Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 48 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung' Nr. 48 Traurig genug, dass solche barbarische Sitten durch vier Dezennien lang in der rumänischen Armee stillschweigend geduldet wurden. Mit diesen Folterungen muss endlich aufgeräumt werden, je schneller, desto eher sind wir im Auslande rehabilitiert, denn im Auslande hat diese Affare viel Staub aufgewirbelt, es wurde und wird heute noch viel darüher gesprochen. Dimitrie Stourdza, m. p." Bussland. Der Deputierte von Warschau. Warschau, Ende Oktober. (Orig.-Korr.) Zum polnischen Abgeordneten unserer Stadt — dieselbe wählt ja seit jüngster Zeit auch einen russischen Abgeordneten — ist der bisherige Deputierte und Führer der Allpolen, gleichzeitig Obmann des Polenklubs in der Duma, Herr Roman Dm o w s k i gewählt worden. Ueber diese, vom jüdischen Staudpunkte durchaus nicht erfreuliche Wahl zum Abgeordneten in der Meo tropole des von einer Million Juden bewohnten Königreiches Polen, äussert sich das hiesige „Tagblatt" folgendermassen: „Es ist kein geringer ,guter Freund', den die Juden jetzt erhalten haben. Wisst ihr, wer das i*t? Roman D m o w s k i, der gewesene und jetzige Warschauer Deputierte! Der zukünf tige Präses des „Kölo Polskie! Roman Dmowski, der in den Versammlungen vor der zweiten Duma erklärt hat, dass die Juden Polen mit samt seiner katholischen Kirche zugrunde richten wollen, und dass man ihnen daher eine Lektion erteilen müsse; Roman Dmowski, welcher bei der vorigen Wahl erklärt hat, unter dem Schlagworte des Antisemitismus zu kandidieren. Dieser Herr Dmowski erklärt nun plötzlich, dass er mit den Juden zufrieden ist. Denn die Juden haben sieh seiner Kandidatur nicht entgegengestellt, um antisemitische Hetzen zu vermeiden." Neben Dmowski wurden in Polen lediglich allpolnische Abgeordnete gewählt; der getaufte Jude Dr. Heinrieh K o n i c, der in der zweiten Duma die Stadt Plock repräsentierte, hat diesmal gar nicht kandidiert. Merkwürdigerweise hat ein anderer Konic, der hiesige Advokat Theodor Konic, die nunmehrigen Anbiederungen des Dmowski an die Juden für bare Münze angenommen und hat auf dem Bankett, welches von den Allpolen für Dmowski veranstaltet wurde, diesem seine Sympathie ausgesprochen. In jüdischen Kreisen steht Konic mit seinen Ansichten jedoch vereinzelt da. Die Väter der galizischen Allpolen sind bei uns als Antisemiten genügend bekannt. Nordamerika. Ein Theaterskaudal in New-York. New-York, 26. Oktober. (Orig. Korr.) Schalom Asch, der auf der Berliner und Wiener Bühne so gefeierte Theater-Dichter, ist hier jämmerlich durchgefallen. Sein Drama „Der Gott der Rache" wurde von der Kritik und von der jüdischen Bevölkerung insbesondere, entschieden abgelehnt. Die amerikanische Kritik und die jüdische Bevölkerung New-Yorks haben sich noch nicht zu jenem Grade von Modernismus und Realismus aufschwingen können, um die scheusslichen Szenen im öffentlichen Hause dramatisch zu finden. Die Vorstellung am Thalia- Theater wurde stürmisch unterbrochen und als der Direktor und Hauptdarsteller das Publikum von der Bühne aus belehren wollte, dass sich dieses Stück in Deutschland Prinzen angesehen haben, da meinten Leute im Zuschauerräume: „In Petersburg haben sich wahrscheinlich auch die Kosaken des Zars dafür interessiert." Gelegentlich der Polemik in der hiesigen Presse erfuhr die Oeffentlichkeit, dass dieses Stück ursprünglich von Direktor Adler erworben wurde, doch hak sich dieser später geweigert, es aufzuführen. Direktor A d 1 e r äusserte sich hierüber einem Redakteur des „J ü d i s c h e n T ag-bLa.fc.te s" gegenüber wie folgt: „Als ich vor anderthalb Jahren daran ging, eine Europa-Reise zu unternehmen, bat ich unsere hiesigen Publizisten, mir einige dramatische Schriftsteller in Europa, an die ich mich behufs Bestellung von Theaterstücken wenden könnte, namhaft zu machen. Herr Kali an vom „Vorwärts" hat mir Herrn Asch empfohlen. In Europa eingelangt, lud ich Herrn Asch zu mir. Ich erhielt zur Antwort, er werde mir ein Stück nach Karlsbad bringen, doch habe er kein Geld auf Reisespesen. Ich sandte ihm das Geld, sogar einige Mal, und er kam an. Er las mir, der Frau Adler und Herrn Günzburg das soeben vollendete Stück vor. Ich hörte mit Ekel und Schauer zu. Als er mit seiner Vorlesung zu Ende war, erklärte ich : Herr Asch! Ihr Stück macht auf mich den Eindruck, als wären Sie selbst in einem solchen Hause aufgewachsen. Ich finde darin bloss schmutzige Gedanken und obszöne Bilder. Ich bin ein Familienvater und ich müsste mich vor meiner Familie schämen, wenn ich in einem solchen Stück auftreten würde. Die Aufführung dieses Stückes wäre eine Beschimpfung des ganzen jüdischen Volkes, welches derartige Beleidigungen seitens seiner Künstler nicht verdient hat. Asch erwiderte darauf: Ich sehe ein, dass Sie Recht haben. Es ist kein Stück, für das jüdische Theater. Aber für die christliche Welt wird es gut sein. Trotzdem versuchte er es noch immer, mich zur Aufführung des Stückes zu bestimmen. Er hat geradezu geweint. Als ich aber entschieden ablehnte, überliess er mir sein Stück „Der Traum meines Volkes". Südafrika. Die Juden in Südafrika. Johannesburg. Während des vergangenen Jahres wurde allgemein die Behauptung aufgestellt, dass zahlreiche Fälle von Antisemitismus von Seite öffentlicher Körperschaften und privater Personen in ganz Südafrika vorgekommen seien. In einer Versammlung, welche unter den Auspizien der South African Zionist Federation abgehalten wurde, um die Sache zu erörtern, erreichten die Klagen über diesen Gegenstand ihren Höhepunkt. Bei dieser Versammlung waren die meisten jüdischen Körperschaften vom Rand vertreten. Es wurde beschlossen, dass dem Vorstande als der richtigen Autorität die Behandlung dieser Frage zu überlassen sei. Dem Kollegium wurde das ganze Material, eine Anzahl von Fällen angeblichen Antisemitismus, vorgelegt. Alle diese Fälle sind nun sorgfältig geprüft worden. Sie haben sich mit einer einzigen Ausnahme als grundlos erwiesen. Die Ankläger haben sich in den meisten Fällen grober Uebertreibungen schuldig gemacht. Die Stellung der Juden in Südafrika, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Leben, war niemals zufriedenstellender als gegenwärtig. Trotzdem ist es aber, eine zweifellose Tatsache, d,a§s jn gewissen Kreisen Antisemitismus