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Neue Nationalzeitung · 1907-11-29 · Heft 51 (29.11.1907) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 51 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Veue National-Zeltung« Nr. 51 ntfachten Judenhaß ihre Herrschaftsgelüste zu befriedigen suchte. In diesem Kampfe bleibt die Kirche Siegerin. Sie zieht das Kapital auf ihre Seite; sie erobert auch die Seelen. Vor dem Kirchenaltar setzen sich jüdische Millionärstöchter Adelskronen auf ihr Haupt, der Taufschein ebnet den jüdischen Jünglingen den Weg nicht bloß ins Himmelreich, sondern auch zu den höchsten Staatsämtern. Die Taufliste nimmt erschreckende Dimensionen an. Die Väter der Gemeinde haben sich als Erzieher vorzüglich bewährt. Die jüdischen Volksmassen blieben und bleiben auf sich selbst angewiesen. Jeder Einfluß auf die Gemeinde wurde ihnen versagt, ihr Platz war stets abseits, niemand fand sich, um sie zu fuhren, sondern höchstens um sie als Piedestal zu benützen. Eine dicke Bretterwand trennt Klasse und Klasse innerhalb der Judenschaft von einander. Sie niederzureißen fehlt von der einen Seite der Wille, von der anderen noch die Kraft. Wofür haben also die Makkabäer gekämpft? Und welche Nutzanwendung gibt uns ihr Fest für die Gegenwart? Wenn wir keinen phantastischen Träumereien nachjagen wollen, dann kann das nationale Horoskop nur ein recht trübes Bild vor unseren Augen aufrollen. Es gibt keine Wunder mehr, wie einst zu Zeiten Juda Makkabis; jenes Martyrium, welches das jüdische Volk selbst in der Unfreiheit des Ghetto auszeichnete, hat einer anderen, realeren Weltanschauung Platz gemacht. Für das Volk ergibt sich aus den Taten der Makkabäer eine Lehre: das Selbstvertrauen. Die obersten Zehntansend im Judentum haben stets den Mantel nach dem Winde gedreht. Sie standen weder hinter Mathatias noch hinter Bar Kochba. Sägen wir ab diesen faulen Zweig von unserem mächtigen Stamme! Wälzen wir ab den Alp der Bevormundung ungeratener Brüder! Dann werden wir endlich Lügen strafen den Ausspruch Hegels: „Die Geschichte ist nur dazu da, um zu zeigen, wie die Menschen aus der Geschichte nichts gelernt haben." L. GEORGES CLEMENCEAU.*) Die Juden. Ein Ödes Dorf am äußersten Ende Galiziens, an der Grenze von Russisch-Polen. Wald und Schmutz ringsumher, eingefallene Hütten, an denen der Lehm geborsten ist. Auf den sumpfigen Straßen schleppt sich der lange Karren mühsam vorwärts und der bedauernswerte Reisende wird höchst unangenehm hin und hergerüttelt. Enten, Gänse scharren wackelnd herum, neben den abgezehrten Juden mit den talmudischen Stirnlöckchen, den Ruthenen mit den Schafmützen, den Mongolen, den Kalmücken in langen, weißen Kitteln mit mächtigen Kinnbacken, harten Wangen, zwischen denen die platte Nase heraustritt, mit den kleinen schiefgeschlitzten Augen. Ein asiatisches Feldlager, plötzlich im Kote festgehalten. Und um dieses Bild zu ergänzen, erhebt sich auf der Wiese ein Dorf mit Zelten, um die ein dunkles Volk von Zigeunern herumlungert. *) Der gegenwärtige französische Ministerpräsident hat vor einigen Jahren eine Studienreise durch Galizien unternommen und hiebei besonders den dortigen. Juden seine Aufmerksamkeit zugewendet. Wir sind in der angenehmen Lage, einige Aufzeichnungen darüber, unseren Lesern mitteilen zu können. Anmerkung d. Red. Was neben den Enten und Gänsen hier vorherrscht, das ist der unruhige, fromme, zu allen Geschäften verwendbare Jude. Das Elend dieser Leute ist grenzenlos. Man