem er unter Kommando des Kadetten Bernhard St ern mit noch 7 Mann die Höhen von Sta. Giustina erstürmte und IG Gefangene machte. *) Der geehrte Verfasser hat sich entschlossen, hiemit seine hochinteressanten Aufsätze Uber die jüdischen Radetzky-Soldaten zu schliessen, um sich sein restliches Material für das Sammelwerk zu reservieren. (Anm. d. Red.) Alle diese Braven waren Regimentsbrüder im galizischen 56. Infanterie-Regiment. Gelegentlich des Rückzuges der 6. Kompagnie des 30. Inft.-Rgmts. deckte Gemeiner Chiel Bohrer seine Kompagnie mit dem Gemeinen J. Moor solange, bis sich dieselbe 300—350 Schritte nach iückwärts, also aus dem wirksamsten Feuerbereiche konzentriert hatte. Mit Bajonett und Kolben verteidigten ich diese braven Soldaten gegen die Uebermacht und als sie umgangen und von allen Seiten eingeschlossen waren, brachen sie sich mit dem Bajonette Bahn, wobei Gemeiner Moor tötlich verwundet wurde. Bohrer erhielt die silberne Tapferkeits-Medaille II. Klasse. Im Gefechte bei Volta, am 26. Juli, nahm Vize- Gefreiter Markus Mayer mit noch 5 Mann bei der Erstürmung eines Hauses einen feindlichen Stabsoffizier und 12 Mann gefangen; derselbe hat sich überdies bei den vorangegangenen Gefechten durch Mut und Aneiferung so verdient gemacht, dass er durch einstimmiges Votum seiner Kriegskameraden mit der vom Triester Bürger Ambrogio Ralli „für den tapfersten Mann des Regimentes Kinsk}7'' gespendeten goldenen Zylinder-Uhr beteilt wurde. Mayer wurde mit der goldenen Tapfe rkeits- Medaille dekoriert. (Geschichte des Infanterie-Regiments Nr. 47.) Leider war es ihm nicht beschieden, diese seltene Auszeichung lange zu tragen. Er erlag schon am 30. April 1849 seinen in den späteren Kämpfen erhaltenen Verwundungen. Der Gemeine'Elias Deutsch des 52. Inft.-Rgmts, focht stets in unmittelbarer Nähe seines Hauptmannes auf den äussersten und am meisten ausgesetzten Punkten der Aufstellung. Bei dem letzten Sturme stürzte er sich — der Erste — in die feindliche Masse, und gerade durch seine Kühnheit wurde viel zur Erschütterung und Vertreibung des Feindes beigetragen. Deutsch erhielt die silberne Tapferkeits -Medaille I. Klasse. König Karl Albert von Sardinien kündigte, gedrängt durch die italienische Revolutions-Partei, am 12. März 1849 Oesterreich den Waffenstillstand und bei Novara am 23. März begann der neuerliche Schlachtenreigen. Es erkämpften sich an diesem ewig denkwürdigen Tage Feldwebel Samuel Daubner des 33. Inft.-Rgmts. die goldene Tapferkeits-Medaille; Feldwebel Bernhard Metz des 53. Inft.-Rgmts. die gleiche Medaille und das königlich preussischeEhrenzeichen erster Klasse; Gemeiner Markus T e i c h n e r erhielt fünfzig Dukaten als Belohnung; Gefreiter Jakob Rath und Korporal Samuel Löwenberger die silberne Tapferkeits-Medaille I. Klasse; Gemeiner Elias Friedmann, die Korporale Samuel Szabö und Hermann Ungar die zweiter Klasse. „Wegen hervorragender Tapferkeit in der Schlacht von Novara" heisst es kurz im Armee-Befehle vom 28. März 1849. Bei den Korporalen Ignaz Pfeifer, Josef Guttmann, beim Gemeinen Simon Duch wird angegeben, „dass sie bei allen Stürmen diejenigen waren, welche sich durch hervorleuchtenden Mut und Tapferkeit am vorteilhaftesten bemerkbar machten". Sie, wie auch Tambour Samuel Fischblatt, Korporale Menas?e Bier er und Michael Salomon erhielten „für die in dieser Schlacht bewiesene Tapferkeit und Kühnheit sowie Kaltblütigkeit und Ausdauer" mit Armee-Befehl die öffentliche Belobung. Feldwebel Josef Kraus des 35. Inft.-Rgmts. verdiente sich wieder seine silberne Tapferkeit s- Medaillell. Klasse dadurch, dass er trotz des heftigsten feindlichen Feuers immer vorwärts drang und durch sein musterhaftes Beispiel die Mannschaft seiner ganzen Kompagnie aneiferte.

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