Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 54 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 54 nötigen Mittel zur Linderung des Notstandes zur Verfügung gestellt. Rumänien. Bukarest. Mitte Dezember. (Orig. Korr.) In einer der letzten Sitzungen des Parlaments hat der berüchtigte Antisemit und Jassyer Universitätsprofessor Nicu J o r g a wieder einmal eine Schimpfrede gegen die Juden zum Besten gegeben. Diese Tatsache wäre eigentlich nichts Neues, wir sind daran bereits gewöhnt. Das Interessante an der ganzen Sache aber ist die schlagfertige Abfertigung, die der Premier Stourdza diesem Hetzredner in lakonischer Kürze erteilt hat. Das stenographische Protokoll verzeichnet nach dieser „denkwürdigen" Jorga- Rede folgendes: Ich zitiere wörtlich: „Präsident: Zum Worte hat sich Seine Exzellenz der Herr Ministerpräsident gemeldet. Ich erteile Sr. Exzellenz das Wort. Ministerpräsident Stourdza: Hohes Haus! Auf die langen Ausführungen des Herrn Abgeordneten J o r g a habe ich nur soviel zu erwidern, dass ich mir erlaube, den Vers aus Goethes .Faust" zu zitieren: „Mir wird von alldem so dumm, Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum!" (Frenetischer Beifall.) Ich habe zu dem nichts mehr hinzuzufügen! Diese Erwiderung des Ministerpräsidenten ist eine moralische Ohrfeige, die Herr Jorga noch lange nachspüren wird. Sie bedeutet nicht nur einen Faustschlag ins Gesicht des Herrn Jorga, sondern auch eine nicht zu tilgende Schmach für alle diejenigen „Wähler", die Herrn J o r g a zum Einzug in die Deputierten-Kammer verholten haben. Vielleicht werden endlich den Antisemiten die Schuppen von den Augenfallen, wenn sie sehen,wie verächtlich der Ministerpräsident ihren „Führer" behandelt! Vielleicht . . . Viel Hoffnung haben wir leider bei den derzeitigen Verhältnissen nicht. Rechtshilfe. Vielfachen Wünschen aus den Kreisen unserer Abonnenten und Leser Rechnung tragend, haben wir beschlossen, in unserem Blatte eine neue Rubrik, betitelt .Rechtshilfe", zu eröffnen. Dieselbe ist dazu bestimmt, der jüdischen Bevölkerung in den Fragen des öffentlichen und privaten Rechtes mit der nötigen Aufklärung zu dienen und ihr mit unserem Rat beizustehen. Wir denken hiebei in erster Linie an strittige Fragen des Eherechtes und des Matrikelwesens, des Vereins- und Versammlungsrechtes, und überhaupt an alle jene Fälle, in denen jüdische Bürger wegen dieser ihrer nationalen Zugehörigkeit von Gerichten oder Verwaltungsbehörden irgendwelche Zurücksetzungen zu erdulden haben. Wir werden stets an der Hand der Gesetze und Judikatur die nötigen Weisungen erteilen. Ueberdies sollen zur Belehrung unserer Leser auch alle in obige Materien einschlägige Entscheidungen de'r obersten Instanzen in dieser Rubrik zur Veröffentlichung gelangen. Unsere Rechtshilfe ist selbstverständlich ganz kostenlos und steht es jedem Juden frei, dieselbe in Anspruch zu nehmen. Wir verfassen jedoch keine Eingaben und lehnen es ab, in gewöhnlichen Rechtsstreitigkeiten oder Strafrechtsangelegenheiten der Sache näher zu treten. Unsere Rechtshilfe wird monatlich ein- bis zweimal als separate Rubrik erscheinen. Es ist selbstverständlich, dass unsererseits strengstens Redaktionsgeheimnis gewahrt wird, doch ersuchen wir, in den Briefen stets die Chiffre anzugeben, unter welcher die Antwort zu erfolgen hat. _ _ _ Die Redaktion. Die Beantwortung der Fragen erfolgt