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Neue Nationalzeitung · 1907-11-29 · Heft 51 (29.11.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 51 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Neue National-Zettung« Nr. 51 militärischen Persönlichkeit ist uns ein Artikel über die Person und das Treiben des Dr. v. U r i e 1 zugekommen, den wir infolge Raummangels erst in der nächsten Nummer bringen werden. Deutschland. Der Hilfsyerein der Deutschen Juden. Berlin, den 25. November. (Orig-Korr.) Der »Hilfsverein der Deutschen Juden« versendet soeben seinen Bericht über die Tätigkeit vom 1. Jänner bis 30. September 1907. Wir ersehen daraus, daß seine Mitgliederzahl bereits auf 17.000 gestiegen ist, die während der 9 Monate an Mitgliedsbeiträgen 120.000 Mark eingezahlt haben. Der Verein hat seine Tätigkeit auf verschiedene Ländereien und Gebiete erstreckt. Er fördert Schulen im Orient und in der Levante; er entwickelt ein großes Hilfswerk in Rumänien, er organisiert die Emigration nach Amerika. Ueber das Hilfswerk in Galizien lesen wir: »Das Hilfswerk für Galizien führt der Hilfsverein in Verbindung mit dem W i e n e r Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien und der eng befreundeten Großloge für Deutschland weiter fort. Der »Hilfsverein der Deutschen Juden« hat auch in diesem Jahre wiederum die Mittel für den Spezialdelegierten zur Verfügung gestellt, der, in Galizien stationiert, die dortigen Verhältnisse in Bezug auf die Einführung neuer Industrien und die Belebung und Ausbreitung bestehender, ständig verfolgt. In der Haarnetzindustrie, der Spitzenklöppelei, der Kleiderkonfektion findet eine erhebliche Anzahl von Arbeitskräften lohnende Beschäftigung. Weitere Arbeitsgelegenheiten werden im laufenden Jahre auf dem Gebiete der Wäschekonfektion und Weißstickerei erschlossen. Erwähnt sei auch, daß eine Reihe von Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, die in Galizien ihren Sitz haben, vom Hilfsverein subventioniert werden. Ferner gewährte der Hilfsverein, da sich die Institution des Kindergartens auch in Galizien aufs beste bewährt hat, und er mit besonderer Freude die aus der Initiative galizischer Persönlichkeiten hervorgegangenen Bestrebungen unterstützt, im laufenden Jahre die Mittel zur Begründung von zwei Kindergärten, in Tarnow und Kolomea, so daß er also in diesem Lande, mit dem schon früher begründeten Kindergarten in Stanislau, drei Kindergärten subventioniert. Die Ausbildung von galizischen Knaben zum Handwerk nimmt ihren Fortgang. Die Errichtung von Analphabetenschulen, die an möglichst vielen Orten erfolgen soll, trägt die besten Früchte. Auf dem Gebiet der Jugendfürsorge und kulturellen Hebung leiht der Hilfsverein, wo sich die Gelegenheit bietet, seine Mitwirkung.« Auf dem Gebiete des Schulwesens leistet der Verein auch viel Ersprießliches für Palästina. In dem Berichte heißt es: »Der Hilfsverein hat in diesem Jahre in Palästina, wo er zur Zeit die meisten Schulen unterhält, eine Handelsrealschule in Jerusalem und weitere Kindergärten in Beirut, Haifa und Tiberias begründet. Die Subventionen der Lehranstalten in Jerusalem und Jaffa wurden insbesondere im Hinblick auf die große Inanspruchnahme durch mittellose russische Emigrantenkinder beträchtlich erhöht. Der Lehrplan des Seminars des Hilfsvereins in Jerusalem, das Lehrer für Palästina, insbesondere die jüdischen Kolonien daselbst, und für die Balkanländer und die europäische Türkei heranbildet, hat eine wichtige Erweiterung durch Einführung theoretischer und praktischer landwirtschaftlicher Kurse erfahren. Tüchtige Lehrkräfte, die in Deutschland ihre Ausbildung empfangen haben, sind für Seminar, Schulen und Kindergärten gewonnen worden. Eine Reihe von Bildungs- und humanitären Instituten, die für das kulturelle und wirtschaftliche Leben Palästinas von hervorragender Bedeutung sind oder zu werden versprechen, sind unterstützt worden: — so in Jerusalem die Lämelschule, die Zentralbibliothek, das jüdische Mädchenheim, das russische und palästinensische Waisenmädchen aufnimmt.« Speziell auf dem Gebiete des Schulwesens im Orient, sollen demnächst auf Grund der von Dr. Nathan während seiner Studienreise gewonnenen Erfahrungen wesentliche Fortschritte erzielt werden. Die Tätigkeit des „Bezalel". Berlin, den 25. November. (Orig.