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Neue Nationalzeitung · 1907-12-20 · Heft 54 (20.12.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 54 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 54 Seile o Unsere Bewegung beruht daher nicht auf Phantasien, sondern auf soliden Tatsachen. Einem schrecklichen Problem halten wir eine praktische Lösung entgegen: Das Itoland. Es gibt aber Leute, welche meinen, - dieses Problem sei garnicht jüdisch. Denn es emigrieren ja sehr viele Christen aus allen Ländern Europas, um bessere Lebensstellungen zu erlangen, — das jüdische Problem sei lediglich ein ökonomisches Problem. Nein, meine Freunde! Das jüdische Problem ist sonderbar in seinem Anfang, sonderbar in seiner Mitte und sonderbar in seinem Abschluss. In seinem Anfang: seine Quelle ruht in den Ländern der Verfolgung. Ein rumänischer Jude schrieb mir im letzten August, indem er an mich •appellierte, den rumänischen Juden nicht minder wie den russischen zur Emigration zu verhelfen. „Wir leben unter den Wallachen wie unter wilden Tieren. Man hat uns aus den Dörfern verjagt und uns nicht erlaubt, in den Städten unser müdes Haupt zur Ruhe zu legen. Die Bedeutung des Territoriums. Unter dem Worte „Territorium" versteht die Ito ein Territorium und nicht nationale Reden, Vereine, Klubs, Picknicks und Tänze! Wir wollen ein Land erwerben, aber nicht einen neuen „ismus" schaffen. Ich habe ja bereits ausgeführt, dass der Begriff „Territorium'', Palästina gar nicht ausschliesst. Dafür gibt es andere Länder, die ausgeschlossen bleiben, z. B. England. Das Territorium, welches wir anstreben, muss entweder gar keine oder eine sehr dünne Bevölkerung haben. Wir wollen auch gar nicht ein Land erwerben, in welchem bereits fertige Bahnen, Strassen, Häuser, möblierte Wohnungen mit vorbereitetem Nachtmahl (Heiterkeit) vorhanden wären! Das Land muss eine ganz neue Schöpfung sein. Es muss ein wirklich lebendiges Land sein, welches auf die Auswanderer dieselbe Anziehungskraft ausüben würde, wie heute New-York. Nur mit dem Unterschiede, dass während heute 400,000 Seelen auf einer Quadratmeile zusammengepresst sind, der Grundstock des neuen Staates in einer jüdischen Landbevölkerung bestehen müsse. Wir haben es nicht nötig, erst zu beweisen, dass die1 Juden tüchtige Ackerbauer sind, es gibt jüdische Bauern in der ganzen Weit. Wir benötigen lediglich den jüdischen Landmann als Mittel zum Zwecke, und diesen Zweck bildet die Autonomie. Die autonome Basis. Nein, die Ito wird ihre autonome Basis nicht aufgeben. Wir müssen das Land, welches den Lohn unserer titanischenArbe.it bilden soll, selbst kontrollieren können. Ein Land der Zuflucht, ohne eigene. Autonomie zu schaffen, das tun wir nicht, — so meschugge sind wir nicht! (Die letzten Worte sprach Zangwill deutsch). Nach einer kurzen Kritik der J. C. A. — Kolonien in Argentinien, kommt Zangwill auf das eigentliche Thema, auf Das neue Judenland. „Wo ist denn unser Territorium? Das ist für unsere Organisation gegenwärtig die wichtigste Frage. Die Zukunft des ganzen Volkes steht mit der Antwort in Verbindung. Die Wahl erfordert daher ein grosses Verantwortungsgefühl;' und wenn ein Itoist seine Geduld schonverlören hätte, weil wir zwei Jahre gebraucht haben, um die Frage genau zu studieren: dann verzichten wir lieber auf diese Schwächlinge.:Näch langem Studium haben wir 15 Orte festgestellt, in denen die Möglichkeit eines Territoriums vorhanden war. Dann hat sich der Kreis auf -zehn!