Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425724--0556-2426848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1 „Nene Natiorial-Zeitung* Seite 3 Bruder, werde er so sie sich irgendwo am Schlachtfelde treffen ■— zuerst niederknallen. Es kamen die blutigen Tage von St. Lucia, Curtatene, Custozza und Novara, Die Brüder fochten tatsächlich, wie viele ihrer Glaubensgenossen, in einander feindlichen Lagern. Zuhause aber vergoss 1 ihre sorgenerfüllte Mutter, der Drohung ihres Sohnes eingedenk, so manche Träne und betete inbrünstig, dass — welches Los ihren Söhnen auch beschieden sei — der eine wenigstens nicht der Mörder des andern werde. Sie hatte die Freude, beide heil heimkehren zu sehen. (Erinnerungen eines Radetzky- Veteranen.) Unter dem Marschallstabe Radetzkys haben sich bei zahlreichen Gelechten jüdische Soldaten ausgezeichnet. Als eine Kompagnie des 47. Infanterie-Regiments beim Fort Malghera in Venedig mit Gepäck und Bettzeug ans Land steigen wollte, wurde sie von den Rebellen mit Fiintensch üssen empfangen Der GefreiteSinionR au s eher hatte nun bei diesem Zusammenstosse mit 7 Mann schnell eine Kette formiert und durch sein wohlgenährtes Feuer nicht nur die Ausbarkierung ermöglicht, sondern sich auch beim Angriffe besonders tapfer benommen. Als Lohn hiefür erhielt er die silberne Tapferkeits- Medaille I. Klasse. (Geschichte des Inft.-Rgnits. Nr. 47.) Am 14. April mittags, im Gefechte bei Toblino, griff der Gegner — mit grosser Uebermacht über den Monte basale vorrückend — eine auf Vorposten stehende 'Kompagnie an, welche sich dem erhaltenen Befehle gemäss gegen das am südlichen Ufer des Sees gelegene Haus Toresella zurückzog und dort sammelte. Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich Feldwebel Josef Fink besonders aus, indem er mit seinen Tirailleurs die Sarca- Brücke solange besetzt hielt, bis Verstärkungen heranrückten. Fünf Tage später, am 19., im Gefechte bei Seleno, stürmte er mit seinem Zuge ein von Insurgenten besetztes Haus, verfolgte die durch den dahinter liegenden Garten entweichenden feindlichen Soldaten, nahm drei derselben gefangen, während die übrigen meist niedergemacht wurden. Er erhielt dafür die silberne Tapferkeits-Medaille II. Klasse. (Geschichte des Infanterie- Regiments Nr. 19.) In der Schlacht bei Vicenza, am 10. Juni 1848, bemerkte .Korporal Josef Beer, dass ein Geschütz der zwölfpfündigen Batterie schon mehrere Bedienungskanoniere verloren hatte und infolge dessen nur noch langsam feuerte. Er eilte mit einem Gefreiten freiwillig zu diesem Geschütze, bot dem Batterie-Kommandanten seine Hilfe an und leistete mit grosser Geschicklichkeit so gute Dienste, dass das Geschütz im entscheidenden Augenblicke ein heftiges Kartätschenfeuer gegen den vorbrechenden Feind unterhalten konnte. Beer wurde mit der silbernen Tapferkeits-Medaille I. Klasse dekoriert. (Geschichte des Infanterie-Regiments Nr. 38.) ' (Weitere Artikel folgen.) In den nächsten Nummern unserer Wochenschrift erscheinen ausser den angekündigten Fortsetzungen nachstehende Aufsätze: Rüben Brainin: Von meiner Reise durch Galizien; Scholem Aleichem: Eine Humoreske (übersetzt aus dem Original). Ein wissenschaftlicher Artikel über Professor Salomon Schechter (mit Porträt) u. s. w., u. s. w. UeberdieS bringen wir Reproductionen von Gemälden aus der Ausstellung jüdischer Künstler in Berlin, vön mittelalterlichen Dekorationstellern mit jüdisch-historischen Verzierungen u. s. w. zur Veröffentlichung. BEN ACHER. Die neueste Allianz!