-Korr.). Am 17. d. M. fand im Sitzungssaale der Großloge des B'nai- B'rith Ordens für Deutschland die erste Hauptversammlung des Vereines zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern »B e z a 1 e 1« statt. Den Bericht erstattete der Vorsitzende Prof. O. War bürg. Er wies darauf hin, daß die Förderung von Hausindustrie und Handwerk eines der erfolgreichsten Mittel zur Beseitigung der materiellen Not, die unter der städtischen jüdischen Bevölkerung Palästinas herrscht. Die Einführung von Hausindustrien wird auch_ zur Stärkung der Kolonien in hohem Grade beitragen. Besonders aussichtsreich ist die Entwicklung des Kunsthandwerkes, da kunstgewerbliche Erzeugnisse nicht nur infolge des fortgesetzt zunehmenden Fremdenverkehres in Palästina allein, sondern auch in allen Ländern der Diaspora großen Absatz finden werden. Die bisherigen Erfahrungen beweisen, daß die Schule einem wirklichen Bedürfnis entspricht und ihre Wirksamkeit von den segensreichsten Folgen für das Wohl der palästinensischen Judenheit sein wird. Die Bedeutung der Schule wird darin liegen, immer neue Hausindustrien und Kunstgewerbe in Palästina einzuführen und unter der Bevölkerung zu verbreiten. Eine hervorragende Kraft gewann jetzt die Schule in dem rühmlichst bekannten Maler S. Hirszenberg, der seine Tätigkeit als Lehrer für Zeichen- und Dekorativunterricht im Oktober aufgenommen hat. Gegenwärtig bestehen in der Schule folgende Abteilungen: I. Höhere Klasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modellierunterricht (für vorgebildete Schüler). II. Vorbereitungsklasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modellierunterricht (für Anfänger). III. Abteilung für Teppicharbeiten. In dieser Abteilung finden 48 Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren, meist aus Jerusalem stammend, Beschäftigung. Die Mädchen lernen ein Jahr lang ohne Entgelt und erhalten im zweiten Jahre 15 Frks. monatlich. Ungefähr 25 Mädchen waren bereits vor drei Monaten so weit, daß sie diesen Verdienst bezogen. Dieser kleine Verdienst der Mädchen ist in Jerusalem schon eine sehr wesentliche Mithilfe für ihre armen Eltern. IV. Abteilung für Steinhauer. In dieser Abteilung wurden 43 Steinhauer und 3 Maurer in kurzer Zeit so ausgebildet, daß sie bereits 1'20 Franks bis 1'50 Franks täglich verdienen. Ihr Verdienst wird, wenn sie sich größere Fertigkeit angeeignet haben werden, bis auf 3 Franks täglich steigen. V. Die Abendschule. Die Abendschule wird von älteren und jüngeren Jerusalemer Handwerkern besucht, die daselbst hauptsächlich Unterricht im Zeichnen erhalten und in der Ausübung ihres Handwerkes vervollkommnet werden. VI. Abteilung für Holzarbeiten. Vor wenigen Monaten ist diese neue Abteilung eingerichtet worden. Es sollen hier hauptsächlich einfache Tischlerarbeiten, sowie kunstgewerbliche Holzschnitzereien ausgeführt werden! Es besteht auch die Absicht, schon in der nächsten Zukunft die Korbflechterei und mit ihr in Verbindung stehende Stroharbeiten im Bezalel einzuführen. Diese Industrie hätte hauptsächlich große Bedeutung für die landwirtschaftlichen Kolonien. Mit hoher Genugtuung nahm die Versammlung den Beitritt einer größeren Anzahl von B'nai B'rith-Logen, sowie mehrerer jüdischer Gemeinden, die insbesondere, dank der Agitation des Herrn Rabbiner Löb inSzegedin in Ungarn, den Bezalel zu fördern, sich entschlossen haben, zur Kenntnis. Hoffentlich wird dieses schöne Beispiel auch andere Gemeinden und jüdische Vereine zur Nachahmung anregen. Als Vorsitzender wurde Professor 0. Warburg wiedergewählt; in den Vorstand wurden die Herren: Dr. Paul Nathan, Berthold Israel, Fabriksbesitzer S. Hepner, Dr. Hirsch Hildesheimer, Direktor Paul Lewy, Dr. E. Mittwoch, S. Bergel, Professor M. Philippson, Bert. Hamburg, Dr. Paul Schottländer, James Simon, Dr. S. Soskin, berufen. Den künstlerischen Beirat bilden wiederum die Herren Maler Jul. Bodenstein, Professor Max Liebermann, Maler Hermann Struck. Diese auserlesene Schar von Koryphäen der deutschen Kunst und von besten Männern innerhalb der deutschen Juden beweist, daß »Bezalel« nunmehr als Zentrum jüdischer Kunst- Renaissance und als Erziehungsmittel für die jüdische Jugend in Palästina in allen jüdischen Herzen Deutschlands festen Boden gefaßt hat. XXXXXXXXX\X\X\KHXXXX^K An unsere P. T. Leser! Die yorliegende Nummer erseheint mit Rücksicht auf das Makkabäerfest in größerem Umfange und reich illustriert als Festnummer. Sie kostet daher im Einzelyerschleiß 40 Heller und wird gegen Zusendung dieses Betrages (nur in Postmarken) franko expediert. Die Administration. »OOOOOOOOOOOOOOOOOOÖC

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