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Neue Nationalzeitung · 1907-12-20 · Heft 54 (20.12.1907) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 54 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 »Neue National-Zeitung" Nr. 54 Menschenleben die Schmach der Kerkerhaft zu nehmen8. Von der grossen Oeffentliehkeit verlangt er nichts als eine Unterschrift. Sehr bescheiden. Der Schritt, den Dr. Elbogen unternommen hat, ist der schlagendste Beweis, welche Ratlosigkeit und Unbeholfenheit in den Kreisen der offiziellen Judenschaft herrschen. Unfähig eine grosse Bewegung hervorzurufen, engherzig und geizig, um die Mittel für eine journalistische Propaganda herzugeben, geistig beschränkt, um die Bedeutung dieses Falles für die Ehre der gesamten Juienschaft zu erfassen, gehen sie hin und schreiben ein Gnadengesuch. Das kostet weder Geld noch. Mühe und sie sind mit sieh zufrieden. Hilsner wird zwar nicht begnadigt, aber sie können für ihn „nichts mehr tun." * Wenn von jüdischer Seite lediglich mit solchen Scheinmitteln gearbeitet wird, so ist die Enunciation B r e i t e r s umso sympathischer. Das Parlament ist der einzige Ort, wo der Hebel in dieser Affaire anzusetzen ist. Von hier aus wird für Hilsner Recht und nicht Gnade gefordert. Das Parlament kann die Vorlage der Akten verlangen, es kann den Justizminister auffordern, dass er die Akten durch die General-Prokuratur überprüfen lasse; das Parlament hat die Macht, das öffentliche Gewissen aufzurütteln und das Justizverbrechen der Geschworenen von Pisek zu sühnen. Und wenn auch das Komitee, das sich gebildet hat, noch klein, die Zahl der Gegner im Parlament schon gross ist, so werden grössere Parteien, die wie die Sozialdemokraten sich um diese Affaire herumdrücken, unter dem Einflüsse der öffentlichen Meinung ihre passive Haltung verlassen müssen. Es hat bereits eine Komiteesitzung stattgefunden, deren Verlauf vorläufig geheimgehalten werden muss. Aber es heisst, dass sich Abgeordneter Hofrat K u r a n d a gegen die Einleitung einer parlamentarischen Hilsner- Aktion ausgesprochen hat ... Musste denn gerade der jüdische Abgeordnete des Franz Josef-Kais Herrn Breiter m den Arm fallen? Wenn Herr Kuranda nicht mittut, dann wirds wohl auch ohne ihn gehen. Der Fall Hilsner darf nicht zur Ruhe kommen, denn Hilsner ist unschuldig. Wenn es in Oesterreich noch eine Gerechtigkeit gibt, dann wird noch einmal der Kassationshof trotz aller „Beweise" das Urteil aufheben müssen, weil der § 362 Strafprozessordnung nicht dazu da ist, dass er bloss auf dem Papier bleibt. Dieser Paragraph lautet: „Der Kassationshof ist berechtigt, nach Anhörung des Generalprokurators im ausserordentlichen Wege ... die Wiederaufnahme des Strafverfahrens zugunsten des wegen eines Verbrechens oder Vergehens Verurteilten zu verfügen, wenn sich ihm bei einer auf besonderen Antrag des Generalprokurators vorgenommenen Prüfung der Akten erhebliche Bedenken gegen die Richtigkeit der dem Urteile zu Grunde gelegten Tatsachen ergeben, welche auch nicht durch einzelne, vom Kassatlotishofe etwa angeordnete Erhebungen beseitigt werden. Der Kassationshof kann in solchen Fällen auch sofort ein neues Urteil schöpfen, wodurch der Beschuldigte freigesprochen . . . wird!" Auf Grund dieser Gesetzesbestimmung wurden die wegen „Ritualmordes" dreimal (von den Schwurgerichten Rzeszow und Krakau) zum Tode verurteilten Ehegatten