Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 48 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Jüdischen Klubs, das ein jüdisches und demokratisches ist. Die sogenannte Sozialpolitik des letzten Parlamentes war eine offensichtliche Ökonomische Schädigung der Juden." Redner zitiert den Artikel des Dr. Arnold Ascher über die jüdischen Hausierer aus der „Neuen National-Zeitung" und bespricht eingehend die Hausiererfrage. Er behandelt sodann das Kapitel der Sonntags¬ und der Samstags ruhe. Auf die politische Bedrückung der galizischen Juden übergehend, meint Redner, dass „diese Zustände ein Ende nehmen müssen." „Wir schwärmen für jüdische Nationalität, aber wir sind Gegner des Nationalismus. Das eine ist erhaben und hehr; das andere brutal und gemein, denn es führt zur Unterdrückung kleiner Völker. Es ist ein Hohn auf die Kultur des 20. Jahrhunderts, dass ein Volk von 12 Millionen seit zwei Jahrtausenden heimatlos und ruhelos umherirren muss." Stand erwähnt auch die in unserem Blatte zuerst angeregte Frage der V o I k s z ä h 1 u n g und gibt dem von uns geäusserten Wunsche Ausdruck, dass diese jüdische Statistik nicht privat sei, sondern amtlich werde. Endlich kommt Redner zur notwendigsten Frage: „Was hat der Jüdische Klub in den fünf Monaten seines Bestandes getan?" „Wir haben bis heute immer mit den oppositionellen und demokratischen Parteien gestimmt. Die Vorwürfe, die unserer Tätigkeit oft auch von innen treffen, können wir mit einem Hohngelächter beantworten." Stand zitiert die gestellten Dringlichkeitsanträge und erwähnt, dass der Jüdische Klub in dem sozialdemokratischen Antrage betreffs der Soldatenmisshandlungen mitgestimmt habe. Dass die Misshandlung jüdischer Soldaten eigentlich vom Jüdischen Klub selbständig vor das Haus gebracht werden müsste, daran hat S t a n d offenbar nicht gedacht. Er bemüht sich, das schwer empfundene Stillschweigen des Klubs mit der „Majorisierung durch die grösseren Parteien" zu entschuldigen. „Es sind viele mit unserer Tätigkeit nicht zufrieden," sagt Redner, und mahnt zur Geduld. Die ferneren Aufgaben des Klubs besprechend, kommt Redner unter minutenlangem Applaus zum Schlüsse: „Wenn wir siegen wollen, dann müssen Sie hinter uns stehen 1" Der nächste Referent Abg. Dr. Mahler beginnt seine Rede mit der poetischen Schilderung einer Abendlandschaft. Redner behandelt vornehmlich die Zurücksetzung jüdischer Staatsbürger in allen Zweigen des öffentlichen Lebens, sowie die'deutsch-böhmische Assimilantenpolitik. Als letzter Redner spricht Dr. Schallt, welcher, von seiner missglückten Kandidatur ausgehend, hauptsächlich die eigenartige Stellung der Abgeordneten Kuranda und Ofner im Parlamente schildert und die „deutschdemokratische" Poliük der Wiener Juden mit einigen Witzen abzutun versucht. ein ParteiTcbmarotzer. Herr Dr. Heinrich Loewe, auch Heinrich Sachse genannt, hat an den moralischen Ohrfeigen, die ihm für seine Fälschungsstückchen nicht nur vom Gefertigten, sondern auch von einem der tüchtigsten Führer der deutschen Zionisten, Herrn Dr. Jeremias, zu Teil wurden, noch nicht genug. Er greift zu neuen Fälschungen. Aus welchen Gründen Herr Dr. L o e w e, der Redakteur des zionistischen Parteiblattes für Deutschland, unsere Wochenschrift durchaus zu einem territorialistischen Parteiblatt stempeln möchte, ist mir ja gar nicht recht klar. Aber, dass seine Behauptung erlogen war, dass die von ihm erfundene Verbindung der „Neuen National- Zeitung" mit den Posener Territorialisten lediglich in seiner Phantasie bestanden hat, wurde von der berufensten Stelle hier festgestellt. Nun hilft sich Herr Dr. Loewe mit einer Fälschung. Offenbar glaubt er, dass wer lügt, auch fälschen müsse. Herr Doktor Jeremias sagte nämlich in der Nummer 46 ausdrücklich, dass er mit der „Neuen National-Zeitung" „und deren Redaktion niemals in irgend welchen Beziehungen gestanden habe."