Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1907-11-08 · Heft 48 (8.11.1907) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 48 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2425679-2425680-2425715--0463-2426748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 48 „Neue National-Zeitung" Seite 0 doch existiert, und es ist daher eine der wichtigsten Pflichten dieses Kollegiums, ihm entgegenzuwirken. In einem Falle wurde Antisemitismus nachgewiesen, nämlich in Bezug auf die Behandlung und Entlassung der jüdischen Tramwaybediensteten des Johannesburger Stadtrates. Es wurden daher dem Präsidenten des Tram waykomitees über diesen Gegenstand Vorstellungen gemacht, wobei Rat Harry Graumann sich in den Dienst der guten Sache stellte. Es ist zu hoffen, dass hiermit einer Wiederholung der Beschwerden vorgebeugt wurde. "Was den Spirituosenschmuggel anbelangt, wurde während des Jahres über keinen Fall erwiesenen Schmuggels berichtet. Der Vorstand hat Material in Händen, um diesen Gegenstand speziell zu behandeln. Durch die eifrigen Bemühungen des Vorstandes wurde das Jiddisch endlich als eine europäische Sprache anerkannt. Eine Deputation interpellierte den Koloriialsekretär unter Bezugnahme auf das neue Einwanderungsgeselz und diese Vorstellungen haben zur Einverleibung folgender Klausel in das Statut geführt: „Jeder Person, innerhalb oder ausserhalb der Kolonie, welche auf Verlangen eines rechtmässig autorisierten Beamten sich unfähig erweisen sollte, ein Erlaubnisgesuoh zum Eintritt in diese Kolonie oder ein anderes, ähnliches Dokument, welohes ein solcher Beamte verlangen kann, in den Buchstaben einer europäischen Sprache zu schreiben und zu unterfertigen, kann eine solche Erlaubnis verweigert werden; für den Zweck dieser Untersektion ist bestimmt, dass Jiddisch als europäische Sprache angesehen werde." GEMEiNUSunö VERGkNSNÄlftR iCBSW Das neue Heim der Talmud-Thora. Wien. Endlich hat die seit 60 Jahren bestehende Volksschule des Vereines „Talmud-Thora" ein ihrer Bedeutung würdiges Heim erhalten. Die vor 60 Jahren begründete Schule befand sich bisher in einem sehr alten Gebäude, dessen Räume sich schon seit langer Zeit als zu beschränkt erwiesen, doch fehlten dem Vereine, der die armen Schüler auch bekleidet und mit Nahrung und Lehrmitteln versieht, die Mittel, um eine Adaptierung des Schulheims vorzunehmen. Durch die namhaften Spenden privater Wohltäter und durch eine Subvention der Kultusgemeinde — vor allem aber durch die Widmung eines Stiftungskapitales von K 40.000-— seitens des Herrn David Ritter von Guttmann, konnte endlich zum Baue des mit K 240.000- — veranschlagten Schulgebäudes geschritten werden, das sich heute als ein schmuckes, vornehmes Haus repräsentiert, das in sanitärer und hygienischer Beziehung wohl als die fortgeschrittenste, musterhafteste Schule Wiens bezeichnet werden muss. Es sei besonders hervorgehoben, dass die Schule der „Talmud-Thora" die erste Schule Wiens ist, die in ihrem Hause ein S c h u 1 b a d, eine Schulküche und einen Speisesaal errichtete, und den ärztlichen Dienst von zwei bestellten Aerzten versehen lässt. Die feierliche Einweihung des neuen Schulgebäudes fand am letzten Sonntag in Anwesenheit des Kultusvorstandes, der Rabbiner und vieler Ehrengäste statt. Sämtliche Festgäste wurden vom Obmann Markus Bondi begrüsst, der den Behörden, Korporationen, Gönnern und Förderern für ihre Unterstützung bei dem Zustandekommen des Neubaues dankte. Architekt Theodor S c h r e i e r und Baumeister M a 1 c h e r übergaben in einer Ansprache die Schlüssel des Hauses an den Obmann, worauf Oberlehrer K o h n eine Ansprache hielt, in welcher er die Geschichte der Anstalt in kurzen Worten schilderte und auch des Gründers der Anstalt, des verstorbenen Oberlehrers Simon, in ehrenden Worten gedachte. Nach dem Danke eines Schülers und der Absingung eines