Ritter freigesprochen. Damals lebte aber noch Geaeralprökurator Dr. Glaser . . . . L. Das neuentdeckte Judenland. (Rede Israel Zangwills auf einem Massenmeeting.) Manchester, den 10. Dezember. Am letzten Sonntag fand im hiesigen Hippodrom ein jüdisches Massenmeeting statt, wie es Manchester noch nicht gesehen hat. Viele tausende Juden sind aus allen Teilen der Stadt herbeigeeilt, da man von Israel Zangwill etwas Neues, Epochales in seiner Rede erwartete. Den Vorsitz iührte Mr. Langdon, der Präsident der hiesigen Itogruppe, welcher die Versammelten, darunter auch sehr viele christliche Persönlichkeiten (Bischof Stanmore, Altbürgermeister The w 1 i s samt Gattin, Parlamentsmitglied Nuttall etc. etc.) begrüsste und Herrn S p i e 1 m an das Wort zur .Resolution erteilte: „Das Massenmeeting der Manchester Juden und ihrer Mitbürger, welches heute im Hippodrom stattfindet, anerkennt das Programm der Ito, welches den Zweck hat, ein autonomes Territorium für diejenigen Juden zu schaffen, die in den Ländern, wo sie jetzt wohnen, nicht bleiben können oder nicht bleiben wollen." Ich muss mich selbstverständlich darauf beschränken, Ihnen bloss die wichtigsten Stellen der Zangwill-Rede mitzuteilen, da selbe, wie ein englischer Journalist berichtet hat, mehr als 12.000 Worte zählt. Die Rede Zangwills. „Die Resolution, welche zu unterstützen ich hier die Ehre habe, ist Ihnen bereits von meinem Kollegen, dem Herrn Präsidenten, erklärt worden. Ich persönlich will mich jedoch mit dem Texte derselben beschäftigen, Wort für Wort, wie wenn ich ein Prediger wäre. Hoffentlich werden Sie dabei nicht einschlafen. (Heit erkeit.) Unser Programm ist aus Absicht, oder Dummheit missverstanden worden, und deshalb ist es gut, es nochmals zu wiederholen: Die Schaffung eines autonomen Territoriums tür diejenigen Juden, die in ihren gegenwärtigen Wohnorten nicht bleiben können oder wollen. Für diejenigen Juden; nicht tür die Juden. Für diejenigen Juden, die, wo sie sind, nicht bleiben können oder wollen. Nicht für diejenigen, welche bleiben können und wollen. Von ihnen verlangen wir lediglich, dass sie den anderen helfen. Kein Jude darf Angst haben, dass wir ihn in einen jüdischen Staat mitschleppen wollen. 12 Millionen Juden, die in allen Weltrichtungen zerstreut sind, können unmöglich auf einmal in ein Zentrum einwandern. Das wäre ein wilder Traum. Lassen Sie ihn! — Wir laden keinen Juden ein, sein Heimatsland zu verlassen, unser Material bildet derjenige, der es ohnehin verlässt, der durch sein Emigrieren beweist, dass er nicht bleiben will oder kann. Unser Problem bildet der jüdische Emigrant — der wandernde Jude. Das jüdische Emigrationsproblem. Der Strom der jüdischen Emigration ist, wie Sie alle'wissen, ein ungeheuerer, ewig fliessender Strom; er unterscheidet sich vom Sambation der jüdischen Legende, denn er ruht nicht einmal Samstag. Die Auswanderung aus Russland im Jahre 1906, nach den grossen Pogroms, wurde auf 200.000 Juden geschätzt. Rumänien, ein anderer Vulkan, speit fortwährend Juden aus. Jetzt gerade werden sie aus Marokko fortgejagt. Von Galizien strömt es zwar nicht so grausam, aber weit stärker. Selbst in Palästina gibt es schon eine Emigration. Das Geld, welches die Juden für diese zwecklose Emigration ausgeben, beträgt 1 Million Pfund Sterling jährlich. Genug für das Budget eines kleinen Staates!

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