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Neue Nationalzeitung · 1907-11-15 · Heft 49 (15.11.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 49 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 >N^ue National-Zeitung« Nr. 49 nach der Aeußerung eines „hohen Staatsmannes" — „voraussichtlich am 1. April 1908 im Monitorul official als Gesetz publiziert werden wird." — Bis dahin müssen alle bestehenden Gasthäuser aufgelöst werden, um den vom Staate verwalteten Gemeindegasthäusern Platz zu machen. Wir haben es wieder mit einem echt rumänischen Gesetz zu tun, das darauf zugeschnitten ist, tausenden jüdischen Steuerzahlern eine Erwerbsquelle zu verstopfen. Ein rumänisches Kriegsgericht. Jassy, den 10. November. (Orig.-Korr.) Der aus der DorohoierMilitärskandalaffäre sattsam bekannte Soldatenschinder Colonel Marasescu ist vom hiesigen Kriegsgerichte freigesprochen worden. Die Herren, die über diesen Henker in Uniform zu Gericht gesessen, wollten offenbar ihrem Kollegen der paar gefolterten Juden wegen, die Karriere nicht verderben. Und obwohl der Wüterich selbst ein volles Geständnis abgelegt, obwohl er wörtlich gesagt hat: „Auf meinen ausdrücklichen Befehl hat der Feldwebel Dumitriu die acht jüdischen Soldaten gesc hlage n" — tut nichts, der Henker wird freigesprochen. Ein eklatanter Beweis dafür, wie es dem „Richterkollegium" darumzu tun war, „Recht und Gerechtigkeit" zu sprechen, bietet das interessante Plaidoyer des Herrn Colonel Paleologlu. des königlichen Kommissärs, der die Anklage zu vertreten hatte. Er hielt nämlich eine förmliche — Verteidigungsrede, so daß dann der eigentliche, der bezahlte Verteidiger seine Rede mit den Worten einleiten konnte: „Meine Herren! Ich habe eigentlich nichts vorzubringen, denn der Herr Staatsanwalt hat meine Rolle übernommen und die Unschuld meines Klienten bewiesen." Wahrhaftig, so eine Komödie wurde in einem Gerichtssaal noch nie aufgeführt. Schauen wir uns einmal die „Anklage" dieses Herrn Paleologlu an. „Ich bin froh", so begann er, „daß Herr Colonel Marasescu vor das Kriegsgericht gestellt wurde, damit endlich bewiesen werden soll, daß es in unserer Armee keine solchen Offiziere gibt, die sich derartige Sachen zu Schulden kommen lassen, wie sie die bezahlte Presse in die Welt hinausgeschrien, (sie!): Was ist denn eigentlich in D o r o h o i u geschehen? Ein Pogrom? Ist jüdisches Blut in den Straßen geflossen? Nein! Es hat sich nur ein „harmlosera Fall ereignet, wo mehrere jüdische Soldaten die militärische Disziplin durchbrachen und statt in der Kaserne, außerhalb derselben die Nacht zubrachten. Da aber dieser Fall öfter vorkam und begründete Furcht vorlag, diese Disziplinlosigkeit jüdischer Soldaten würde auch auf die braven, gut disziplinierten, christlichen Kameraden ansteckend wirken, mußte doch Herr Marasescu zu einem, wenn auch nach dem strikten Wortlaut des Gesetzes unstatthaftem Mittel greifen, um ein für allemal ein Exempel zu statuieren. Herr Colonel Marasescu ist mir befreundet, ich kenne ihn als einen Mann von streng militärischer Disziplin, aber auch von besonderer Herzensgüte. Sein einziger Fehltritt bestand darin, daß er Art. 222 des M.-St.-G.-B. nach seinem Gutdünken interpretiert hat. Es liegt mir gewiß ferne, seine völlige Unschuld hier klarzulegen, hat er doch selbst zugegeben, daß er sich hat hinreißen lassen, die widerspenstigen (!) jüdischen Soldaten züchtigen zu lassen. Aber soviel muß ich von dieser Stelle aus sagen: Fällen Sie, meine Herren ein gerechtes (!) Urteil, ein Verdikt, das geeignet sein soll, die Disziplin in unserer Armee noch strammer zu festigen, nicht aber solchen Leuten, die unserem Lande gar keinen Nutzen bringen,gar noch Satisfaktion zu verschaffen! So spricht ein öffentlicher Ankläger! Und dameinte noch Ministerpräsident Sturdza, Rumänien könnte sich vor dem Auslande rehabilitieren! Nein, es wird vielmehr aus der Reihe europäischer Staaten endgiltig gelöscht werden. W. Großbritannien. Israel Zangwill gegen „Die Welt." London, den 5. November (Orig.