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Neue Nationalzeitung · 1907-12-20 · Heft 54 (20.12.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 54 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 1U Nr. 54 Zeit$d)riften-Rund$d)au. Die Juden in Galizien. In der Sozialen Rundschau des klerikalen „Vaterland" finden wir einen Artikel „Wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse Galiziens , welcher, soweit es eben bei dem Mitarbeiter des klerikalen Tagblattes möglich ist, von den sonstigen antisemitischen Urteilen über die Juden stark abweicht. Das Urteil des klerikalen Schriftstellers über die Juden lautet: .,Die Juden — und es gibt deren in Galizien nicht weniger als über 800.000 — sind geborene Handelsleute. Nur selten widmet sich der galizische Jude dem Handwerke; noch seltener der Landwirtschaft. Und wenn er sich auch Landwirt nennt, so treibt er auch nebenbei Handels- und Wuchergeschäfte, so daß sein Iandwirtschaftiicher Betrieb oft nur als Scheinbeschäftigung aufzufassen ist Der Umstand, daß alle Juden Kaufleute sein wollen, dabei ihre Zahl aber so bedeutend ist, verursacht eine übermäßige Zersplitterung des Kleinhandels. Die arme Bevölkerung Galiziens muß eine äußerst zahlreiche Klasse von Zwischenmännern erhalten; sie muß die hohen Spesen tragen, welche mit der übermäßigen Zersplitterung des Handels unvermeidlich verbunden sind. Gleichzeitig ist aber auch die wirtschaftliche Lage der Juden sehr traurig. Von einer geringen Anzahl reicher Leute abgesehen, treibt die äußerst starke Konkurrenz die Massen der Juden ins Elend. Sie begnügen sich mit dem geringsten, leben in der größten Beschränkung. Und doch werden immer und immer Klagen laut, daß sie auch ihre noch so bescheidenen Begürfnisse nicht befriedigen können. Doch wie merkwürdig ist ihr Nationalcharakter! Im äußersten Elend lebend, wenden sie sich dennoch nicht der körperlichen Arbeit zu; sie verhungern lieber in ihren Krämerläden! Es wird häufig den Juden vorgeworfen,' daß sie als Wucherer, als unreelle Handelsleute, als Schmarotzer Galizien ökonomisch zugrunde richten. Ich finde, daß diese Klagen einseitig, sonst aber auch vielleicht etwas übertrieben sind. Denn schuldig an der Verbreitung des Wuchers ist nicht nur der Jude, sondern auch der Bauer und Handwerker, die durch Leichtsinn in Wucherhände geraten; schuldig ist weiter die ganze Gesellschaft, da sie genügend Gelegenheit zur Aufnahme einer billigen Anleihe durch richtige Kreditorganisation verschafft. Es ist doch zu bemerken, daß in den letzten Jahren durch Raiffeisen- und Schulze-Delitzschkassen das Wuchergeschäft n Galizien immer mehr verdrängt wird. Dagegen möchte ich den Juden in Galizien eine andere Schuld aufladen: oie Juden sind es, welche die Entstehung eines ehrlichen, moralisch gesunden, nationalen Handelsstandes verhindern. Wenn man die Bedürfnislosigkeit der Juden, wenn man dabei die Rücksichtslosigkeit ihrer, keine Wege und keine Mittel scheuenden, oft schmutzigen Konkurrenz in Erwägung zieht und schließlich ihrer hohen ererbten Handelserfahrung gedenkt, so wird es verständlich, daß kaum ein polnischer