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Neue Nationalzeitung · 1907-11-01 · Heft 47 (1.11.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 47 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung' Nr .47 Bukarest, 31. Oktober. König Garol hat erst jetzt durch einen Zufall von den Folterungen der jüdischen Soldaten im Regimente VIII Dragos (Dorohoiu) Kenntnis erlaugt. Der König hat sofort den Kriegsminister, General Averescu, beauftragt, ungesäumt eine gründliche Untersuchung gegen den Colonel Marasescu neuerdings einzuleiten, und ihm — dem Könige — von deren Ergebnis Bericht zu erstatten. Diesem allerhöchsten Befehle zufolge wird sich Colonel Marasescu gemäss den vom Kriegsminister getroffenen Dispositionen Mitte November vor einem Kriegsgericht bestehend aus den Generalen Pavlo, Pressan und Zossima zu verantworten haben! Die Anklage wird Colonel Paleologlu vertreten. DSK JÜDISCHER Schutz gegen „Yerjudung". Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Unter diesem Titel bringt das „Deutsche Volksblatt8 vom 20. d. M. einen Artikel, in dem es in marktschreierischer Weise gegen den fingierten jüdischen Einfluss auftritt. Anlass dazu gab die Interpellation des deutschradikalen Abg. v. Stransky wegen der Ernennung jüdischer Lehrkräfte an deutschen Hochschulen. Herr Stransky wendet sich gegen die Ernennung jüdischer Lehrkräfte an deutschen Hochschulen im allgemeinen und jüdischer Privatdozenten an der Universität in Prag im besonderen. Aber als Juden haben wir doch nach den Staatsgrundgesetzen die Gleichberechtigung gleich allen anderen Völkern Oesterreichs. Solange die nationale Autonomie in Oesterreich noch nicht durchgedrungen istund wir Juden uns genötigt sehen, an deutschen Hochschulen zu inskribieren, müssen wir unser volles Recht und damit auch die Zulassung jüdischer Lehrkräfte fordern. Gibt es jüdische Hörer, so muss es auch logischerweise jüdische Lehrer geben, ganz abgesehen davon, dass die Wissenschaft international ist und durch nationale Vernetzung entwürdigt wird. Es wirkt auch komisch, besser gesagt tragikomisch, wenn sich Stransky gegen die Ernennung jüdischer Lehrkräfte an der Universität in Prag wendet. Wer erhält das Deutschtum in Prag und wem ist es zu verdanken, dass sich dort eine deutsche Universität behaupten kann? Warum ist Herr Stransky nicht schon so rigoros, um auch die Entfernung der jüdischen Hörer von der Prager Universität zu verlangen? Er weiss wohl, dass das Prager Deutschtum dadurch seiner Hauptstütze verlustig ginge, und dass die Universität vielleicht sogar aus Mangel an Hörern mit der Zeit aufgelassen werden müsste. Wie lange noch werden die Juden dem Deutschtum treue Gefolgschaft leisten, wie lange sich noch nach jeder Wahl, wenn wir nicht mehr nötig sind, mit Demütigungen aller Art traktieren lassen? Haben wir noch immer nicht genug gelernt? Oder hoffen wir noch immer auf bessere Zeiten? Vor kurzem wurde der „deutschdemokratische" Verein des Baron Hock gegründet. Und gleich bei der Gründung machten sich Stimmen geltend, dass keine Juden in den Ausschuss gewählt werden. Einer der Hauptsprecher in der konsumierenden Versammlung war der Senior der akad. Verbindung „G o t i a", die Juden als einer „minderwertieen Rasse" keine Satisfaktion gibt. Ist das noch kein genug deutlicher Beweis, dass die „Deutschdemokraten" mosaischer Konfession ganz gehörig ange—spien werden und dennoch nicht müde werden, zu rufen, dass es regnet? M. Freundlich, stud. techn. KpftRCSPONDCNZCN Oesterreich-Ungarn. Oberlandesgericlitsrat Dr. Löwiier.