in der nächsten Nummer. Leider sind nur die wenigsten im vorgezeichneten Rahmen geblieben. Wir machen daher auf den Inhalt der obigen Ankündigung nachdrücklich aufmerksam und bemerken, daß Anfragen über persönliche Zivil- und Strafsachen nicht in den Bereich unserer Rechtshilfe gehören. Anm.'d. Red. GEMSiNUS=üNö VSRI5kNiNWftRitßtW Wien. Der G. C. der akadem. Verbindung .Kadimah" hat den Termin für ihr 50-Sem. Stiftungsfest schon festgesetzt. Der Kadimah-ßall findet am 21. Jänner und der Festkommers am 25. Jänner 1908 in den Sofiensälen statt. In die Zwischenzeit fallen die anderen Festlichkeiten, Festkonvent, Fahit zum Grabe Herzls u. a Die studentischen Korporationen aus Berlin, München, Prag, Brünn, Czernowitz, Bern u a. haben bereits ihre Teilnahme zugesagt, ebenso die führenden Persönlichkeiten der national-jüdischen Bewegung. Das akademische Protektorat haben die Professoren Ehrmann, Freud, Klein, Königstein, Lieben, Mandl, Schnitzler u v. a. übernommen. Zuschriften und Anfragen sind an das Sekretariat der „Kadimalr, IX. Grüne Torgasse 19a mit dem Vermerk „L Sem." zu richten. Wien. Die hebräischen Kurse, die hier vor kurzem errichtet wurden, entwickeln sich unter der Leitung vorzüglicher Lehrkräfte zur Genugtuung aller Freunde der hebräischen Sprache. Es ist erfreulich, daß sich Männer gefunden haben, die für die Erhaltung und Ausgestaltung dieser Kurse, sowie für die Errichtung neuer Kurse, für die bereits eine Anzahl von Schülern gemeldet ist, zu sorgen bereit sind. Samstag, den 21. d.M., 9 Uhr abends, findet im Cafe. Marienbriicke (l. Bez.) eine Vorbesprechung statt, an der alle Freunde und Anhänger der hebräischen Sprache teilnehmen können. Wien. (Israelitischer Tempelverein Brigittenau). Donnerstag, den 19. Dezember 1907, halb 7 Uhr abends findet in den Saallokalitäten des Cafe Opocsinsky, XX , Wallensteinstrasse Nr. 32 die General-Versammlung der Mitglieder des iraelitischen Tempel-Vereines Brigittenau statt. Im Falle der Beschlußuniähigkeit der Generalversammlung findet diese an demselben Tage halb 8 Uhr abends im gleichen Lokale, mit derselben _ Tagesordnung statt. Letztere ist ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder beschlußfähig. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2 Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern; 4 auf 3 Jahre, 1 auf 2 Jahre. 3. Eventuelle nach § 5 der Statuten eingebrachte Anträge. Hermann Eltbogen, Obmann. Krakau. Im hiesigen Rigorosantenverein wurde Advokat Dr. T r a m e r zum Präses und Dr. Schön, wetter zum Vizepräses gewählt. Letzterer ist der Sohn des einzigen Zionisten des hiesigen Kultusvorstandes, Herrn Julius Schönwetter. Prag. Am 18. Januar 1908 feiert der Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" das Fest seines 20 semestrigen Bestandes. Es ergeht schon heute hiermit an alle zionistischen Organisationen Österreichs und an alle jüdischnationalen Studentenkorporationen die Einladung zum Stiftungsfeste dieses Vereines, des ersten und lange Zeit hindurch einzigen zionistischen Vereines Böhmens, der drittältesten zionistischen Studentenkorporation Österreichs. Insbesondere erwartet der Verein von allen seinen lieben alten Herren und allen seinen Freunden, dass sie sich vollzählig an diesem Ehrentage in Prag einfinden werden. Der Festausschuss des Vereines der jüd. Hochschüler »Bar Kochba" in Prag, Elisabethstrasse 6.. - - '