Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425724--0563-2426855- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 ,Neue National-Zeitung* Nr. 1 ,.Das ist die Meinung, welche auszusprechen ich durch die siebente Sektion beauftragt worden bin. Nachdem jedoch diese Sektion einerseits erkannte, dass sie im Augenblicke keine Hoffnung habe, diese Meinung zur Geltung zu bringen, sowie anderseits vielleicht auch hie und da gesagt werden könnte, es würde durch Herbeiführung einer Diskussion über diesen Antrag die Proklamierung der Gleichberechtigung der Israeliten eine Verzögerung erleiden, so bin ich zugleich ermächtigt worden, zu erklären, dass aus der erwähnten Rücksicht die siebente Sektion auch ihrerseits die vom Zentralausschusse vorgeschlagene Fassung akzeptiere. Nachdem auf diese Weise der' Entwurf entfällt, als ob durch den Separater trag der siebenten Sektion die Lösung der brennendsten Frage, nämlich die Gleichberechtigung der Israeliten, verzögert werden könnte, rechnet die Sektion darauf, dass sich auch ihr Antrag seinerzeit der Unterstützung des hohen Hauses zu erfreuen haben werde." In der Spezialdebatte berief sich Siegmund Bernat auf eine Interpellation Franz I) e ä k's, der seinerzeit erklärte, man müsse erst die Israeliten zuLandesbürgern machen und dann die Emanzipation aussprechen, und stellt den Autrag, das Wort. Einwohner " im Gesetzentwürfe durch „Landesbün er zu ersetzen. Das Gesetz wurde auch in der Spezialdebatte mit den von der Zentralkommission vorgeschlagenen Textänderungen einstimmig angenommen/ Das Magnatenhaus hat dem Gesetzentwurfe, wie er aus der Fassung des Unterhauses hervorging, zugestimmt. V'on der ßischofsbank ertönten die lautesten Rufe der Zustimmung, als Graf C z i r ä k y und Graf Szecsen erklärten, man dürfe den Juden ihr gutes Recht nicht länger vorenthalten. Bei der Abstimmung befand sich unter jenen vier Magnaten, die mit , Nein' stimmten, kein einziges Mitglied des Episkopats. Frankreich. Zur Hungersnot in Jerusalem. Paris. Gegenüber den Alarm - Nachrichten aus Jerusalem, die nach allen Weltrichtungen hinausgehen und um Unterstützung liehen, werden der ADiance Israelite Universelle aus Jerusalem folgende Einzelheiten geschrieben: „Die verschiedenen hiesigen Gemeinden haben nach amtlich bestätigten Angaben 500C) frs. für Depeschen ausgegeben, die sie nach allen Weltgegenden verschickt haben, um Unterstützungen zu erbitten. Durch amerikanische Postanweisungen allein sind während einer einzigen Woche auf diese Hilferufe hin von der französischen Post 30.000 frs. an die Kolelim ausgezahlt worden. Die notleidende Menge aber hat davon auch noch nicht einen Centime erhalten. — Die Magazine der Alliance Israelite Universelle sind tür die ganze Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession geöffnet. Der griechische Patriarch und hervorragende Moslim haben dafür ihren Dank ausgesprochen. Mehl wird aus unseren Magazinen zu sehr niedrigem Preise verkauft. Die Vorräte werden aus Marseille, Triebt, Odessa, Adana und Alexandrien fortwährend erneuert. Diese Organisation der Armenpflege durch die Alliance Israelite Universelle ist die beste, um den hier herrschenden Zuständen zu begegnen und das Elend der Enterbten zu lindern." Die Jewish Golonization Association hat zur Verteilung von Nahrungsmitteln zunächst 50.000 frs. angewiesen, 3000 frs. hat Baron Rothschild für denselben Zweck gespendet. Holland. A. A. de Pinto. Amsterdam. Einer der angesehensten Juden Hollands, der noch vor wenigen Monaten als Vorsitzender des Ehren-Komites den Zionistenkongress im Haag mit einer begeisterten