*) Wien, 22. Oktober. (Orig-Korr.) Der Landesgerichtsrat beim hiesigen k. k. Handelsgerichte Doktor Josef Löwner ist zum Oberlandesgerichtsrate ernannt *) Wegen Platzmangel in der vorigen Nummer zurückgestellt. worden. Dr. L ö w n e r ist neben Kahn der zweite aktive jüdische Oberlandesgericlitsrat in Oesterreich. Die beiden Herren bleiben weiter bei der ersten Instanz. Sie auch dem Oberlandesgerichte zuzuteilen, hat sich die Justizverwaltung noch nicht aufschwingen können. Es war übrigens sehr pikant, wie behutsam das Justizministerium in der letzten Zeit diese Ernennung vorbereitet hat, um nur nicht den Zorn der antisemitischen Presse herauszufordern. Beim Handelsgerichte waren drei getaufte Oberlandesgerichtsräte, Dr. B e i s s e r, Dr. Friedländer und Dr. Neumann, die alle zum Oberlandesgerichte kompetierten. Der antisemitische Hauptmoniteur erfuhr davon und schlug gleich Alarm über die bevorstehende „ Verjudung'* des Oberlandesgerichtes. Das Ministerium hat diesem Winke nicht — widerstanden. Die freien Stellen wurden also in Raten besetzt. Zuerst kam ein getaufter Jude und ein Christ, dann kam wieder ein Getaufter. Nun kommt endlich auch der Ungetaufle. Bis hieher geht's also doch noch ohne Taufschein. Oberlandesgerichte und Oberster Gerichtshof haben sich jedoch bisher judenrein gehalten. Ganz judenrein? Das nicht. Aber die obersten Richter sind alle im Besitze von Taufscheinen. Sonst könnte Oesterreich aus den Fugen treten. Oesterreich ist ja ein katholischer Staat . . . Theodor Ritter von Goldschmidt. Wien, 29. Oktober. (Orig.-Korr.) Der Vizepräsident der Kultusgemeinde und Gemeinderat, Baurat Theodor Ritter von Goldsohmidt, feierte am 28. d. seinen siebzigsten Geburtstag, aus welchem Anlasse eine Feier stattfand. Man erfuhr da ganz neue Dinge über die vielfachen Verdienste des Vizepräsidenten der Kultusgemeinde. Für uns bleibt selbstverständlich seine Tätigkeit als Kultusvorsteher die Richtschnur. Und da ist eigentlich nicht viel zu sagen; man hat noch nicht gehört, dass Theodor Ritter von Goldschmidt gegen das Judentum gearbeitet hätte; aber man wird vergebens nach seinen Leistungen für das Judentum suchen. Er verkörpert den Typus des geräuschlosen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde und lebt daher in schönster Uebereinstimmung mit seinen Kollegen im Präsidium der Gemeinde, was Herr Dr. Alfred Stern nicht genug rühmen konnte. Das unleugbare Deutschtum des Herrn Vizepräsidenten der Kultusgemeinde erhielt Bestätigung durch das Erscheinen der Vertreter der „deutschfreisinnigen Partei''. Die Herren Konstantin N o s k e und Alex. Ritter v. Dorn hoben mit freudiger Genugtuung hervor, wie wacker der Vizepräsident der Kultusgemeinde für den „Liberalismus" und für die — „deutschen" Interessen eingetreten sei. Die übrigen Kultusvorsteher waren tief gerührt .... Es kamen noch zahlreiche Vereine zum Wort, denen der Jubilar als Mitglied angehört. Die böhmischen Zionisten. Prag, 23. Oktober. (Orig. Korr.) Am letzten Sonntag waren die Delegierten der zionistischen Organisationen Böhmens zu einem Distriktstag versammelt. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Rechen Schafts- und Kassaberichte. Aus denselben geht hervor, dass Böhmen 1683 Schekel abgeführt hat und die Sohekelzahler in 22 Vereinen organisiert sind. Das Distrikts-Komitee hat Kr. 2867*77 ausgegeben und Kr. 3288"51 eingenommen. An den Nationalfond sind aus Böhmen abgegangen Kr. 9324*81. Der Distriktstag wurde am Nachmittag nach Annahme der nachstehenden, vom Abg. Dr. M a h 1 e r beantragten Resolution geschlossen:

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