Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1907-12-20 · Heft 54 (20.12.1907) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 54 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2425679-2425680-2425721--0540-2426831
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite4 „Neue National-Zeitung" Nr. 54 sich im Jänner 1882, als die ganze gesittete Welt unter dejpi beklemmenden Eindrücken der russischen Pogroms stand, in einem Coupe erster Klasse auf der Reise Petersburg—Paris der berühmte und berüchtigte Reitergeneral Skobelew, dem seinerzeitigen Chefredakteur des offiziösen „ Journal de St. Petersburg" Herrn Anton E. Horn gegenüber. Trotz der traurigsten Geschicke, welche im Zarenreiche den Juden widerfuhren, sind dieselben, nach einem solchen gewiss ganz einwandfreien Zeugnisse „vortreffliche Soldaten" geworden, denen sogar mehr als gewöhliche Pflichterfüllung, denn »hervorragende brave Leistungen* nachgerühmt werden. Das tapfere und entschlossene Handeln, die treue und hingebungsvolle Pflichterfüllung der jüdischen Soldaten wäre wohl einer erschöpfenden Darstellung wert. Wir müssen es uns jedoch vorderhand versagen auch nur annähernde Angaben über alle Fälle von Tapferkeit und Bravour der jüdischen Soldaten in der russischen Armee zu machen. Das algemein gehaltene Zeugnis eines Skobelew sagt schon viel, sehr viel. Den russischen Heerführern muss man indess die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass sie — was die Anerkennung bravouröser Taten jüdischer Soldaten und die Dekorierung für solche betrifft — immer Objektivität bekundeten. So lobte einst Feldmarschall S u w arow einen jüdischen Unteroffizier auf dem Schlachtfelde, der mit seinen Leuten eine feindliche Masse direkt mit dem Bajonette angriff, statt auf sie aus einer gesicherten Stellung zu schiessen mit den Worten : „Hast recht mein Sohn! Die Kugel ist zuweilen eine Närrin, das Bajonett aber ist immer ein ganzer Held." (Pula dura, sztyk maladjec). Auch zahlreiche Angehörige der österr.-ungar. Armee sind in den Zeitläuften, wo sie Schulter an Schulter mit den Russen kämpften,mit dem Georgskreüze ausgezeichnet worden. Und auch so manche österr.-j fleische Soldatenbrust zierte dieseTapferkeitsauszeichnung. Über die Juden in der österr.-ungar. Armee existiert bis nun noch keine spezielle Literatur. Aber die Taten jüdischer Soldaten sind in den einzelnen Regimentsgeschichten für immerwährende Zeiten rühmlichst eingetragen und diese für die Geschichte der Juden in Österreich-Ungarn wertvollen Schätze dürften demnächst schon zu einem einheitlichen Ganzen gesammelt werden. Wir wollen jetzt nur manches tapferen und braven jüdischen Soldaten unserer Armee gedenken, die auf dem Felde der Ehre, nebst der Auszeichnung unseres erhabenen Souveräns, auch noch die russische erhalten haben. Eine vollständige Liste dieser Dekorierten wird erst dann möglich sein, sobald das die jüdischen Soldaten betreffende Material gesammelt sein wird. Während der vom 30. Dezember 1848 bis 26. April 1849 dauernden Zernierung der Festung Komorn waren am 6. April 1849. zwei gefüllte Munitionskarren, welche bei einer durch eine Granate in Brand gesteckten Winzerhütte standen, in grösster Gefahr, in die Luft gesprengt zu werden. Dem Gefreiten Isidor Braunreiter des 35. Infantrie-Regiments gelang mit 4 Mann deren Rettung, indem sie einen Karren nach dem anderen in Ermanglung eines Vorspannes auf einen gesicherten Aufstellungsplatz zogen. Braunreiter wurde sofort zum Unteroffizier befördert, und erhielt später das russische