oder ruthenischer Kaufmann mit ihnen wetteifern und sein Auskommmen finden kann. Und so führen die Juden zum merkwürdigen Zustande, daß eines der wichtigsten Organe des ökonomischen Körpers, der Handel, fast monopolosiert wird durch Leute, die durch Konfession. Rasse und Charakter dem Volke, von dem sie leben, fremd sind. Und das sind jedenfalls ungesunde Verbältnisse!" m> ÄUCN WElttCiLM Die Heldentat eines Juden. In der Nacht nach der Schlacht am- 3 Juli 1865 zogen ungefähr 20.000 bis 30.000 österreichische Soldaten durch die Festung Königgrätz gegen Mähren und ließen beiläufig 2000 Verwundete und Kranke nebst 200 gefangenen Prenßen in der Festung zurück. Da zur Beherbergung einer solchen Überzahl von hilfebedürftigen Menschen der nötige abgesonderte Raum fehlte, so mußten Kranke und Gesunde enggedrängt gemeinsam untergebracht werden, wodurch die Gesundheit der Besatzung in großer Gefahr schweben mußte. Am 5. Juli wurde die Festung bombardiert und bald darauf allseits eingeschlossen. Ohne jegliche Verbindung mit der Feldarmee, ohne Nachricht über deren weiteres Schicksal, sah die Besatzung einer längeren Belagerung entgegen, die durch den Umstand, daß die Verpflegsvorräte nicht auf eine Verdoppelung der eingeschlossenen Soldaten und noch dazu durch Kranke, berechnet waren, keine günstige Aussicht bot. Da entschloß sich Leutnant Ignatz Goldsteiri des zur Besatzung gehörenden 4. Bataillons der Asroldi-Infanterie (jetzt Nr. 23) freiwillig, durch die feindlichen Einschließungstruppen und die sich gegen Olmütz bewegenden preußischen Truppenmassen hindurch zum Armeeoberkommandanten Benedek zu gehen und demselben die mißliche Lage der Festung zu melden Es klingt wie ein. Wunder, doch das Wagnis gelang; innerhalb zweier Tage traf Leutnant Goldstein am 10. Juli in Olmütz ein. Noch am selben Tage um halb 8 Uhr abends wurden gleichlautende Befehle an die beiden Festungskonimandanten abgesendet: miteinander in Verbindung zu treten und durch eine gemeinsame Aktion der beiden Garnisonen zu trachten, Königgrätz zu entlasten, jedenfalls aber die Festungen „bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit zu verteidigen - Unterleutnant Goldstein selbst wurde mit einem Schreiben des FZM. Benedek an den ersten Generaladjutanten des' Kaisers entsendet. In dem Schreiben heißt es: ,Feldzeugmeister Benedek erlaubt sich, den genannten Leutnant der Allerhöchsten Gnade Sr. Majestät zu empfehlen, damit ihm für den Vollzug seiner gefahrvollen Mission die All ergnädigste Anerkennung, dann die nötigen Mittel zuteil werden mögen, sich neu zu equipieren." Das Militär-Verdienstkreuz mit der Kriegsdekoration war der Lohn des braven Offiziers. Dste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 30. November 1907. Karl F i s c tye'r, k. k. Landesgerichtsrat, XIX., Gatterburg- « gasse 21; Johanna Winkier (Gerda Walde), Operettensängerin, VII, Neubaugasse 48; Siegfried T r e b i t s c h, Schrifty steller, I., Nibelungengasse 8; Dr. Adolf Neu berger, IX. Berggasse 26; Marie Arpassy. Neutra, IL, Taborstrasse 76 :• Julie Pollak, Wien, IX., Schwarzspanierstrasse 15; Josef Zeisler, Szigetvar, I., Kärntnerstrasse 2; Angela Fliedr, Wien, XII., Weyprechtsstraße 5; Arnold Mogyroszy, Budapest, IX., Garniso.ng. 4; Leopoldine Mogyoroszy, Prossnitz, IX , Garnisongasse 4; Arthur Pollatschek, Wien, XIX, Obkircheng. 