^^ ^ngesthräökt;':-von diesen zehn haben wir zwei erwählty und von diesen zweien haben wir eines, nach ■ eingehender Information der Geographischen Kommission zum Studium empfohlen. Dieses eine ist aber nicht ohne Fehler. Aber es hat noch nie ein fehlerloses Land gegeben — seit Adam aus dem Paradiese vertrieben wurde. Haben ja selbst die Kundschafter einst an Palästina viel auszusetzen gehabt, nur haben Josua und Kaleb ein Minoritätsvotum vorgebracht. Jeder, der an einem nebligen Tag in London eintrifft, würde auch England ablehnen!■' Zangwill erzählt dann, wie er im Juni 1903 von Dr. Herzl gebeten wurde, die Idee der jüdischen Kolonisation in Marokko in einem kleinen zionistischen Kreis zu diskutieren. Dieses Land sei besser als Sinai, meinte Dr. Herzl, und dort würden die Mächte früher oder später intervenieren. „Dieser Einfall Herzl's" — setzt Zangwill fort — „hat später meine Aufmerksamkeit auf Nord-Afrika gelenkt, jenes grosse halbbekannte, halbbevölkerte Gebiet, welches zumeist mässiges Klima, nirgends grosse Hitze autzuweisen hat, wo die Erde fruchtbar und das Meer mit Hafenstädten in der Nähe liegt, mit seiner leichten Verbindung nach Russland und Rumänien, den Zentren der Judenverfolgung. Dawäre der Zufluchtsort gefunden. Aber es ist sogar Südwest-Marokko, ein Land so gross wie England, vorhanden, welches niemandem gehört und lediglich von einigen Nomadenstämmen bewohnt ist. Es hat sich sogar in den Bureaux der Ito ein Araber eingefunden, der in Beziehungen zu dem „Heiligen Manne von Adrar" steht, und uns Konzessionenverschaffen wollte. Wenn wir Aegypten den Aegyptern überlassen, welches Volk hat einen grösseren historischen Anspruch auf Nordafrika als wir?" Redner erklärt, dass, sobald in Mai okko wieder Ruhe eintreten wird, eine Expedition zur Durchforschung des Landes abgeschickt wird, worauf die diplomatische und finanzielle Aktion beginnen soll. „Sollte dieser Plan nicht verwirklicht werden, dann haben wir bereits einen anderen in Aussicht, nach Fiasko dieses kommt dann noch ein halbes Dutzend anderer territorialer Möglichkeiten an die Reihe." Hiermit schloss Zangwill seine eigentlichen Mitteilungen über die neueste Entwicklungsphase des Itoismus. Der weitere Teil der Rede war eine scharfe Kritik der jüdischen Gesellschaft Englands. Trotz der grossen Sympathien, der er sich in allen Kreisen der englischen Bevölkerung zu erfreuen hat, nahm Zangwill keinen Anstand, darauf hinzuweisen, wie Söhne und Töchter reicher jüdischer Familien während des Burenkrieges ihr Leben und ihr Geld für ihr Vaterland geopfert haben, wie wenig dieselben jedoch für ihr eigenes Volk zu opfern bereit seien. Die Ausführungen Zangwills wurden mit grossen Beifallsstürmen aufgenommen, die sich noch verstärkten, als Frau Zangwill die Tribüne betrat, um zu erklären, dass trotz des Sprichwortes: „Morgen ist auch ein Tag", beim jüdischen Volke die Ungeduld gewiss am Platze sei. MORITZ FRÜHLING. Jüdisd)e Soldaten - als Besitzer des ßeorgskreuzes. „Bezüglich der Gleichberechtigung der Juden im russischen Reiche kann ich kein Urteil abgeben, zumal es mir an dem nötigen politischen Verständnis hiefür fehlt. Aber als General habe ich die Juden in unserer Armee achten gelernt, da sie vortreffliche Soldaten sind. Ich habe auch für hervorragend brave Leistungen viele derselben mit dem Georgskreuze dekoriert." So äusserte

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