Rede begrüsst hat, Herr A. A. de Pinto, ist am 23. Dezember im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verstorbene bekleidete zuletzt das Amt eines Vize-Präsidenten des höchsten holländischen Gerichtshofes (Hooge Raad). Am 27. Oktober Oktober im Haag geboren, promovierte er mit 24 Jahren an der Leydener Universität zum Doktor juris. Kurze Zeit war er als Advokat im Haag tätig und wurde dann im Jahre J8f>2 als Ohef der Abteilung für Gesetzentwürfe in das Justizministerium berufen. Zu den wichtigsten Entwürfen, die durch seine Initiative in Be* arbeitung genommen wurden, gehört das spätere Gesetz vom 17. September 1890 über die Abschaffung der Todesstrafe in Holland. De Pinto war auch eifriges Mitglied und Schriftführer der Kommission zur Aus-, arbeitung des holländischen Strafgesetzbuches, das 1886 eingeführt wurde. Das ihm mehrmals angebotene Portefeuille als Justizminister hat er stets abgelehnt. Im Jahre 187G wurde er Mitglied des hohen Rates, 1877 der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Seine Publikationen auf juristischem Gebiete sind sehr zahlreich. Jahrelang war er Chefredakteur der ersten holländischen juristischen Zeitschrift „Weekblad van het Recht." Aber nicht nur auf juristischem Gebiete hat de Pinto sich ausgezeichnet; auch als Mitglied der jüdischen (portugiesischen) Gemeinde im Haag verdient er Anerkennung. Im Vorstande zahlreicher jüdischer Vereine hat er viel zum Wohle der Juden gearbeitet. Auf Wunsch des Entschlafenen war die Beerdigung, die am Donnerstage den 26. Dezember, stattfand, so einfach wie möglich. ^US ALLEN WELtKiLCN Den Nobelpreis hat ein aus Strelno in Posen nach Amerika eingewanderter Jude erhalten: Professor der Physik Albert Abraham Michelson in Chicago. Er hat hauptsächlich auf dem Gebiete der Oj)fcik und besonders der Interferenz des Lichtes gearbeitet. Seine wichtigste Erfindung ist das sogenannte Stufenspektroskop, ein Apparat, der das Licht sehr weitgehend pektral zerlegt. Berühmt ist auch sein Versuch, den Einfluss, der Erdbewegung auf die Fortpflanzung des Lichtes festzustellen, der freilich nur einen negativen Erfolg hatte. Michelson ist Mitglied der Akademien zu London und Paris: er hat auch vor einigen Jahren die grosse Rumfotd-Medaille erhalten. Die Schokoladenfabrik Stollwerk — antisemitisch. Das .Israelitische Gemeindeblatt" veröffenttlicht folgendes Schreiben, das ein Kaufmann in Köln auf seine Meldung für einen Reisenden-Posten von der Schokoladenfabrik Gebrüder Stollwerk erhalten hat. Köln, den 26. Nov. 1907. Wir besitzen Ihre gefl. Zuschrifc von gestern und danken für Ihre erneute Anstellung. "Wir müssen indessen bemerken, dass Sie für uns doch noch nicht genügend Erfahrungen haben würden: ausserdem beschäftigen wir prinzipiell nur Reisende christlicher Konfession. Diese Schokoladenfabrik hat in Wien eine grosse Niederlage am Hohen Markt im I. Bezirke. Man hat bisher davon nichts gehört, dass sie an Juden nicht verkaufen würde. Ein jüdisches Gymnasium. Die Gesellschaft der. jüdischen kommerziellen Agenten in Odessa hatte sich mit einem Gesuch an das Ministerium der Volksaufklärung gewandt, ihnen in Odessa die Eröffnung eines Privatgymnasiums für jüdische Kinder zu gestatten. Die Kanzlei des Kurators des Odessaer Lehrbezirkes benachrichtigte nun die erwähnte Gesellschaft, dass ihrem Gesuche Folge gegeben worden sei. . Die Gesellschaft wird ein achtklassiges Gymnasium für Kinder jüdischer Eltern eröffnen. In den unteren Klassen dieses Gyrrnasiums wird das Schulgeld nur 40 Rubel für das Jahr betragen. Unterhalten wird die Schule von der Gesellschaft.