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Neue Nationalzeitung · 1907-11-01 · Heft 47 (1.11.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 47 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 47 „Aeue National-Zeitung" Seite 9 „Das böhmische Distriktskomitee wird beauftragt, seine intensive und extensive Agitation in allen Teilen des Landes aufs nachdrücklichste zu fördern. Auf Erhaltung der bestehenden Organisationen, auf Vertiefung der zionistischen Arbeit, auf das Hineintragen des zionistischen Gedankens in das jüdische Haus und in die jüdische Schule muss sein Hauptaugenmerk gerichtet werden." Deutsches Keich. Ein neues Lehrheim. Berlin, 25. Oktober. (Orig. Korr.) Am 22. d. M. fand die Einweihung des neuen Heims der Lehranstalt für die "Wissenschaft des Judentums statt. Der Feier wohnten die Repräsentanten der höchsten Staatsbehörden bei, wie Kultusminister Dr. Holle, Polizeipräsident Dr. von Borries, der Stadtverordneten-Vorsteher Langerhans, selbst die Professoren der Theologie Strack und Graf Baudissin usw. Die jüdische Gesellschaft Berlins war durch ihre geistigen Führer vertreten. Aus London hat sich Claude Montefiore eingefunden. Die Feier wurde von dem Sängerchor der Synagoge in der Lindenstrasse mit dem Vortrage des Psalm 24 eingeleitet, worauf der Vorsitzende des Kuratoriums, Justizrat Veit Si mon, in einer schlichten, aber eindringlichen Ansprache auf die Bedeutung des Tages hinwies uud dem Danke an die Erschienenen beredten Ausdruck lieh. Er schloss mit einem Hoch auf den Kaiser und das kaiserliche Hans. Hierauf nahm Minister Holle das Wort zu folgender r> Ansprache : Meine Herren! Wenn ich heute an dieser Stelle das Wort nehme, so erwarten Sie kein Eingehen auf schwierige religiöse Gebiete, wie sie der Herr Vorredner berührt hat. Ich bin hierher gekommen, um mich mit Ihnen Ihres neuen prächtigen Heims?u freuen und Ihnen durch mein Erscheinen wie die übrigen Gäste zu bekunden, dass jede ernste wissenschaftliche Arbeit, und darum auch diese Anstalt, die zur tieferen Erforschung ihrer Religion und zur Heranbildung tüchtiger Religionsdiener bestimmt ist. vollen Beifall und volle Anerkennung findet. Die Wissenschaft, ob sie gleich nach des Dichters Wort dem Leben ihre Kraft verdankt und aus dem Leben ihr eigenes Leben nimmt, schafft doch auch erst des Lebens wahren Wert. Und dazu rechne ich neben dem höchsten Ziele, uns an die Grenzen menschlicher Erkenntnis zu führen, vor allem auch, dass wissenschaftliches Forschen auf allen Gebieten, wenn es selbstlos und in sachlicher Hingabe getrieben wird, unseren Blick weitet, uns die Auffassungen anderer verstehen lässt und so echte Duldung föidert. Möchte sich dies auch an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums fürder bewähren! Ich wünsche ihr zu ihrem Fortschreiten im neuen Heim von Herzen Glück und Gottes Segen. Den Reigen der Glückwünschenden eröffnete nunmehr Justizrat Lach mann, indem er namens der Berliner Gemeinde den innigen Zusammenhang dieser mit der Lehranstalt betonte, der sich an die Namen Makower und Lazarus knüpft. Als Vertreter des Verbandes der deutschen Juden und des Zentralvereins sprach Justizrat Fuchs, der den Einfluss der Wissenschaft auf das soziale und politische Leben, vor allem auf den Gang der Emanzipation, hervorhob. Für die ehemaligen Hörer trat Rabbiner Dr. Rosenzweig, als einer der ältesten von diesen, mit einem innigen Dank für die unausgesetzte Arbeit und treue Fürsorge des Kuratoriums ein. Hierauf sprach Professor Dr. Maybaum als Vorsitzender