St. Georgskr.euz 5. Classe. (Geschichte des Inft. Reg. No. 35.) -,. Im selben Feldzuge war Korporal Jakob Weinberger des 55. Inft. Regiments, wie in den Vortreffen bei Surezek und Waitzen, so auch im denkwürdigen Gefechte bei Nagy-Sarlo, am 19. April der erste und kühnste im Handgemenge mit dem Gegner. Von dem Verbündeten des* Kaisers -Franz Josef I;, dem Kaiser Nikolaus I. von Russland, erhielt dieser brave Unteroffizier für seinen in allen Gefechten betätigten Mut und Eifer das St. Georgskreuz 5. Klasse. (Geschichte des Inft. Regiments No. 55.) Am 17. Jänner 1849 kam es zum Treffen bei Szökefaiva, in welchem die Oesterreicher nach hartnäckigem Widerstände der weit überlegenen Macht des Gegners weichen mussten. Ein Infantrie-Bataillon deckte den Rückzug, und Korporal Moses Drath dieses . Bataillons stellte sich mit etwa 30 Mann, die er gesammelt hatte, einer attaquierenden Husaren-Division mit ausgezeichneter Bravour entgegen und rettete durch seine Ünerschrockenheit vielen Kameraden Leben und Freiheit. Er wurde für seine Tat mit der silbernen Tapferkeits- Medaille II. Klasse, wie auch mit dem russischen St. Georgsorden 5. Klasse dekoriert. Am selben Tage im Gefechte bei Turczek stiess der bereits genannte Korporal Jakob Weinberger einen feindlichen Offizier in dem Momente mit dem Bajonette nieder, als dieser nach seinem Compagnie- Kommandanten einen Säbelhieb führen wollte. Obwohl verwundet, diente er der Mannschaft bis zur Beendigung des G-ef echtes, unter dem wiederholten Rufe :„Es lebe der Kaiser]" zum schönen Beispiele. Während eines Nachtgefechtes bei Besetzung des Brauniszko-Passes am 3. Februar 1849 hatte Gefreiter Wolf Alter des 30. Infantrie-Regiments sehr viel Mut und Entschlossenheit an den Tag gelegt, seine Untergebenen bei Sturme mitgerissen. Am linken Unterschenkel verwundet hat er den Gefechtsplatz nicht verlassen, sondern trotz dieser schweren Blessierung bis zur Beendigung des Gefechtes kämpfend ausgeharrt. Er erhielt die silberne TapferkeitsrMedaille I. Klasse,, und das russische Georgskreuz 5. Klasse. Am 1. Juli 1849, im Gefechte bei Szt. Pal stürmten Korporal Moses Stein und Gemeiner David Bratspiess, beide vom Inft. Regiment No. 58, mit grosser Tapferkeit zuerst in die feindlichen Reinen und brachten. dieselben zum Weichen. Lohn: Silberne Tapferkeits-Medaille II. Klasse und St. Georgskreuz 5. Klasse. In der Schlacht bei Komorn am 10. Juli 1849 hat Korporal Abel Kisches, nachdem sein Oberleutnant gefangen genommen wurde, das Kommando des Zuges übernommen und mit demselben durch ausgezeichnete Bravour den Feind aus dem Walde geworfen. Er wurde gefangen, jedoch gelang es ihm durch sein entschlossenes Benehmen sich selbst wieder zu befreien. Er erhielt dafür das russische St. Georgskreuz 5. Klasse und die silberne Tapferkeits-Medaille II. Klasse. Das russische Georgskreuz trägt die Aufschrift: „Für Militärdienst und Tapferkeit". Die Ausstellung jüdisd)er Künstler in Berlin. Berlin, Mitte Dezember. Das um diese Jahreszeit an künstlerischen Darbietungen überreiche Berlin beherbergt gegenwärtig auch die Ausstellung jüdischer Künstler. Zum erstenmale vielleicht ist eine so gute Gelegenheit geboten, das Schaffen jüdischer Künstler aus verschiedenen Ländern in allen Genres und Nuancen vor sich zu sehen. Diese Ausstellung erregt hier in allen Kreisen lebhaftes Interesse. Aber in der Beurteilung dieser aus dem Judentu^e schöpfenden und schaffenden Künstler stossen die massgebendsten Kunstkritiker immer wieder aufeinander. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.