*) Die Demokratie, die als junge, leichtlussige Dirne den tollen Reigen der französischen Revolution eröffnet hatte, die vormalige, gute Freundin Montesquieus, ist heute, als alte abgelebte Frau genötigt, am Fleischmarkt zu gehen und sich im Hotel Post von den Zionisten huldigen zu lassen. In der Tat, sie sah jämmerlich aus, die gute Dame Demokratie, als sie sich vor einigen Wochen im Hotel Post in einem neuen Fähnchen und mit etlichem Flitterwerk präsentierte. Sie ist ja eigentlich tot, die Arme, zu Tode gehetzt von den Rittern der traurigen Gestalt, die bereits die Rosinante Liberalismus zu Schanden geritten haben. Sie ist also tot — von Toten soll man nur Gutes reden und ich will ihr nichts Böses nachsagen, trotzdem auch hier ihre Nachfolgerin, wie einst Polybios prophezeite, die Despotie war. Aber ihr Geist spukt noch in den Hirnen etwelcher Leute, die sonst keinen besitzen. Ihr Andenken ist zu einer Freistatt für gewisse Politiker geworden. Herr Lucian Rrunner war der Demokratie lange Zeit ein tadelloser Ehemann. Er ist seiner Gattin, mag sie auch nur der Schatten einer solchen gewesen sein, lange treu geblieben. Umso bedauerlicher ist es, dass er, wie ein ganz junger, tollköpfiger Politiker plötzlich über die Stränge schlug und einen Seitensprung machte. Nun hilft ihm aber nichts mehr. Die bedauerliche Tatsache ist wahr, sie kann nicht mehr geleugnet werden: Herr Lucian Brunner souteniert die Dame Zionismus, jene leichtfertige Person, an der er noch vor kurzem mit seiner gutgenährten, bürgerlichen VVohlanständigkeit herumnörgelte, zu jener Zeit, als Herrn Lucian Brunners Herz noch deutscher war, als seine Zunge. Wie sich die Zeiten doch ändern! Von Liberalen seinerzeit in den Gemeinderat gewählt, mit den Deutsch- Demokraten, Freisinnigen, Fortschrittlichen, Sozialpolitikern und wie diese Metamorphosen alle heissen, durch alle Gassen der Politik gezerrt, schwankte er von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, bis er sich in die offenen Arme des Zionismus stürzte. Der Mann befand sich aber auch in einer furchtbaren Bedrängnis. Er stand an der Spitze einer Bewegung, deren einziger Anhänger er war. In seiner grossen politischen Herzkammer wurde es ihm zu öd. Er begann sich in seiner Gesellschaft zu langweilen und er suchte Menschen, die das nicht taten. Aber siehe da, es fanden sich keine. Sie waren entweder deutsch oder fortschrittlich oder beides. Mit einem Worte, sie waren: Israeliten. Da sah der alleinstehende Volksführer, dass in der allgemeinen Teuerung auch das Massen fleisch bedenklich im Preise gestiegen war und ei wandte sich, als guter Geschäftsmann, unwillig ab von jenen starrsinnigen Ochsen, die keinen Hirten wollten und ging *) Der ehemalige Gemeinderat, Herr Lucian Brunner, jetzt Präsident des „Demokratischen Zentialvereines" in Wien, aus dem die ältesten Mitglieder, darunter auch Dr. Kronawetter wegen verschiedener Vorkommnisse ausgetreten sind, hat sich in der letzten Zeit mit der zionistischen bürgerlichen Partei in Wien liiert. Als reicher Mann hat sich Herr Brunner die Verbindungsbrücke aus Gold gebaut: er erlegte 5000.Kronen für das zionistische Parteiorgan. DieBe Allianz bildet den Ausgangspunkt des obigen Artikels, der uns von einer der zionistischen Partei angehörenden Persönlichkeit übermittelt wird. Der Artikel geht von der Versammlung im „Hotel Posf aus, wo diese Verbrüderung öffentlich proklamiert wurde und schildert den Eindruck, den dieselbe in zionistischen Kreisen hervorgerufen hat. (Anm. d. Red.)