Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 1 Jänner auf die ihnen angewiesene Remuneration warten; kein Mensen, weder die Gemeinde noch der Staat, fragte danach, wie sie bis dahin ihr armseliges Leben tristen sollten. Von einer AU eis Versorgung, von einer Steigerang ihres Gehaltes in Quinquennien, war keine Red i. Ist es zu verwandern, dass sich oft die Fähigsten von einem Berufe abwandten, der nur Mühe und Plage, aber keinen entsprechenden Lohn brachte? Und wir verstehen es auch, dass gar mancher unter diesen Lebrpersonen in eine, oft gar nicht achtenswerte, aber leicht begreifliche Abhängigkeit geriet, die den Unterricht nur ungünstig beeinflussen konnte. So war die Lage der jüdischen Religionslehrer an unseren Mittelschulen nicht nur in Mähren, sondern auch in der ganzen Monarchie. Sie führten den erhebenden Titel „Nebenlehrer" und dies Wort spricht Bände. Das Ende des vorigen Jahrhunderts hat nun auch in dieser Richtung Wandel geschaffen. Zwei Faktoren waren es, die hier zusammenwirkten: Der Segen der Organisation und, dies kann nicht genug betont werden, das Entgegenkommen des Ministeriums und insbesondere das des damaligen Unterrichtsministers Härtel. Einige mutige Minner unter den jüdischen Religionslehrern 0 sterreiehs schlössen sich zusammen und bildeten den Verband der jüdischen Religionslehrer an unseren Mittelschulen. Rastlos wurde in diesem Verband an der sozialen Besserung der Lage der jüdischen .Religionslehrer gearbeitet. Wir betonen es noch einmal: Alle jene Faktoren, deren Sorge es doch am meisten hätte sein sollen, dass die Lehrer der jüdischen Religion ein menschenwürdiges Dasein führen, Hessen uns, bei dem allbekannten Indifferenti?mus für jüdische Angelegenheiten, wie er nun schon bei uns gang und gäbe ist, im Stiche, wir selbst haben uns unsere Stellung erkämpft und errungen und dankbar gedenken wir auch der leitenden Männer in unserem Unterrichtsministerium, an deren Spitze Hofrat Huemer, die uns im Kampfe für unser Recht unterstützten. Es war am Ende des Jahres 1890, da geschah in Oesterreich etwas, woran man im Jahre 1867 gewiss nicht gedacht hätte: es wurden Religionslehrerstellen an den österreichischen Mittelsschulen systemisiert, die betreffenden Lehrer erhielten Quinquennien, es wurden ihnen aus der früheren Lehrzeit Jahre für die Altersversorgung eingerechnet und wir geben uns jetzt der begründeten Hoffnung hin, dass auch nach dem neuen Gesetze vom Februar 190G noch weitere Lehrjahre ihnen angerechnet werden. Wahrlich, ein schöner Schritt auf der Bahn der Gleichberechtigung, die durch die Staatsgrundgesetze verbürgt wird. Viele Religionslehror, die infolge der geringeren Stundanzahl nicht systemisiert werden konnten, erhielten wenigstens den Titel .Professor", der sicherlich besser klingt, als der Titel „Nebenlehrer", Stremayersehen Angedenkens. Der Nebenlehrertitel ist überhaupt, soweit er den jüdischen Religionslehrer betrißt, heute ausgemerzt, man hat auch diese Lehrkräfte in den Status der „Lehrer* aufgenommen. — Natürlich i.-t auch jetzt noch viel für die jüdischen Religionslehrer zu tun. Es i-t dafür zu sorgen, dass auch diejenigen, welche nicht in der gesetzlichen Stundenzahl unterrichten, eine Erhöhung ihrer Remuneration nach einem bestimmten Schema erhalten und auf eine gewisse Altersversorgung rechnen können. Was wir aber als besonders wichtig für einen gedeihlichen Unterricht, sowohl in den Mittelschulen als auch in den Volks- und Bürgerschulen betrachten, ist: Völlige Unabhängigkeit der Lehrpersonen nach rechts und links zu schaffen. Hier wäre ins-!».»