Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 49 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-fhjaujffCTT*^"1 **TWimB 11 m snrm'tr' ■ Nr. 49. »Neue National-Zeitung« Seite 5. | Juliette Herzl. | Im Alter von 38 Jahren ist die Witwe Theodor Herzls an einem schweren Herzleiden in Alt Aussee verschieden. Nach dreijähriger Witwenschaft ist sie ihren Kindern entrissen worden, welchen sich nunmehr als vater- und mutterlosen Waisen alle Sympathien im erhöhterem Maße zuwenden müssen. Betrachtet man die vergrämten Gesichtszüge auf dieser Photographie aus der letzten Zeit, die wir hier zur Eeproduktion bringen, mit dem blühenden Aussehen der Verstorbenen, mit dem anmutigen Lächeln, mit den vergnügten Augen, die ihr Gesicht noch vor zehn Jahren zierten, zu jener Zeit, als sich Theodor Herzl intensiv mit der zionistischen Bewegung zu beschäftigen anfing, so wird man herauslesen, daß es eine tiefunglückliche Frau war, deren Leben nicht nur von einer physischen Krankheit, sondern von einem tiefen, psychischen Leid vernichtet wurde. Es wäre eine falsche Pietät, wenn wir den Nekrolog dieser Frau mit einigen nichtssagenden Phrasen verzieren wollten. Denn auch sie hat das Recht, nicht bloß als die Frau eines bedeutenden Mannes beurteilt, sondern auch als Individualität verstanden zu werden Eine lebensfrohe Natur, als Weib voll Anmut, ein Kind reicher Eltern, durfte sie, als sie nach hartem Strauß mit ihren Eltern ihre Hand dem Dr. Theodor Herzl zum Lebensbunde reichte, erwarten, an der Seite dieses geliebten Mannes das Ideal einer Ehe zu verwirklichen. Es kam aber anders. Die politische Tätigkeit ihres Gatten, insbesondere seine Tätigkeit für die zionistische Idee, hat diese glückliche Ehe getrübt. Diese Frau, die ihren Mann leidenschaftlich liebte, wollte ihn ganz für sich, für ihre Familie haben; sie sah ja in ihm ihr Glück, ihr Lebensglück. Und da kam die zionistische Bewegung, die sein ganzes Sinnen und Trachten in Anspruch nahm. Er mußte in Versammlungen, auf Eeisen. Er saß stundenlang an seinem Arbeitstische oder hielt Besprechungen ab. Diese Zeit hat Theodor Herzl seiner Familie entrissen. Wie oft hörte ich diese arme Frau, als ich im Hause Herzls noch täglicher Gast war, ihm wehmütige Vorwürfe machen, wie wenig Zeit er doch für seine Familie erübrige! Diese Kränkung wurde zu einer bangen Sorge und dann zu einem tiefen Gram, der am Herzen der Verstorbenen nagte. Juliette, so nannte Herzl seine Gattin, war eines der vielen Opfer, die Theodor Herzl am Altar des Zionismus niedergelegt hat. Wenn wir nun im Testamente der Verstorbenen lesen, daß sie im Krematorium zu Gotha eingeäschert zu werden wünsche und daß sie ihre Urne ihrem Sohne vermache, so mag dieses eigenartige Verlangen wohl in dem stillen Märtyrium dieser Frau seine Deutung finden. L. Der Herausgeber der „Neuen National-Zeitung", Dr. S. R. Landau, hat anläßlich des Todes der Frau Julie Herzl der Familie Leo Czopp als deren nächsten Angehörigen kondoliert. Auch der Jüdische Klub hat an die Familie Czopp eine Kondolenz srerichtet. Dr. rtlox flordau über den letzten Zionistenkongrefj. Paris, den 5. November. In einer großen Volksversammlung, die von der Föderation der französischen Zionisten am letzten Samstag einberufen wurde, erstattete Dr. M. Nord au, als Delegierter zum letzten Zionistenkongreß, seinen Rechenschaftsbericht. Derselbe ließ an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Dr. Nordau bekannte sich nach wie vor als strammer Anhänger der zionistischen Bewegung. Wenn er auch so manches, was am letzten Kongresse unter der Marke des „praktischen" Zionismus beschlossen wurde, kritisierte, so strafte er doch alle jene Lügen, die seine plötzliche Abreise von dem Haag als Symptom eines Bruches ansehen wollten. Die Rede machte sehr großen Eindruck: Der Zionismus ist politisch oder er ist nicht. „Eine große Anzahl von Blättern stimmte bei der Uebersicht der Resultate des VIII. Zionistenkongresses darin überein, daß das speziell Charakterisierende darin bestand, daß er dem politischen Zionismus ein Ende gesetzt habe. Wenn diese Behauptung richtig wäre, so könnte man schon gleichzeitig sagen, dieser Kongreß bedeute überhaupt das Ende des Zionismus. Denn der Zionismus ist politisch, oder er existiert überhaupt nicht. Er wurde immer als politisch angesehen, seine Pläne waren immer politisch, sein Ausgangspunkt und seine Daseinsberechtigung sind politisch, seine Programme und Formeln sind politisch und er kann nur durch politische Mittel realisiert werden. Jene Behauptung ist daher ein Unsinn. Der VI II. Kongreß hat den politischen Zionismus nicht getötet; er hat dem politischen Zionismus lediglich eine andere Interpretation gegeben, er hat ihn erweitert. Was ist denn der Gegenstand des Zionismus? Er hat die Absicht und die Pflicht, das jüdische Volk zu regenerieren, ihm das Bewustsein seiner nationalen Würde zu geben, in ihm die Gefühle seiner Pflicht als Nation zu erwecken, es aus seiner Isolierung zu erheben, ihm zu zeigen, daß es eine große, eiue