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Neue Nationalzeitung · 1907-12-06 · Heft 52 (6.12.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 52 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52 »Neue National-Zeitung« Seite 5 der sizilianischeu Maffia. Bejahrte jüdische Handwerker, Mädchen und oft sogar Kinder werden den schrecklichsten Foltern unterzogen, Verwundungen und oft sogar einfach Morde seitens der „Verteidiger der Ordnimg" aus eigenen Gnaden, die meistens im Dunkel der Nacht ihre Tätigkeit entfalten und die ihre Mission der „Friedensstiftung" als umso erfolgreicher erfüllt betrachten, je mehr Messer- und Dolchstiche in Bäuche und Rücken zu versetzen ihnen gelang ..." * (Aus dem lokalen Teil desselben Blattes.) »Gestern morgens erschienen im Ambulatorium des jüdischen Krankenhauses mehrere Personen, die am Vorabend in verschiedenen Straßen der Stadt mißhandelt worden waren. Die erste ärztliche Hilfe war ihnen in Apotheken, Krankenstationen und in den Wohnungen von Privatärzten erwiesen worden. Mittags erschien dort W. Beigel, gegen 10 Uhr abends überfiel ihn eine von den Scharen »junger Leute« an der Ecke M-Arnautskaja und Kanatnaja und versetzte ihm mit einem Stück schweren Eisens eine Wunde in den Kopf. Aron Furoranski und der Schüler der Technischen Hochschule, Lew Reutmann, wurden von einer Schar »junger Leute« überfallen, unter denen Reutmann einen gewesenen Schulkameraden, Arsaniano, erkannte. Auf der Station der Rettungswache erschien der Makler Robert Chaimowitsch, der auf der Ecke Polizeskaja und Kolodesni Xer. durch einen Messerstich in den Rücken verwundet worden war. Gestern abends überfielen Unbekannte den Angestellten Großmann aus dem Geschäfte Bomse auf der Ecke Jekarinenskaja und Basarnaia und versetzten ihm einen Messerstich in den Rücken. Großmann wurde in die Station der Rettungswache eingeliefert, wo ihm ein Verband angelegt wurde. Der im Hotel »Odessa« wohnende Kaufmann Grigori Smolanski kehrte um 7 Uhr abends ins Hotel zurück. Als er den Alexandrowski- Prospekt erreichte, wurde er von drei jungen Leuten umzingelt, die gegen ihn den Revolver richteten und ihn die Hände hoch halten ließen. Die Räuber durchsuchten ihn, nahmen sein Portemonnaie mit 1450 Rubel und zwei Wechsel auf 600 Rubel und verschwanden. In den Bäckerladen Ch. Cohen auf der Basarnaiastraße 33, drangen zwei unbekannte junge Leute ein, versetzten mit einem Messer der vierzehnjährigen Tochter Cohens eine Wunde in den Kopf und verließen den Laden. Chajim Jankelewitsch ging von der Arbeit zusammen mit 2 Arbeiterinnen aus der Wäschewerkstatt von Feinstamm. An der Ecke Basarnaia-Straße und Alexandrowski-Prospekt überfiel sie eine Gruppe von 10—12 jungen Leuten, die den Jankelewitsch mit einen Stock auf den Kopf schlugen, ihn darauf zu Boden warfen und ihm eine Messerwunde im Rücken beibrachten. Die jungen Leute entkamen. Pessach Gores, ein jüdischer Lehrer, passierte die' B- Arnautskaja ungefähr am selben Orte, wo der vorige Vorfall sich ereignete; eine Bande junger Leute überfiel ihn und stachen ihn mit einem Messer in den Rücken. Gores erreichte mit Mühe die Apotheke von Strisower, von wo er nach der ersten Hilfeleistung ins jüdische Krankenhaus eingeliefert wurde. N. Plant, trank Tee zusammen mit seinem Vater im Restaurant »Jubilee« in der Polizeistraße. Auf dem Wege nach Hause wurden sie auf der Richelieustraße von jungen Leuten umzingelt. Dem Vater gelang es zu fliehen; dem Sohne brachten die Unbekannten eine Wunde im Rücken bei und liefen davon. David Abiin, Angestellter in der Fleischhandlung von Mirolsohn, wurde Ecke B.-Arnautskaja und Preobraschenkaja von einer Schar junger Leute umzingelt, die ihm einen Schlag ins Gesicht und einen Messerstich in den Rücken versetzten.