Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 53 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53 »Neue National-Zeitung« Seite 5 Felde gelegen, voll Sehnsucht nach dem Stückchen Erde, das sie euphemistisch „Heimat" nennen . .. Bald werden sie's erfahren: nach links und rechts, wohin auch die Schienenstränge ins Land leuchten, erwartet sie der Jammer, dem sie entflohen, dort gibt es wieder den Kampf um die Plätze . . . Ein aussichtsloserer Kampf, weil die Eisenbahnwaggons schließlich dennoch kommen und ans gewünschte Ziel bringen, das Ringen um einen Platz im Leben, allzuoft mit dem Leben bezahlt werden muß . . . Unser inniges Mitgefühl umfaßt alle, die das alte Elend mit einem neuen vertauschen. Aber es wendet sich vor allem den Unglücklichsten dieser Unglücklichen zu, den Heimatslosen: unseren russischen Brüdern. Wer von ihnen wird in die Schrecken der täglichen Pogroms, in die Arme der „Schwarzen Hundert" laufen? ... Sie kämpfen nicht-, um die Plätze, stehen abseits, hoffnungsleer und resigniert, seit ihre letzte Hoffnung, „ihr" Amerika zusammenbrach . . . Und das alte Lied der neuesten Zeit beginnt: Wohin? . . . Das alte, alte, so traurige Lied des Volkes, mit dem einen Wort: Wohin"?... Noch sind wir nicht so weit, um diesen Prügeljungen des Schicksals eine Zufluchtsstätte, ein „Nachtasyl" bieten zu können und es bleibt uns nur die Hoftnung, daß es der einen Bewegung gelingen werde, zu erreichen, was die andere „Volksbewegung" ignoriert . . . Grnesto Ilathan über die Dudenfrage. (Von unserem Korrespondenten.) Rom, den 6. Dezember 1907. Der jüngst gewählte Bürgermeister unserer Stadt hat niemals aus seiner Zugehörigkeit zum Judentum ein Hehl gemacht und es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, zu sehen, wie sich manche klerikale Blätter anstrengen, ihren Schmerz über die Wahl eines Juden zum Bürgermeister dadurch zu lindern, daß sie ihn als Renegaten hinstellen. Wie Ernesto Nathan über das Judentum und über die Judenfrage denkt^ hat er dieser Tage selbst einem Berichterstatter gegenüber geäußert. Er sagte: „Gleich vielen unserer Glaubensgenossen hierzulande, halte auch ich unerschütterlich daran fest, daß das Judentum dazu bestimmt ist, zu allen Zeiten und aller Orten auf der großen Völkeibühne mit an der Spitze der Zivilisation zu schreiten. Und daß uns Juden diese Rolle immer wieder zufällt, darauf können wir wahrhaftig stolz sein. Ich bekenne es rückhaltslos, daß, obzwar ich Freimaurer bin, ich nichtsdestoweniger die Religion meiner Ahnen hoch in Ehren halte. Und was speziell den Zionismus betrifft, möchte ich mich darüber nur insoweit äußern, daß ich sage, ich teile in diesem Punkte die Ansicht unseres unvergeßlichen großen Luzatto, welcher doch bekanntermaßen der jüdisch nationalen Bewegung sympathisch gegenüberstand. Gleich ihm gebe auch ich meiner Meinung Ausdruck, daß der Zionismus vielfach dazu beitragen wird, daß endlich auch in den Staaten Ost-Europas die hochaufgetürmten Ghettomauern niedergerissen und die getretenen, geknechteten Glaubensbrüder dortselbst endlich einmal Gleichberechtigung — in des Wortes edelster und vollster Bedeutung — erlangen werden." P* AGERDI. Die Darlehenskasse der „ICfl" in Zablotöw. Ich will nicht vom Meritum der „ICA"-Anstalten sprechen. Daß sie den Kleinhandel und das Kleingewerbe der armen jüdischen Bevölkerung fördern, muß der Neid ihnen lassen; ob sie in der gegenwärtigen Ausdehnung jene Remedur auf dem Gebiete des galizischen Kreditwesens schaffen werden, die man von ihnen erhofft, mag dahingestellt bleiben. Zweck dieses Aufsatzes ist nur die besondere Hervorhebung zweier Faktoren, die zur Prosperität dieser Kassen das meiste beitragen und trotzdem nicht nach Gebühr gewürdigt werden. Zum Ausgangspunkt meiner Ausführungen nehme ich die Darlehenskasse in Zablotöw, weil ich die Geschäftsgebarung derselben aus eigener Wahrnehmung zu kennen glaube, obwohl ich zu deren Leitung in gar keinem Verhältnisse stehe. Die Darlehenskasse der „ICA" in Zablotöw ist kein selbständiges Institut, sie untersteht der Zentrale in Kolomea. Dieses Abhängigkeitsverhältnis mochte der raschen Entwicklung derselben hinderlich sein. Trotzdem hat die anfangs kleine und bescheidene Filiale eine rege Tätigkeit entfaltet. Gegenwärtig zählt die Filiale mehr als 350 Mitglieder mit ungefähr 500 Anteilscheinen, an die im laufenden Geschäftsjahre etwa 50.000 Kronen verliehen wurden. Die jüdische Bevölkerung ist von der Nützlichkeit und Wohltätigkeit de. Kasse vollkommen durchdrungen und bringt ihre Dankbarkeit dadurch am