-Korr.). In der letzten Nummer der „Welt" wird ein Aufsatz des New- Yorker „Vorwärts" gegen die faktische Sklaverei in Südamerika dazu benützt, um die Galveston-Expeditionen der „Itoanzugreifen. Der betreffende Redakteur scheint auf sehr schlechtem Fuße mit der Geographie zu stehen, sonst müßte er ja wissen, daß Galveston nicht in Südamerika, sondern in den Vereinigten Staaten lie^t, daß daher jener Artikel mit der „Ito" nichts zu tun hat. Israel Zangwill hat sich sofort beeilt, auf den Angriff der „Welt" mit dem nachstehenden, kräftigen Briefe zu antworten: London, den 4. November 1907. An die Redaktion der »Welt«. Werter Herr! Ich bemerke in Ihrer letzten Nummer einen Artikel, der die Aufmerksamkeit meiner Organisation auf die Gefahren einer Form legalisierter Sklaverei in »Südamerika« lenkt. Weshalb dieser Artikel die Ueberschrift »Galveston« trägt, begreife ich nicht, da doch Galveston nicht in »Südamerika« gelegen ist. Sollten jedoch damit die südlichen Vereinigten Staaten von Amerika gemeint sein, so stehen auch diese in geringer Verbindung mit unserer Galveston-Emigration, da die größte Zahl unserer Emigranten nach den mittleren westlichen Staaten befördert wird. Wenn Sie meine eigene Rede über diesen Gegenstand ebenso gierig wie diesen mißleitenden Bericht abgedruckt hätten, so würden Sie ersehen haben, daß der Schutz und die Leitung der Ito gerade gegen solche Gefahren nötig sind, ohne die anderen großen Ziele zu erwähnen, welche einst auch die Zionisten begreifen werden. Galveston ist bloß der Weg zu unserem Zufluchtslande, wie hoffentlich Köln der Weg zu Palästina ist. Ich ergreife diese Gelegenheit, um mein Bedauern auszudrücken, daß die Jüdische Kolonialbank noch immer darauf erpicht ist, ihre kostbaren Fonds auf einen vollständig nutzlosen Prozeß zu vergeuden, der nur den Advokaten von Nutzen sein kann, wie auch die Entscheidung ausfallen mag. Wenn auch meine Seite gewinnen sollte, so kann ja noch immer, bei der gegebenen Einrichtung des Gründeraktienmechanismus, der Besitzer einer einzigen namentlichen Pfundaktie jedes territorialistische Projekt vereiteln. Möge es daher Herr Katzenelsohn nicht wiederum wagen, mich anzuklagen, das Geld der Bank zu verschwenden oder das Kind entzwei schneiden zu wollen. Er ist es, der das uns von Herzl hinterlassene Kind zerschneidet, nicht ich. Ihr gehorsamer Israel Zangwill, ÄllEN WSßlJilSN M. 31. Warscliawski, der Advokat in Kiew, der vor einer Woche gestorben ist, war in den weitesten jüdischen Kreisen Rußlands auch als Di cht er geschätzt. Viele Gedichte von ihm wie „Ein Brief von Amerika", „Zwei Schwestern" u. s. w. sind zum Gemeingut der breitesten Schichten geworden, unter denen sein Name noch recht lange gefeiert werden wird. Aus der russischen Hölle. Vom Senat ist erläutert worden, daß die Pacht von Gewerbeanstalten, darunter auch von Mühlen in den Dörfern des jüdischen Ansässigkeitsrayons, an sich den Juden noch nicht die Berechtigung verleiht, an den Orten, wo sich diese Anstalten befinden, sich ständig niederzulassen. Dort kann ihnen nur das Rechtauf einen zeitweiligen Aufenthalt zugestanden werden, der seinem Charakter nach nicht in einen ständigen Wohnsitz übergehen darf.

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