« Usw. usw. | Der Bericht des HilfsVereines. Dem „Hilfsverein der Deutschen Juden" in Berlin gehen folgende Nachrichten über die neuesten Verbrechen der Schwarzen Hundert in Odessa zu. Am Mittwoch, den 27. November, versuchte eine Räuberbande das Kontor eines Arbeitervereines in Odessa zu überfallen. Als sie von der Polizei überrascht wurden, warfen sie Bomben und verwundeten mehrere Polizisten. Der Vorfall brachte große Erregung in die Stadt und diese Erregung wurde von den Mitgliedern des Verbandes des russischen Volkes benutzt, um von neuem über die Juden in Odessa herzufallen. Gruppen der Schwarzen Hundert begaben sich in die Hauptstraßen der Stadt, überfielen mit Messern und Gummiknüppeln bewaffnet, alle Juden, die ihnen begegneten. Eine große Anzahl wurde mißhandelt und verwundet. Zehn lebensgefährlich verletzte Juden wurden in das jüdische Krankenhaus eingeliefert. Am Abend wiederholten sich diese Ausschreitungen. In der Dunkelheit drangen die Exzedenten in die jüdischen Läden und Werkstätten ein, vernichteten Waren und Mobiliar, mißhandelten die Besitzer in der schwersten Weise und raubten, unbelästigt von der Polizei, Waren und Wertsachen, deren sie habhaft werden konnten. Am Tage darauf am 28. November fand das Begräbnis des so plötzlich verstorbenen Generalgouverneurs Nowitzki in Odessa statt, der erst vor Kurzem nach den letzten schweren Ausschreitungen im September nach Odessa berufen worden war, um Ruhe und Ordnung, wieder herzustellen. Die Banden der Schwarzen Hundert' nahmen das Begräbnis wiederum zum Anlaß, um sich aufs Neue auf die Juden zu stürzen. Zahlreiche Juden wurden auch an diesem Tage mißhandelt und verwundet und die rohen Gesellen kühlten ihr Mütchen selbst an Frauen und Kindern. Wie am Abend vorher drangen die Exzedenten gruppenweise in jüdische Läden und Werkstätten ein und verübten dort ihre Untaten, ohne daß die Polizei Gelegenheit nahm, irgend einen der Uebeltäter zu verhaften. Die neuerlichen furchtbaren Vorgänge in Odessa sind eine Fortsetzung der Schreckensherrschaft, die die Schwarzen Hundert nun seit geraumer Zeit über diese Stadt ausüben. In frischer Erinnerung sind noch die schweren, gegen die Juden gerichteten Unruhen, die im August und September in Odessa stattfanden. Von ihrem Umfang gewinnt man ein Bild, wenn man erfährt, daß in der Zeit vom 8. August bis zum 27. September mehr als 300 durch die Schwarzen Hundert Verwundete das jüdische Krankenhaus haben aufsuchen müssen, darunter eine Anzahl Christen. 45 Personen hatten sich außerdem einer längeren Krankenhausbehandlung zu unterziehen. Noch sind die alten Wunden kaum vernarbt und schon wieder hat die jüdische Bevölkerung die Schrecken und Qualen eines Pogroms durchzumachen, der neue Opfer schafft, neues Elend und neue Hoffnungslosigkeit. DAS PARLAMENT. Der Jüdische Klub hat im Parlamente bereits festen Fuß gefaßt. Die einzelnen Mitglieder desselben haben in der letzten Zeit bei allen wichtigen Momenten das Wort ergriffen, um ihre Meinung auf die Wagschale zu werfen. Adolf Stand hat sowohl anläßlich der Ernennung Abrahamowicz's zum polnischen Landsmannminister wie auch anläßlich des allgemein slavischen Protestes gegen die Enteignungsvorlage in Preußen, entschiedene und dabei sehr würdige Erklärungen abgegeben; Dr. Mahl er hat mit seiner Rede zum Dringlichkeitsantrag Masaryks die Aufmerksamkeit des ganzen Hauses im Banne gehalten. Der Antrag des Krakauer „unabhängigen Juden" Dr. Adolf Groß, auf Vermehrung der Geldzirkulation in Galizien, fand die warme Unterstützung Stands; trotzdem aber wurde die Dringlichkeit abgelehnt. Den Kampf, den jetzt das Parlament gegen die Entfernung der theologischen Fakultät von den Universitäten führt, ist nichts anderes, als eine Antwort auf Luegers Eroberungszug gegen die Universitäten. Es durften sich bei dieser Debatte die jüdischen Abge-

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