*ond re das Kapitel „Inspektion des Religionsunterrichtes* in Erwägung zu ziehen. Wir sind überzeugt, dass eine solche Inspektion notwendigist. Aber der Inspektor lasse sich von nichts anderem in seiner Tätigkeit leiten, als von der Sache, die er zu vertreten hat. Sehr wichtig sind auch die Inspektionskonferenzen, namentlich in Städten, in denen viele Religionslehrer tatig sind. Hier soll alles besprochen werden, was für das Gedeihen des Religionsunterrichtes notwendig ist, pädagogische, didaktische und disziplinare Fragen, Fragen des Unterrichtes und des Gottesdienstes für die Jugend. Und nun kommen wir zu einer Angelegenheit, welche die Personen der Lehrer selbst betrifft, es ist ihre Vorbildung. An Mittelschulen möge nur derjenige unterrichten, der eine Universität besucht hat. Sein Wissen im Hebräischen, in der Geschichte, Liturgie und dem Ritus unseres Judentums vorausgesetzt, verlangen wir von jedem Religionslehrer an unseren Mittelschulen: Allgemeine Bildung und Fähigkeit, die Jugend durch freie religiöse Vorträge in der Schule und in der Synagoge belehren und begeistern zu können. Der jüdische Religionslehrer muss auch ein tüchtiger Exhortant sein. (Wir vermeiden absichtlich das Wort „Prediger" ) Seine Reden seien kein leeres Wortgeklingel, keine Salbaderei, kein Phrasengeschwätze, sondern eine von herzlicher und tiefinnerer Begeisterung erfüllte Belehrung. Nur so wird er auf unsere Jugend wirken, die sich danach sehnt, über das Judentum etwas zu erfahren. Unterricht und religiöse Belehrung in der Schule und in der Synagoge müssen Hand in Hand gehen. — Derjenige, welcher verlangt, dass seine Stellung als Religionslehrer eine angemessene sei, hat aber auch die Pflicht, auf seine Bildung und seine Tätigkeit hinzuweisen und wir denken, kein Einsichtiger wird sich der Forderung verschliessen können, dass einem solchen Manne auch sein Recht wird zuteil werden müssen. Für den jüdischen Religionslehrer gilt mehr als für jeden anderen Beamten das Gesetz der Inkompatibilität, d. h. er darf nichts sein und nichts tun, was sich mit seinem wichtigen, ja hehren Berufe nicht in Einklang bringen lässt. Wir sprachen oben von dem „Segen der Organisation". Wer könnte diesen in unserer Zeit, in der sich alles zusammenschliesst, was zusammengehört, leugnen? Eine Beratung über die persönlichen Interessen, über Standes- und Unterrichtsfragen, über allgemeine Fragen, die das Judentum und seine Schule betreffen, über fortschreitende Verbesserung der sozialen und materiellen Verhältnisse der jüdischen Lehrerschaft wäre eine zwingende Notwendigkeit. Eine geeignete Vertretung und Förderung durch die jüdische, unabhängige Presse wird für die jüdische Lehrerschaft auch ins Auge gefasst werden müssen. Organisation und Presse, sie sind und bleiben die lebendigen, wichtigsten Motoren des modernen Lebens. Die massgebenden Faktoren des Judentums aber, oder die sich für solche ausgeben, mögen stets im Auge behalten, was unsere scharfsinnigen, weitausschauenden Lehrer schon vor zwei Jahrtausenden gesagt haben und was wir auf den ersten Seiten unseres Gebetbuches ausgesprochen finden. Es ist der nicht genug zu beherzigende Satz: „We talmud Thora keneged kulom*. Unsere P. T. Abonnenten werden um geft. Zusendung der Pränumerationsgebühr anlässltch de» Quartalswecbsels mittels der ihnen zugehenden Erlagscheine ersucht. Die Administration.