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Neue Nationalzeitung · 1907-11-01 · Heft 47 (1.11.1907) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 47 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 47 um bis zu einem festgesetzten Termin dem Zentralkomitee einen gut begründeten und vollständig ausgearbeiteten Plan einer jüdischen Landesbank vorzulegen. Der Referent meint: Die Aktiengesellschaft sei die einzige Form, die für diese Gründuug zweckmässig und dienlich sein kann. In Bezug auf die Finanzqnellen hofft der Referent bestimmt auf kräftige Unterstützung seitens der Kolonialbauk. Seine diesbezüglichen Unterredungen mit den massgebenden Kreisen berechtigten ihn auch zu dieser Hoffnung. Die Idee der Bank wurde von der Majorität freudigst aufgenommen. Es wurde nur verlangt, dass mit der Durchführung derselben durchaus praktische Kaufleüte und Berufsfinanziers betraut werden. Zum Schlüsse wurden die Anträge des Referenten angenommen und ein Komitee eingesetzt. Die Nachmittägssitzung des zweiten Tages wurde nunmehr der L a n d e s p o 1 i t i k gewidmet. Sie begann mit einem Bericht "des Abg. Dr. Gabel über die parlamentarische Situation, worauf Dr. Brau de sein Referat über das gegenseitige Verhältnis der Landespolitik und der rein zionistischen Tätigkeit erstattete. Die Debatte war eine sehr lebhafte und von prinzipieller Bedeutung. Ich behalte mir vor, über diesen Teil der Konferenz nächstens ausführlich zu berichten. Für heute möchte ich nur noch bemerken, dass die Diskussion eine rein akademische geblieben ist. Die Meinungsverschiedenheit war zu gross und die Frage viel zu wichtig, als dass man sie schlechthin durch eine einfache Abstimmung lösen könnte. Es wurde daher dem Wunsche vieler entsprochen, die Frage noch einstweilen offen und als Gegenstand der Parteidiskussion zu lassen, bis sie das politische Leben selbst klären wird. Ein solcher Antrag wurde auch gestellt und angenommen. M. Kl. DR. CH. WEITZMANN: Das soziale und industrielle Ceben in Palästina. (E i n V o r t r a g.) Manchester, den 22. Oktober. Samstag, den 19. Oktober fand in der Talmud Thora eine stark besuchte zionistische Versammlung statt, in der Dr. Ch. W eitzmann, welcher erst kürzlich von einer Reise aus dem heiligen Lande zurückgekehrt ist, einen Vortrag über das soziale und industrielle Leben in Palästina hielt. Dr. Weitzmann, welcher herzlich empfangen wurde, sagte, dass es für ihn als Zionisten schwierig sei, einen unparteiischen Ueberblick auf die Zustände und Dinge, wie sie in Palästina sind, zu geben. Er sei als ein Liebender nach Zion gegangen, als einer, dessen Hoffnungen und Bestrebungen für die Wiedergeburt seines Volkes mit diesem Lande verbunden seien. Wie alles andere, könne auch Palästina von verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Wenn man es als ein Gegner des Zionismus besucht, könne man hundert Ursachen zur Opposition finden, wenn man aber als Zionist hinkäme, voller Hoffnungen für die Zukunft, würden sich einem tausend- Gründe aufdrängen, welche den Gedanken an die Erfüllung dieser Hoffnungen nicht allein möglich erscheinen lassen, sondern zu dem Glauben beitragen, dass sich dieselben bereits auf dem Wege der Verwirklichung befinden. Bevor er sich zurßeise anschickte, hatte er sich selbst folgende Fragen vorgelegt : 1. Könnte Palästina kolonisiert, könnte es von Juden kolonisiert werden? 2. Gibt es schon irgend welche Zeichen erfolgreicher, jüdischer Kolonisierung des Landis, und wenn, worin bestehen sie? In welcher Art war diese Kolonisieruug geführt und nach welcher Richtung könnte sie ausgebreitet werden? 3. Was haben die zionistischen Institutionen bereits getan, im Lande verbessert und welcher Verbesserungen sind sie fähig? Um diese Fragen zu beantworten, hätte er sich nach Palästina aufgemacht und die Antworten auf diese Fragen wolle er seinen Zuhörern vorlegen. Aber vorher müsse noch au verschiedene Punkte erinnert werdei], an deren wahrem Werte die wirklichen Tatsachen der Angelegenheit abgeschätzt werden könnten. Wandlungen in Palästina. Erstens habe sich Palästina fortwährend verändert, man könne sagen fortwährend verbessert. Vor 10 Jahren war Palästina ganz anders als heute. In weiteren 10 Jahren — nein, vielleicht schon in 5 Jahren — würde aller Wahrscheinlichkeit nach eine ausgesprochene Veränderung bemerkbar sein. Diese Verwandlungen in den bestehenden Kolonien, der Unterschied im Umfang des in jüdischen Händen befindlichen palästinischen Bodens, die Veränderungen in den Lebensbedingungen, in der Arbeit und im Lande selbst, waren es, welche eine grössere Rolle bei der Realisierung ihrer Ziele spielten und spielen werden, als sogar die Diplomatie ihrer Führer. Die Zionisten hatten im allgemeinen einen grossen Fehler begangen. Sie hatten mehr Vertrauen zu den Bedingungen, unter welchen Kolonien und Institutionen gegründet werden können, als zu ihrer tätsächlichen Existenz. Es.darf nicht vergessen werden, dass günstige Bedingungen eher durch bestehende Dinge geschaffen, als dass letztere durch günstige Bedingungen ins wirkliche Dasein gerufen werden können. Politischer Einfluss im Lande, welcher eines der Hauptziele der Bewegung war, könne nur erlangt werden, wenn bereits fundierte Einrichtungen geweckt würden. Er könne nicht durch Diplomatie allein geschaffen werden. Aus diesem Grunde sei er dem Fortschritte der Kolonien, welche von Baron Edmond von Rothschild gegründet wurden, mit äusserstem Interesse gefolgt. Es könne kein wie immer gearteter Zweifel bestehen, dass der Baron, insoweit es wirkliche Arbeit betrifft, im Lande mehr geleistet habe als sogar die gesamten Arbeiten der zionistischen Organisation. Es sei vollkommen wahr, dass dieses Werk nicht auf nationale Grundlage gestellt wurde, dass es auf Wohltätigkeit aufgebaut worden sei und dass mit diesen Ursachen die schmerzlichsten Tragödien der Kolonien zusammenhiengen. Es sei wirklich wahr, dass der Ghetto-Geist der Abhängigkeit grossgezogen und der Hang zum Schnorren, welcher einigen des Volkes eigen ist, ermutigt wurde. Aber alles in allem sei die Arbeit des Barons das Werk eines Staatsmannes. In Verbindung mit privaten Bemühungen und zionistischen Arbeiten liefert es die Antwort auf seine erste Frage. Palästina sei kolonisierbar und die Juden wären die richtigen Leute, es zu kolonisieren. Die bereits bestehenden Kolonien könnten in zwei Sektionen geteilt werden. Die südliche von Judaea, die nördliche von Galiläa. Beide, könne mau wahrheitsgemäss sagen, prosperieren, wenn auch langsam. Sie hatten grosse Schwierigkeiten zu überwinden und sie haben sie überwunden. Und was

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