- Darauf erwidert Herr Dr. Loewe in der letzten Nummer der „Jüdischen Rundschau" : „Dem Eideshelfer dieses Menschen — ,dieser Mensch* bin nämlich ich — bemerke, ich nur, dass" der Redakteur der ,Neuen National-Zeitung' es uns gegenüber eine Lüge nennt, wenn wir sie territorialistisch nennen. Herr Dr. Jeremias empfahl sie als das einzige in deutscherSprache erscheinendeIto-Organ." Was hilft's, wenn Dr. Jeremias beteuert, er habe nicht die „Neue National-Zeitung", sondern die ehemalige „National-Zeitung" empfohlen; Herr Dr. Loewe wehrt sich auf Kosten der Wahrheit und des Anstandes, weil ich dem Herrn Sachse die Maske vom Gesicht gerissen habe. Auf eine Anfrage ist der Leiter des zionistischen Parteiblattes nooh immer die Antwort schuldig geblieben : Warum er die schweren denunziatorischen Angriffe des Millionärs Schiff gegen die gesamte zionistische Bewegung verschwiegen hat. Und warum er es lieber vorzieht, unter falschem iNamen einen Mann wie Brainin anzugreifen. Herr Dr. Loewe findet darauf keine Antwort, er findet bloss Schimpfworte. Er findet in seiner Garderobe, in der er sich als Sachse zu vermummen pflegt, auch noch ein „Reinliehkeitsgefühl", zu dem er gerade dann greift, wenn er auf meine etwas zudringliche Fragen Rede und Antwort stehen soll. Die Seife für diese Garderobe wird wohl die deutsche Parteipresse viel Geld kosten. Köstlich ist der Schluss. Herr Dr. Loewe wehklagt, dass alle diese Angriffe erfolgen, weil er Herrn Ussischkin „in Schutz nehmen m u s s." Trösten Sie sich Herr Dr. Loewe-Saohse, Sie werden es nicht umsonst gemacht haben..... Dr. S. R. Landau. ^am-sräRMät Dieser Teil unseres Blattes steht unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Der Philosophen-Unterstützungsverein. Sehr geehrte Redaktion! Von Seiten unserer Komilitonen sind vielfach Klagen laut geworden, dass vom Philosophen-Unterstützungsverein, Wien, I. Universität, jüdische Petenten ohne Angabe eines Grundes abgewiesen werden. Es liegt die Vermutung nahe, dass diese zahlreichen Abweisungen auf ein System zurückzuführen seien, das seinen Grund in der antisemitischen Zusammensetzung des Ausschusses hat. Es ist selbstverständlich, dass ein derartiges Vorgehen eines Vereines, der zum grossen Teil auch von jüdischen Förderern erhalten wird, nicht ohneweiters hingenommen werden kann. Wir haben daher die Absicht, im Vereine mit den anderen jüdischen Korporationen dagegen energisch Stellung zu nehmen und die geeigneten Schritte zur Abschaffung dieses Uebelstandes zu unternehmen. Um aber sicher und erfolgreich vorgehen zu können, müssen wir über genügendes, unanfechtbares Material verfügen. Es ergeht daher an alle Kollegen und Kolleginnen, die uns diesbezüglich Wesentliches mitteilen können, die dringende Aufforderung, dies schriftlich unter genauer Angabe der Adresse und des Studienjahres oder mündlich bei einem Ausschussmitgliede ehebaldigst einzubringen. Der Ausschuss der Lese- und Redehalle jüd. Hochschüler in Wien. :KORRSSPCS)D£MZ^N Oesterreich-Ungarn. Tod der Seitenstettengasse. (Eine geheime Sitzung.) Wien, 5. November. (Orig.-Korr.) Ueber die letzte Sitzung des Kultusvorstandes vom 1. November, die, wie es ja zur Regel geworden ist, geheim war, kommt uns ein offizielles Kommunique zu, dem wir Nachstehendes entnehmen: