Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 53 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425720--0533-2426823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 »flfeue National-Zeitung« Nr. 53 Rumänien die schrecklichen Resultate des Rassenhasses in Wirklichkeit erleben, wird man sicher bereit finden, um Gerechtigkeit für alle zu kämpfen. Auf Grund welcher Prinzipien können sie unsere Einheimischen ermutigen, sich ihrer Sache in fremden Ländern anzunehmen, wenn sie selbst versäumen, alles zu tun, um das Unrecht, das eingeborenen Bürgern dieses Landes zugefügt wird, wieder gut zu machen? Die neue Synagoge in Frankfurt a. M. gehört zu den bedeutendsten Synagogenbauten der letzten Jahrzehnte. Entsprechend dem Vorgehen aller jüdischen Gemeinden hatte auch die israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. ein Preisausschreiben erlassen, um einen geeigneten Entwurf für eine Synagoge auf dem an der Friedberger Anlage gelegenen Gelände zu erhalten, aus dem die Architekten Jürgensen und Bachmann, Charlottenburg, als Sieger hervorgingen und die Ausführung übertragen erhielten. Die Arbeit ist infolge des schmalen, zwischen Häusern eingebauten Bauplatzes sehr erschwert gewesen. Außer dem eigentlichen, zirka 1000 Männer-, 60 Sänger- und 600 Frauenplätze umfassenden Synagogengebäude sollte der Neubau Vorhallen, Kleiderablagen, Toiletten, Versammlungsräume, Waiteräume für Trauungen, Kanzleiräume, Wohnungen für Beamte usw. enthalten. Der Hauptzugang zur Synagoge erfolgt für Männer über den malerischen Vorhof, während die Frauenzugänge in den seitlichen Flügelbauten an der Straße liegen. Alle anderen Nebenräume liegen in diesen Flügelbauten. Dem Bauplatz sich anpassend, ist der Hauptraum der Synagoge als ein langgestreckter,^ dreischiffiger Raum angelegt; über den Seitenschiffen und der Vorhalle liegen die Frauenemporen. Diese innere Entwicklung kömmt im Aeußern klar zum Ausdruck; die geschickte Anordnung der Lichtquellen, die den dahinterliegenden Raum erkennen lassen, bestimmt wesentlich die architektonische Wirkung. Das Gesamtbild ist ungemein reizvoll. Die Erbauer vermieden alles orientalische und versuchten den Synagogenbau mit Formen deutscher Kunstauffassung zum Ausdruck zu bringen. Mit diesem Synagogenbau hat Frankfurt einen neuen Kultusbau erhalten, der weit über seine Grenzen hinaus nicht ohne Einfluß bleiben wird. Dem Rabbiner Dr. J. Freimann aus Holleschau (Mähren), wurde in Ostrowo die Naturalisierung und damit die Bestätigung seiner Wahl zum Rabbiner durch Erlaß des Ministers des Innern von Preußen vom 25. v. M. endgiltig verweigert. Die provisorische Ausübung der Rabbinats - Funktionen bis zur Wiederbesetzung der Stelle ist Herrn Rabbiner Dr. Königsberger, Pieschen übertragen worden. GBMGiNttEuNi VSReiNSNÄlftRKBWJ Wien. Mittwoch, den 4. d. M. veranstaltete der »Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein« im großen Saale des »Ottakringer Bräu« eine C h a n u ka h f e i e r. Ein sehr distinguiertes Publikum aus allen Bezirken wohnte der würdigen Feier bei. Herr Kantor Friedländer entzündete die Chanukahlichter und brachte das Chanukahlied mit einem Terzett zum Vortrage. Dann hielt der Obmann des »Hietzinger Tempelvereines«, Herr Dr. K r e n b e r g e r, eine kleine Ansprache an die Kinder, worauf diese beschenkt wurden. 24 arme Kinder wurden vollständig mit Wäsche und Kleidern ausgestattet und von den Vereinsdamen festlich bewirtet. Auch eine Juxlotterie war zum Jubel der Kleinen vorbereitet. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 19. Dezember 1907, präzise 7«8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Doktor Ludwig Stein, Professor an der Universität in Bern, statt Thema: »Der religiöse Optimismus.« Eintritt frei, ohne Karten. Prag. Der Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten hielt jüngst im Lehrsaale der Handelsschule Wertheimer, unter Vorsitz des Obmannes, Herrn kaiserl. Rates Philipp F a 1 k o w i c z, seine diesjährige Generalversammlung ab. Den Geschäftsbericht erstattete der Geschäftsleiter Herr J. U. Doktor Theodor W e 11 s c h. Der Bericht gedenkt zunächst der abgeschiedenen Ausschuß- und Vereinsmitglieder und der Anteilnahme anläßlich des 70.'Geburtsfestes des gründenden Mitgliedes, Herrn kaiserl. Rates Moritz Hahn, der aus diesem Anlasse den Vereinsinstitutionen 4000 K zugewendet hat. Dieser Betrag, sowie andere Spenden und Legate haben das Verwaltungsjahr immerhin zu einem ergiebigen gestaltet, so daß der Verein nicht nur seinen Agenden und Wohlfahrtseinrichtungen Genüge leisten, sondern auch noch manche andere, teils schon bestehende, teils neu ins Leben gerufene Vereinigungen subventionieren konnte. In warmen Worten wird endlich an alle Mitglieder appelliert, dem Verein ihr Interesse zu bewahren und Sorge dafür zu tragen, daß auch weitere Kreise sich in den Dienst seiner Tendenzen stellen mögen. Hierauf erstattete der Kassier, Herr David T r o 11 e r, den Kassabericht. Die Einnahmen im abgelaufenen Vereinsjahre betrugen 12,615'30 K gegen 9,16812 K im Vorjahre, die Ausgaben 9,84071 K gegen 9,47878 K. Der Vermögensstand beziffert sich auf 57,697'98 K. Nach Genehmigung der Berichte meldete sich Herr David Schütz zum Worte, um unter dem lebhaftesten Beifalle der Anwesenden den Vorsitzenden zu der ihm vom Kaiser verliehenen Auszeichnung namens der Mitgliedschaft zu beglückwünschen. Nach den Dankesworten des Präsidenten erstattete Frau Julie Leipen den Spezialbericht der Sektion für Krankenpflegerinnen, der mit Befriedigung konstatiert, daß diese Institution auch im Berichtsjahre segensreich gewirkt und mit besonderer Genugtuung hervorhebt, daß infolge der stetig wachsenden Zahl der Schwestern ein neues, geräumigeres Heim in der verlängerten Hilbernergasse etabliert wurde. Preisausschreib ang. Prag. Der hiesige Verein zur Förderung und Verbreitung der Wissenschaft des Judentums »Afike Jehuda« schreibt hiemit anläßlich der Feier seines 40jährigen Bestandes für die beste wissenschaftliche Arbeit über das Thema: Die Josephinische Gesetzgebung und ihre Rückwirkung auf die Geschichte und Literatur der Juden in Böhmen« einen Preis von 500 Kronen aus. Der Verein behält es sich vor, eventuell auch einer zweitbesten Arbeit einen Preis zuzuerkennen. Das Werk muß spätestens bis zum 31. Oktober 1908 dem Vorstande des Vereines vorgelegt werden und ist mit einem Motto zu versehen; in einem geschlossenen Kuvert, dessen Außenseite dasselbe Motto trägt, soll der Name des Autors enthalten sein. Bielitz. Israelitischer Handwerkerverein. Am T. Dezember nachmittags fand im Festsaale der Kultusgemeinde unter zahlreicher Beteiligung die Generalversammlung des israelitischen Handwerkervereines, verbunden mit der Beschenkung von 35 armen Lehrlingen mit Schuhen und warmer Winterkleidung, statt. Eröffnet wurde die Feier mit einer herzlichen Ansprache des Vereinsobmannes, Herrn Kestel, an die zu. beteilenden Lehrlinge, in der er dieselben in warmen, väterlich liebevollen Worten zur Dankbarkeit gegen ihre Wohltäter, zu Fleiß und Gehorsam gegen ihre Lehrherren, sowie zu wahrer und inniger Gottesfurcht ermahnte. Der Vorsitzende begrüßt hierauf die Erschienenen, besonders Herrn Rabbiner Dr. Gl a s e r-Biala, den Kultusvorstand Herrn kaiserl. RatP o 11 a k, dessen Stellvertreter Herrn Tugendhat und gedenkt dann in warmen Worten der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitgliedern, deren Andenken von den Versammelten durch Erheben von den Sitzen geehrt wird. Auf dem hierauf von Herrn Kestel zürn Vortrage gebrachten Rechenschaftsberichte ist folgendes zu entnehmen: Die Zahl der Mitglieder beträgt 135, von denen 33 auf Biala entfallen. 35, den verschiedensten Gewerben angehörende Lehrlinge, genießen die Fürsorge des Vereines. Das Gebahrungsjahr schließt mit einem Saldovortrage von 21 K. Die Bekleidung und Beschuhung der Lehrlinge erforderte einen Betrag von 620 K. Im Anschlüsse an den beifällig aufgenommenen Jahresbericht, ergreift Herr Kultusvorstand Pollak das Wort. Er verweist darauf, daß die große Zahl der Erschienenen das Interesse dartue, welches man allenthalben dem Handwerkervereine entgegenbringe. Er würdigt das stille, anspruchslose Wirken, sowie die segensreiche Tätigkeit des Vereines. Wenn der Verein mit den ihm zu Gebote stehenden, verhältnismäßig geringen Mitteln seine Aufgabe in so glänzender Weise lösen könne, so sei dies wohl in erster Linie der ruhigen, zielbewußten Arbeit des Vorstandes, besonders aber des Herrn Kestel zu danken. Er dankt diesem namens der ganzen Kultusgemeinde für seine Tätigkeit und wünscht, daß dieser dem Vereine noch viele Jahre erhalten bleibe. Schiffsiiaclirichteii. Die Hamburg-Amerika Linie meldet: Nordamerika: „Albano* nach New-York und New-Port News, 5. Dezember 12 Uhr mittags St. Catherines Point passiert. „BadeniaJ 5. Dezember 10 Uhr morgens in Baltimore. „Batavia" von New-York nach Neapel und Genua, 5. Dezember 4 Uhr morgens Gibraltar passiert. „Kaiserin Auguste Vicktoria", von New-York kommend, 6. Dezember 5 Uhr 35 Minuten morgens von Plymouth nach Cherbourg unl Hamburg. „President Lincoln" 5. Dezember 7 Uhr abends von New-York nach Neapel, Genua und- Hamburg. „Pretoria" von New-York kommend, 6. Dezember 10 Uhr 55 Minuten morgens auf der Elbe. „Prinz Oskar" 5. Dezember 4 Uhr nachmittags in Genua. „Sweethope" 2. Dezember nachmittags von Galveston direkt nach Hamburg.