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Neue Nationalzeitung · 1907-11-15 · Heft 49 (15.11.1907) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 49 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. eue National-Zeitung« Nr. 49. öne Rede des k. k. Ministers Doktor Gefjmann. Am 4. Mai 1895 hat der antisemitische Abgeordnete Mechanikus Schneider in einer antisemitischen Versammlung in Floridsdorf eine seiner blutrünstigsten Hetzreden gegen die Juden gehalten. In dieser Rede wiederholte er die bei ihm stereotyp wiederkehrende Phrase: »Im Talmud heißt es: alle Völker, welche keine Juden sind, sind Hunde; ebenso wie der Mensch über den Tieren steht, steht der Jude über den Völkern der Erde.« Schneider sagte weiters: »Wie der Rothschild gepegert*), hat er 700 Millionen hinterlassen; aus dieser Summe kann man sehen, welche Güter an der Börse ergaunert werden.« Zum Schlüsse dieser Rede empfahl Schneider, das Vermögen der Juden zu konfiszieren. Wegen dieser Rede verlangte das Kreisgericht Korneuburg die Auslieferung Schneiders und hat der Immunitätsausschuß mit Bericht vom 7. November 1895 beschlossen, die Auslieferung Schneiders vor dem Abgeordnetenhause zu beantragen. In der Parlamentssitzung vom 23. November 1895 gelangte dieser Antrag zur Diskussion. Als der eifrigste Verteidiger Schneiders trat der Abgeordnete Dr. Geßmann auf. Er schloß seine Rede damals mit folgenden Worten: »Wie lange glauben Sie, meine Herren, daß sich die 95°/o der Gesamtbevölkerung ausmachenden Christen einen solchen Zustand gefallen lassen werden? Seien Sie überzeugt, daß, so wie ich, die gesamte christliche Bevölkerung in Oesterreich alle diese Dinge sehr wohl im Gedächtnisse hat und sich fragt: Das hat man uns alles bieten können, ohne daß sich irgendwer gefunden hätte, der einschreiten würde? Und jetzt, wo wir unter einem so schweren, wirtschaftlichen Joche leben, wo — das läßt sich gar nicht leugnen, mag man in der Judenfrage sonst welche Stellung immer einnehmen — durch das Eingreifen des jüdischen Elementes die Verschärfung der sozialen Gegensätze außerordentlich zugespitzt worden ist, jetzt soll jedes Wort, welches gegen die Juden gesprochen wird, sofort zum Gegenstande gerichtlichen Einschreitens gemacht werden, und auch der Abgeordnete der in dieser Hinsicht eine Aeußerung macht, sofort zur Rechenschaft gezogen werden? Es wird in dem Berichte am Schlüsse als Hauptgravamen angeführt, daß von d er Einzi ehung der Güter der Juden zugunsten des Staates gesprochen wird. Meine Herren! Das war nicht vor 20 Jahren her, sondern das war im vorigen Jahre, daß die »Neue Freie Presse« gelegentlich mit vollem Nachdrucke, bei der Besprechung des ungarischen Kulturkampfes darauf hingewiesen hat, man könne dem Klerus sofort den Kappzaum durch Konfiskation der Güter anlegen. Also hinsichtlich der Güter der Kirche, kann man zur Konfiskation auffordern, aber wenn von den Gütern Rothschilds gesprochen wird, das ist natürlich ein crimen laesae majestatis, um dessentwillen sich die Staatsanwaltschaft, das Gericht, alle andern möglichen Behörden in Tätigkeit setzen. Meine Herren! Was ist auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, auf dem Gebiete der Literatur, der Kunst, der Wissenschaft, der technischen Erfindung geleistet worden in der Unterdrückung christlicher Leistungen durch unsere Judenpresse? Jeder, der nur im leisesten Gerüche steht, daß er vor dem Judentum seine Reverenz nicht bis auf den Boden macht, wird systematisch heruntergerissen, er ist ein unfähiger Mensch, er hat alle möglichen schlechten Eigenschaften und Absichten. Ich glaube, selbst in diesem Hause wird sich nicht leicht jemand finden, der das Gegenteil behaupten wollte. Meine Herren! Das alles haben wir ruhig hingenommen und jetzt, wo