weiß nicht einmal, ob sie darunter leiden. Schmutzig, gedrückt, mit einem ewigen Lächeln willfähriger Gier. Vielleicht sind sie gar nicht unglücklich. Ihre Domäne ist der Dorfplatz, ein großes Parallelogramm um eine grünliche Pfütze, von niedrigen Häuschen umgeben. Ein ganzes Volk lebt da, eingeschicktes, arbeitsames, geduldiges Volk, von der wunderbarsten Ausdauer und mit Wenigem zufrieden, nach Allem strebend, unterwürfig, furchtsam, unversöhnlich, seit 1000 Jahren voll Willenskraft, bestehend. Man sagt, der Pole regiert Oesterreich. Der Jude aber erhält durch seinen merkantilen Sinn den Polen, den Bauern, den Gutsherrn. „AVenn ich irgend etwas kaufen oder verkaufen will", sagten mir die Gutsbesitzer, „so lasse ich einen Juden kommen. Seine Beziehungen zu allen Märkten des Landes, sein Verständnis für das Geschäft, sein Interesse an allem, leisten mir für prompte und gute Bedienung Garantie. Es gibt keine Großgrundbesitzer in Galizien, welche sich in Geschäftsangelegenheiten nicht an Juden wenden würden." Der Mann, welcher das sagte, besitzt nicht weniger als 6000 Hektar Boden. Das ist eine Herrschaft. Der größte Teil besteht natürlich aus Wäldern. Die Stunde der ökonomischen Revolution ist wohl noch nicht gekommen. Der Galizianer, Slave oder Jude, ist zum Elend geboren. Die Landwirtschaft bringt dem Gutsbesitzer nur einen mittelmäßigen Nutzen ein, dem Arbeiter schafft sie ein leidliches Dasein. Jeder scheint mit seinem Los zufrieden. Im asiatischen Blut steckt immer der Fatalismus. Ich habe vor Jahren den jüdischen Friedhof in Prag besucht. Er ist wie eine Lawine aus mächtigen Blöcken, die unter dem Sturm der Jahrhunderte zusammengestürzt sind. Hundertjährige Hollundergebüsche, die keine Hand abgeschnitten hat, hüllen mit düsterem Grün die Grabsteine ein. Man sieht die Bruchstücke von Inschriften, Abbildungen von Händen, gleich jenen Zeichen, die man bei den Religionen Asiens wiederfindet,symbolische Vögel und ferner Haufen kleiner Steine, die von frommen Besuchern als Zeichen der Ehrerbietung auf diese Gräber niedergelegt werden. Es ist ein alter Brauch aus der Wüste, wo der herumirrende Wanderer andächtig seinen Stein zu den als Begräbnisdenkmal aufgehäuften Steinen fügt. Ich habe diese Sitte in Galizien nicht wiedergefunden. Aber die Hände, die Vögel auf den Grabsteinen erinnern noch an jene primitiven Darstellungen, ein Wirrwarr von Bäumen, Brombeerstauden und Unkraut in der vollsten Freiheit der Natur. Alte Stämme modern auf der Erde, schwere Zweige, die vom Alter gebrochen oder vom Sturm gebeugt sind, drücken mit ihrem Gewichte die jungen Zweige nieder, die mit aller Anstrengung hinaufstreben und leben wollen; nirgends ein Fußsteig oder ähnliches. Die armselige Truppe, die uns stillschweigend gefolgt war, holt uns bald ein, kommt uns zuvor, schleicht natternartig durch die Zweige und führt uns zum Grabe, das wir suchen. Sie sind bedauernwerte Wesen, mit langen, knochigen Gesichtern, Bart und Stiefel von gleichem Schmutze triefend, von einer unglaublichen Lebenszähigkeit, mit schwarzen, feurigen Augen. Wir folgten ihnen durch das Gestrüpp unter dem Geräusch der brechenden Zweige, unter dem Peitschen der kleinen Aeste, hin und wieder auf einen Grabstein stoßend, der im Wirrwar des Astwerks verborgen war. Es war ein gewaltigerer Eindruck als der unserer anspruchsvollen Leichenstätte mit ihren grimassenschneidenden Figuren und ihren lügnerischen Inschriften.

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