Festpsalms hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann eine Festrede, die mit einem Gebete für die Gesundheit des Kaisers endete. Den Schluss der Feier bildete die Absingung der «Volkshymne". Der Jahresbericht der „Chewra-Kadischa." Wien. Der Jahresbericht dieses Vereines für das abgelaufene Jahr enthält eine Fülle interessanten Materiales, das den wichtigsten Masstab zur Beurteilung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Wiener Judenschaft bietet. So ist dem Berichte zu entnehmen, dass die Ausgaben für Unterstützungen, Kurbeiträge und Medikamenten von Jahr zu Jahr um ein Beträchtliches steigen. Während im Jahre 1896 diese Ausgaben K 30.000 betrugen, bezifferte sich diese Post im Jahre 1906 auf K 50.000. Seit dem letzten Jahre beträgt die variable Steigerung K 14.000. Der Mitgliederstand blieb fast unverändert und beträgt 1550. Die fortgesetzt steigende Inanspruchnahme der Chewra- Kadischa erfordert es, dass diesem segensreichen Vereine von Seite der privaten Wohltätigkeit Aufmerksamkeit geschenkt werde. Die Chewra-Kadischa ist wohl ein rein humanitäres Institut, aber sie wird darauf achten müssen, dass auch ihre leitenden Mitglieder sich der Gemeindepolitik fernhalten, damit die Sympathien, die die Tätigkeit des Instituts verdient, nur ungeteilte werden mögen. Wien. Am 2. November fand die Generalversammlung des neugegründeten Vereines jüdischer Hochschüler für Bodenkultur in Wien statt. In den Ausschuss wurden gewählt: Erster Präsident Kollege J. K ö p p e 1, Zweiter Präsident Kollege A. Werber, Schriftführer Kollege L. Wurzel, Bibliothekar Kollege J. K w a s t e 1, Kassier Kollege P i c k I o 1 z. Wien. „Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien" verständigt uns, dass sie am 4. November einen unentgeltlichen Sprachkurs für die böhmische Sprache eröffnet hat. %usau.gNweßtfii.eN Frau Alfonse Hartog ist im Alter von 86 Jahren jüngst in London gestorben. Sie war eine sehr bedeutende Frau. Bereits im Alter von 17 Jahren veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Celia einen Band Gedichte betitelt „Früh versucht, von Fräuleins Moos, vom jüdischen Volke". Darauf folgten zahlreiche belletristische Arbeiten, darunter „Erzä ilungen aus der jüdischen Geschichte" ut s. w. Im Jahre 1855 begründete sie eine jüdische Zeitschrift für Kinder „The Jewish Sabbath Journal". Die Verstorbene stand in freundschaftlichen Beziehungen zu den hervorragendsten Männern Englands : Lord P a 1 - m e r s t o n, Sir B u 1 w e r, Sir M o n t e f i o r e u. s. w. Der Lubliner Eaw. Einer der ältesten und angesehensten Rabbiner Polens ist in diesen Tagen gestorben : Reb Hilel L i p s c h i t z, Oberrabbiner in Lublin. Der Verstorbene fungierte früher als Rabbiner in Popielany, Plungiany, Suwalki und war seit sechzehn Jahren Rabbiner in Lublin. Er war ein Nachkomme einer langen Reihe von Rabbinergenerationen, galt als grosser Talmudist und besass auch eine gewisse eui-opäische Bildung. Teuerung in Jerusalem. Die orthod. Zentral- Kanzlei in Budapest erhielt von der österr.-ungar. Gemeinde in Jerusalem eine Depesc'ie, es sei eine ungewöhnlich grosse Teuerung der Lebensmittel eingetreten, und man möge zur Hilfe umgehend zwei Waggons Mehl absenden. Leo Yeigelsfoerg, der Chefredakteur des „Pester Lloyd", der vor einigen Tageu durch Selbstmord endete, war der Sohn des sei. Rabbiners von Kiszkeresz. Das Schächtverbot in der Schweiz. Bald nachdem das Schächten in der Schweiz verboten worden war, wurden auf das Betreiben der Tierschutzvereine die Schoohtim von Basel und Zürich wegen Tierquälerei, begangen durch das Schächten von Geflügel, angezeigt und vom Polizeigericht verurteilt. Die zweite Instauz hob jedoch das vorinstanzliche Urteil auf und erklärte das Schächten von Geflügel für erlaubt. Ungünstig war uns der deutsche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.