31; Dr. Alfred Ehrlich, Prodmost, I., Wipplingerstraße 6; Friederike Ehrlich, Soor, I, Wipplingerstraße 6; Wilhelm König, Wien, VIII., Josefstädterstraße 29; Vilma Müller, Gaya, III. Kleistgasse 6; Katharina Spenn, N.-Szombat, III., Seidigasse 33; Karoline Rosenthal, Wien, XX., Brigittalände 26; Eugen Marcus, Gicin, II., 'Praterstraße 54; Alfons Abr. Eskenasy, Wien, IL, Odeongasse 11; Katharina Deutsch. Budapest, VI, Stumpergasse 39; Josef Hans Weiniger, Wien, XV1IL, Schulgasse 78-;- Eduard. Weinberger, " Lundenburg, IL, Darwingasse 12; Marie Alles, Tarnopol, XII., Gaudenzdorfergürtel 13; Adolf Mercl, Wien; Georg Erich Rosenzweig, Wien (7 Jahre alt, mit Zust. d. Eltern): Isaak Brand, , Krakau,- XXL, Reichsstraße 301; Max Neustadtl, WiOn, IV. Gr. Neugasse 18; Margar. Eisert, Wien, IX., Ferstlgass'e 6; Hedwig Baumann, Lemberg, I., Naglergasse 4; Karl Brunner, Bechar, VII., Badhausgasse 1; Richard Reinhold, XIII., Einwanggasse 48; Nathan Schwarz, XVII, Gablergasse 27; Dr. Eugen Galitzenstein, Arzt, Nürnberg; Anna Kohn, Holleschowitz, IX., Marktgasse 51; Margarethe Marno> VIII., Hamerlingstrasse 8; Berta Rosental, Szomorfalu, XX., Brigittalände 26; Isaak Avram, Troultscha, X., Laxenburgerslraße 46, Hedwig Brück, Biala, VI., Mariahilferstraße 31; Philipp Nußbaum, IL, Taborstraße 104: Stefanie Musil, Stecken, IL, Lessinggasse 24; Alice Kraus, VI.. Magdalenenstraße 56; Dr. Karl Kraus, Brandeis, VI., Magda-i/ lenenstraße 56; Aurel Wald, IX., Hebragasse 7 '; Fr. Therese Perlhefter, IX. Hahngasse 15; Margarethe Löwy, L, Weihburggasse 26; Paula Weiß. IX., Wasagasse 24; Franz Winter, Mi- \, chalkowitz, II, Lichtenauergasse 9; Viktor Samek, Brunn, IV., Gußhausstraße .21, : Schiffsnächrichten. Die Hamburg-Amerika Linie meldet: Nordamerika: „Amerika" 12. Dezember l Uhr nachm: von New-York nach Plymouth, Cherbourg und Hamburg, „Badenia" ' 2.r Dezember 8 Ubr morgens in New-Port News. rBatavia" 12 Dezember 8 Uhr morgens in "Genua. r Kaiserin Auguste Viktoria" nach New-York, 13 Dezember 6 TJbr morgens- Lizard passiert. »Macedonia« nach Philadelphia, 12. Dezember 1 Uhr 30 Min. nachm. Dover passiert. »President Lincoln c von New-York nach Neapel und Genua, i'2. .Dezember Ponta Ferraria passiert. »Prinz- Oskär« 12. Dezember 5 Ubr nachm. von Genua nach Hamburg.. »Blücher« von New- York kommend, 15. Dezember 8 Uhr 20 Min. abends von Plymouth. »Graf .Waldersee« 14. Dezember 3 Ubr nachm. von New^York direkt nach Hamburg. >Leander« 14. Dezember von Galveston über New-Port News nach Hamburg. »Pennsylvania« IS/Dezember 7 Uhr morgens in New-York. »President Lincoln« von New-York nach Neapel und Gpnua,- 15. Dezember S Uhr 15 Min. morgens Gibraltar passiert. »Pretoria« nach New-York, 15. Dezember 5 Uhr 30 Min nachm von Bpulogne sur Mer.' »-Prinz, Oskar« von Genua nach Hamburg, 15. Dezember 5 Uhr nachm. Gibraltar , passiert.

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