des Lehrerkollegiums. Zum Schluss dankte Justizrat Simon dem Minister und allen Rednern für die Teilnahme, die sie ausgesprochen, und für die Anregangen, die sie gegeben haben. Mit dem Halleluja des Psalm 150 fand die in jeder Beziehung gelungene Feier ihren weihevollen Abschluss. Die Ehrengäste folgten nun der Aufforderung des Vorsitzenden zur Besichtigung der Räume der Lehranstalt, die nach jeder Richtung hin uneingeschränktes Lob fanden. Am Abend fand unter ungewöhnlich starker Beteiligung ein Festkommers des Vereins der Hörer der Lehranstalt im Oberlichtsaal der Philharmonie statt, der einen sehr animierten Verlauf nahm. Nordamerika. Ein Achtundvierziger in Amerika. New-York, Mitte Oktober. (Orig.-Korr.) Anfangs d; M. ist August B o n d i in St. Louis im Alter von 74 Jahren gestorben. Hiemit fand die ebenso ehrenvolle als höchst abenteuerliche Laufbahn eines eingewanderten Oesterreichers ihren natürlichen Abschluss. Die Daten, welche uns über den Lebenslauf Bondis zur Verfügung stehen, erinnern in ihrer Mannigfaltigkeit an die weehselvollen Schicksale eines Maxim Gorki. Heute Freiheitskämpfer, morgen Sohullchrer, dann Setzer, Postmeister, Militär, Agitator, Schenkwirt und "Winkeladvokat in bunter Aufeinanderfolge. Aber lassen wir die Tatsachen selber sprechen; sie bedürfen keines Kommentars. August Bondi wurde am 21. Juli 1833 in Wien geboren und war schon als Fünfzehnjähriger Mitglied der Wiener Akademischen Legion, welche zu Beginn des Jahres 1848 mit Kossuth für die Freiheit Ungarns kämpfte und die Flammen der deutschösterreichischen Revolution entfachen half. Doch schon im September 1848 wanderte er mit seinen Eltern und einer Schwester nach Amerika aus. Bondis Vater, der bei industriellen Unternehmungen in Venedig beteiligt gewesen, verarmte infolge der politischen Ereignisse der Vierzigerjahre und sah sich deshalb gezwungen, mit seiner Familie auszuwandern. Im November des Jahres 1848 siedelten sie sich in St. Lonis au, wo August seine Zeit als Setzer für eine deutsche Zeitung, als Schullehrer und mit anderen Beschäftigungen verbrachte, die damals gerade die Möglichkeit zum Lebensunterhalt boten. Kr wurde Mitglied einer Organisation junger Demokraten und gewann die persönliche Freundschaft von Henry Sorntein, dem ersten militärischen Gouverneur von Missouri. Auch der Vereinigung junger Männer, welche unter dem Namen „Benton free State Democracy Club" bekannt war, gehörte er an. Im März 1855 begab sich Bondi auf dem „Polar Stern" nach Kansas City und siedelte sich im Mai desselben Jahres an der Mosquito brauch of Pottawatomie Creek in Frauklin County an. Noch im gleichen Monat ging er mit Captain John Brown ins Ottawa-Lager und war einer der sechs U e b e rlebenden, welche bei den Treffen von Black Jack (2. Juni) und Osawatomie (30. August) dabei waren. Im März 1857 übersiedelte er nach Greeley, Anderson County, und gewann Anderson County für die Topeka- Konstitution. Er erhielt eine Anstellung als Postmeister in Greeley, wurde jedoch abgesetzt, als er sich am 2. Dezember 1857 an einem Gefecht auf Baynes Ford an der kleinen Osage in Bouibon County gegen die Truppen eines Marschalls der Vereinigten Staaten beteiligte. Er war bei der Organisation der „Jayhawkers" nächst Mound City am 14. Dezember 1827 zugegen, von welchen er der einzige Uebe rieben de war. Im August 1858 übersiedelte er nach. Leavenworth und im Juli 1866 nach Salina County (Kanada), welches bis zu seinem Tode sein Wohnsitz verblieb.

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