Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 47 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Die £ande$Rottferettz der galizifcben Ziotmtcit. Lemberg, 29. Oktober 1907. Am 27. und 28. d. M. hat hier die Delegierten- Konferenz sämtlicher zionistischer Vereine und Institutionen des Landes stattgefunden. Diese Konferenz war ein längst allseitig empfundenes Bedürfnis. Es herrschte die Notwendigkeit, eine Landeszentrale zu schaffen, die alle Agenden und gemeinschaftlichen Geschäfte des Zionismus in Galizien übernehmen und besorgen, die aber auch die volle Verantwortung für alles Geschehene und Niehtgeschehene tragen sollen. Zu diesem Zwecke wurde die Landeskonferenz einberufen. Angesichts dieser ihrer Aufgabe darf wohl gesagt werden, dass die Konferenz voll und ganz dieselbe erfüllt hat. An der Konferenz nahmen etwa 160 Delegierte, die Mitglieder der drei Distrikte und die Vertreter der Parteipresse teil. Es waren auch Vertreter einiger nichtjüdischer Blätter und viele Gäste anwesend. Die Sitzungen wurden im Saal „Jad Charuzim" abgehalten und dauerten jeden Tag bis spät abends. Auf der Tagesordnung standen : 1. Der allgemeine Stand der zionistischen Bewegung im Lande. 2. Die Palästina-Tätigkeit. 3. Die Gründung eines Landes-Fiuanzinstitutes. 4. Organisation. 5. Die Landespolitik und deren Verhältnis zum „eigentlichen" Zionismus. Die Konferenz eröffnete mit einer kurzen Begrüssungsrede Herr Dr. Z i p p e r. Redner verweist auf die Notwendigkeit einer Regelung unser Organisationsformen und hebt hervor, dass im Zentrum unserer Tätigkeit nach wie vor Palästina stehen müsse, dass wir aber auch notgedrungen auf das alltägliche Leben unserer Brüder in der Diaspora reagieren und ihre Not zu lindern suchen müssen. Dr. Braude begrüsst die Versammlung im Namen des grossen Aktions-Komitees und bespricht ebenfalls die Doppelaufgabe der zionistischen Partei. Er tritt den von verschiedenen Seiten erhobenen Vorwürfen entgegen, als ob durch die Aufnahme der landespolitischen Arbeit ein Weg betreten worden wäre, der vom' „eigentlichen" Zionismus abweicht. Das sei nicht wahr. „Wir machen die Landespolitik eben darum, weil wir Zionisten sind; ohne Zionismus hätte für uns die Landespolitik überhaupt keinen Wert". Endlich begrüsst die Versammlung noch Abgeordneter Dr. Gabel im Namen des „Jüdischen Klub" und erklärt: „Der jüdisch-parlamentarische Klub ist sich seiner zionistischen Pflicht voll bewusst und wiewohl er seine Hauptaufgabe in dem Schutz der alltäglichen Interessen der jüdischen Bevölkerung Galiziens sieht, hat er aber auch das Bewusstsein, dass die Interessen schliesslich doch in konsequenter Weise zum Endziel unserer Partei und ewigen Ideale unseres Volkes führen. Daher will der Klub in keiner Weise auf seine Mitwirkung im wichtigsten Punkte unserer Parteiarbeit, im P a 1 ä s t i - n i s m u s verzichten. Im Gegenteil: Er will in den Reihen der Parteigenossen auch für diese Arbeit seinen Man i stellen und mit allen ihm zu Gebot stehenden Mitteln für das grosse Ideal unserer Gesamtnation mitarbeiten." (Lebhafter, lange andauernder Beifall.) Nach diesen Begrüssungen wird das Bureau gewählt. Als Präsident fungiert Dr. A. Salz. Nach der Wahl einer Permanenz-Kommission und einer Reihe spezieller Ausschüsse (Verifikation, Organisation, Palästina usw.) erhält Herr Dr. Rappaport zum Referat über „Palästina" das Wort. Der Referent legt eine Reihe von Thesen und Anträgen zur Organisation und Propaganda im Sinne der zionistischen Idee vor. Ueber dieses Referat entsteht dann eine mehrstündige, teilweise sehr aufgeregte Debatte, in welcher ganz besonders scharf die akademische Jugend eingegriffen hat. Wie ein Hagel schütten sich die Vorwürfe auf die bisherigen Parteiführer, welche angeblich der Landespolitik zu Liebe die Palästinaarbeit ganz vernachlässigt haben. Es werden ihnen Beschuldigungen ins Gesicht geschleudert, als hätten sie sich vom „eigentlichen" Zionismus bereits losgesagt, Männer in ihrer Mitte aufkommen lassen, die auch nie Zionisten gewesen waren und die es auch heute nicht sind, sondern lediglich „Nationaljuden", die aber keine andere Partei haben, um sich national in ihr ausleben zu können und daher allein der zionistischen beigetreten sind. Deshalb auch das in den Vordergrundschieben der landespolitischen und die stiefmütterliche Behandlung der reinzionistischen Arbeit. Dr. Braude nimmt die Parteileitung in Schutz und beweist, dass, wenn auch der Vorwurf wegen Vernachlässigung der rein-zionistischen Arbeit gewisse Berechtigung hat, sei dies einzig auf die natürliche (Jeberspannung zurückzuführen, welche durch den schweren Wahlkampf erfolgt ist. Niemand sei aber berechtigt, den Zionismus der Parteiführer anzutasten. „Niemand unter uns ist ein besserer Zionist als jemand anderer und es kann hier bloss die Rede sein von einer Abhilfe der Misstände, von einem Modus vivendi, wieso die allerdings notwendige politische Arbeit nicht auf Kosten der rein-zionistischen erfolgen solle." Es werden dann die Anträge des Referenten zur Abstimmung gebracht, die auch — neben einer Reihe von Zusatzanträgen und Amendements — angenommen wurden. Hingegen werden die T Ii e s e n des Referenten, als die Kompetenz dieser Versammlung überschreitend, abgelehnt. Die Nachmittagssitzunor wurde der Organisations- O O c3 frage gewidmet. Als Grundlage zur Diskussion lag ein Elaborat des Krakauer Distriktes vor. Das Krakauer Elaborat billigt voll und ganz den Wunsch auf o o Schaffung einer Zentrale in Lemberg, will aber in keinen Konflikt mit der allgemein-österreichischen Organisation geraten und empfiehlt daher strengste Befolgung jener — allerdings noch in Kraft verbleibenden — Beschlüsse früherer all-österreichischer Konferenzen und ganz besonders der letzten Bielitzer Konferenz. Nach einer heftigen Debatte, die sogar zur Sezession der Stauislauer Delegierten führte, wurde der Krakauer Auti-ag mit beträchtlichen Aenderungen und Modifikationen angenommen und zwar : Es wird eine Zentrale mit dem Sitze in Lemberg errichtet. Sie besteht aus fünf Herren, die in Lemberg stabil wohnen und wird von der Landeskonferenz gewählt. Dieselbe ist eine jährlich zusammentretende Institution und bildet die höchste Instanz der Partei. Ausserdem delegiert jedes Distriktskomitee je zwei Mitglieder für die Zentrale. Die Zahl der Distrikte wurde gleichzeitig um einen vermehrt, und zwar wurde aus Teilen des Lemberger und des Stanislauer Distriktes der T a rnopoler Distrikt gebildet. Das Bankreferat erstattete Dr. Salz. Er beantragt die Wahl einer speziellen zehngliedrigen Kommission, die alle Vorbereitungen zu treffen hätte,