uns schließlich und endlich doch die Geduld ausgeht, wo wir nicht mehr das Aschenbrödel spielen wollen, wo wir uns einfach nicht in den Winkel stellen lassen, wird sofort das angeblich beleidigte Rechtsgefühl zugunsten der Juden angerufen, wenn die Dinge beim rechten Namen genannt werden. *) Ein Jargonwort, gleichbedeutend mit _krepiertu (Anm. d. EeJ.). Meine Herren! W i e ist der An tisem itismus erzeugt worden? Ich war in meiner Jugend ein Freund der Juden, ich habe Juden die größten, weitestgehenden Dienste geleistet, die ich zufälligerweise keinem Christen geleistet habe. Ich bin ins öffentliche Leben eingetreten. Ich bin von dieser feilen, nichtsnutzigen, kapitalistischen Judenpresse in rein wirtschaftlichen Fragen in der gemeinsten, niederträchtigsten Weise herabgemacht und beschimpft worden, wie man es sich nicht ärger denken kann, und zwar dies alles zu einer Zeit, wo vom Antisemitismus noch keine Rede war. Und dann wundern Sie sich, wenn der Antisemitismus groß wird? Wenn die Juden nur ein Fünkchen Ehrgefühl hätten, müßten sie eine Hundepeitsche nehmen und die Vertreter dieser Presse überall auspeitschen im eigenem Interesse. Weil sie aber hinter dieser Presse sich verstecken, weil diese Presse eine Macht geworden ist, die alles, alles kommandiert, mukst sich niemand. Ich werde gegen diese Auslieferung deshalb stimmen, weil es ganz zweifellos ist, daß dies eine rein tendenziöse, politische Verfolgung ist, die dazu dient, das politische Wirken des Abgeordneten Schneider auf diese Weise zu strafen.« M. M. EICHLER (Boston). Die Juden in Amerika. (Schluß.) Immerhin blieb der Fortschritt der Juden in Amerika nicht auf numerisches Wachstum beschränkt. Diese Zahlen sind nur ein Index ihres wunderbaren Vorwärtskommens auf allen Linien der Betätigung. Sie sind im weitesten Sinne des Wortes erfolgreich. Ihr materielles Gedeihen ist eine wohlbekannte Tatsache. Sie okkupieren führende Stellungen in Handel, Industrie und Finanz. Ein tätigeres, energischeres und fleißigeres Volk kann kaum gefunden werden. Sie mögen geradezu designiert sein, zu prosperieren, nicht so sehr, weil es einige Millionäre unter ihnen gibt, sondern weil man weit und breit im Lande suchen könnte und doch einen arbeitsfähigen, jüdischen Almosenempfänger nicht finden würde. Das ist bezeichnend, wenn man sich erinnert, daß die meisten Einwanderer faktisch mittellos in Amerika landen. Ihr rapider Aufstieg auf der sozialen Leiter ist geradezu wunderbar. Zehn Jahre verwandeln den sparsamen Einwanderer von einem Hungerlohnarbeiter in einen Fabrikanten oder von einem Hausierer in einen prosperierenden Kaufmann. Der Jude begnügte sich jedoch damit nicht, nur seinem materiellen Interesse nachzugehen. Seine Liebe für intellektuelles Streben hat ihn zu einem glühenden Bildungsverehrer gemacht. Man wird in Amerika wenig- Universitäten und Kollegien finden, an denen Juden nicht in allen Fakultäten vertreten sind. Hier ein paar Namen: Gottheil, Seligmann, Cohn und Boas an der Columbiaer-, Loeb an der New-Yorker Universität,. Jastrow und Kowe an der Universität von Pennsylvanien, Wiener in Yale, Lyon und Gross iu Harvard, Bio omfield und Hollander in Johns Hopkins,. Hirsch und Freund an der Universität von Chicagor Jacques Loeb an der Universität von Kalifornien, Isidore Loeb an der Universität von Missouri, Josef Jastrow' an der Universität von Wisconsin, Adler am Smithonian und Flexner am Rockefeiler Institute of Medical Research. In den gelehrten Berufen, besonders in Jus und Medizin, ist der Jude außerordentlich erfolgreich. Wir können uns einen Begriff von der Anzahl der Juden in diesen Berufen machen, wenn wir bedenken, daß auf der East Side der Stadt New-York allein zirka 400 jüdische-

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